Kommentare 40

Tätowierungen (vegane Farbe)

Wenngleich Tattoos nicht direkt unter die Rubrik Kosmetik fallen, können sie doch einen kosmetischen Nutzen haben und dienen letztendlich häufig zur Verschönerung oder Verzierung des eigenen Körpers. Auch ich habe Tattoos, weshalb dieses Thema für mich natürlich eine Herzenswahl ist. Aus diesem Grund habe ich mich entschieden einen kurzen Artikel dazu für Blanc et Noir zu verfassen.

Tätowierungen haben eine lange Tradition und wurden tatsächlich schon vor tausenden von Jahren auf dem gesamten Erdball von den verschiedensten Völkern unabhängig voneinander gestochen und weiterentwickelt. Die ältesten tätowierten Menschen, die man im Norden Chiles fand, waren über 7000 Jahre alt. Selbst Ötzi trug vor über 5000 Jahren bereits Tattoos. Wenngleich Tätowierungen zur damaligen Zeit eher rituelle oder sakrale Zeichen waren, entwickelten sie sich schnell zu Zeichen für die verschiedensten Ausdruckmöglichkeiten. Protest, Zugehörigkeit, Äußerung, Abgrenzung oder auch einfach nur als Zierde.

Theodor de Bry’s Pict woman (1588) und ein Portrait von Tāmati Wāka Nene (1860) (Public Domain)

In den späten 1980er Jahren wurden Tätowierungen aus der Unterwelt langsam nach oben geholt. Besonders durch die immer größer werdende Verbreitung in der Musikszene wurden sie gesellschaftsfähiger und waren nunmehr nicht nur unter Ganoven, Seefahrern, Häftlingen und Soldaten gesehen. – Ich habe kürzlich ein paar interessante Vintage-Fotos gefunden, die tätowierte Menschen zeigen. Ein paar der Fotos möchte ich euch nicht vorenthalten.

Quelle: http://www.collthings.co.uk/2009/04/vintage-tattoos.html

Gesundheitsrisiken

Selbstverständlich kommt kein Tattoo-Artikel ohne Warnhinweise daher. So auch hier nicht, denn es soll natürlich deutlich werden, dass selbst etwas was eine jahrtausendlange Tradition hat trotzallem gefährlich werden kann, solange man sich nicht genügend informiert und die Tätowierung nicht ausreichend pflegt. – Ein gutes Tattoostudio arbeitet mit sterilen Geräten, in sauberer Umgebung und mit allumfassender Beratung. Ein verantwortungsvoller Tätowierer sticht keine Minderjährigen und/oder kranke, drogenabhängige oder alkoholisierte Personen.

Die Wahl des Motives sollte gut überlegt sein. Selbst wenn es heutzutage die schmerzhafte und teure Möglichkeit gibt, unliebsame Tätowierungen mit einem Lasergerät entfernen zu lassen, sollte dies kein Grund für eine lapidare Motivauswahl sein. Ob vernarbtes Gewebe schöner ist als der Schriftzug des Exfreundes oder das typische Motiv „weil es halt gerade modern ist“ sollte man sich vorher überlegen und am Besten gleich etwas wählen, was mit großer Wahrscheinlichkeit keine Reue nach sich zieht.

Die Gefahren einer Tätowierung sind mannigfaltig, bei vorheriger Auswahl eines guten und vertrauenswürdigen Tätowierers und entsprechender Nachsorge, aber überaus gering. Arbeitet der Tätowierer zum Beispiel nicht steril, kann es im schlimmsten Fall zu einer HIV-Infektion kommen. Arbeitet der Tätowierer ungenau und unsauber, kann die Folge eine Blutvergiftung sein. Auch die Auswahl der Farben ist von Bedeutung, denn manche Stoffe darin können krebserregend sein. Ein verantwortungsbewusster Tätowierer benutzt ausschließlich Farben mit dem entsprechenden Prüfsiegel. Und letztendlich: Sorgst man sich nicht selbst um die Pflege des Tattoos, kann dies zu schlimmen Infektionen, Narben und Wunden führen.

Quelle

Die Tätowierung oben zeigt den maskierten ALF-Engel (Animal Liberation Front), welcher wohl gerade ein Kalb gerettet hat. Ich finde die Ausführung der Tätowierung zwar nicht so schön, aber das wofür es steht dafür ganz besonders. Ich bin keine Tierbefreierin und distanziere mich auch ausdrücklich von so mancher Aktion, aber die Idee und die Wahnsinnsaussage dahinter finde ich wirklich ansprechend.

Sind Tattoos vegan?

Ein Thema was hier selbstverständlich nicht außer Acht gelassen wird. :) – Der Vorgang einer Tätowierung ist selbstverständlich vegan. Ich hatte kürzlich eine Diskussion mit einem anderen Veganer, der Tattoos generell als unvegan bezeichnete, da Tätowierer auf Schweinehaut lernen. Diesen Grund gegen das Tätowieren lehne ich aber ab, denn letztendlich lernt nicht jeder Tätowierer auf Schweinehaut. Mittlerweile gibt es Kunsthaut auf die einige zurückgreifen. Andere tätowieren sich selbst oder üben an Orangen. Es gibt keine festen Richtlinien für diesen Beruf (weshalb eine sorgsame Auswahl des Studios ratsam ist). Auch halte ich diese Einstellung für fragwürdig, weil dies in größter Konsequez die Abschottung aus der Gesellschaft nach sich ziehen würde. Der Supermarkt hat eine Fleischtheke, der Zahnarzt isst gerne Wurst, die Stadt in der man lebt vergiftet Waschbären und so weiter und so fort. Ich für meinen Teil möchte Niemanden meiden bloß weil er nicht so lebt wie ich. Das ist nicht möglich und wäre der falsche Weg. Anderes verändern klappt nur, wenn man ein Teil des Anderen ist.

Dennoch gibt es für vegan-lebende Menschen etwas zu beachten. Die Auswahl der Farben. Viele der Tattoo-Farben enthalten zum Beispiel Schellack (gewonnen aus einer Lausart) oder Lanolin (Wollwachs). Leider wissen viele Tätowierer meist selbst nicht was sich genau in den Farben befindet und laut Gesetz müssen die Hersteller die genaue Zusammensetzung auch nicht offen legen. Das macht es weitaus schwieriger.

Die Tattoofarbe besteht aus verschiedenen Pigmenten, die natürlich letztendlich die Farbe ergeben, und aus Trägerstoffen. Dieser Mix lässt die Farbe flüssig bleiben, sodass sie leicht zu nutzen ist. Die Pigmente selbst sind meistens Metalsalze (wie Eisen oder Kupfer), pflanzlichen Ursprungs oder, wie im Falle von mancher schwarzen Farbe, zum Beispiel aus „Charcoal“ (verbrannte Tierknochen). Die Trägerstoffe hingegen sind zum Beispiel aus folgendem: Ethylalkohol, gereinigtes Wasser, Hamamelis, Listerine, Propylenglykol und Glycerin – Gylcerin wird auch pflanzlich hergestellt, ist zumeist aber aus tierischen Fetten.

Bekanntere Tattoo-Studios mixen ihre Farben zuweilen auch selbst, weshalb es generell nicht verkehrt ist einfach mal nach zu fragen. Aber es gibt auch immer mehr Unternehmen, die vegane Tattoofarben produzieren. Vielleicht möchtet ihr mir helfen die Liste dieser Firmen zu erweitern. Ich würde mich freuen.

Augen auf auch bei der Nachsorge. Panthenolsalbe gibt es in vielen veganen Ausführungen, oft ist aber auch hier Tierisches beigefügt. Yoah Kosmetik vertreibt zudem eine heilende Hanf-Salbe mit Calendula. Die ist für Tattoos gut geeignet. Zu kaufen gibt es die zum Beispiel bei Vegan Wonderland.

Tattoo Extrem

Und zu Schluss will ich euch noch ein Schmankerl mit auf dem Weg geben. Ist natürlich nicht Jedermanns Geschmack, da es in der Tat extrem ist. Aber den „Zombie Boy“ (sein richtiger Name ist Rick Genest) kennt man mittlerweile ja schon weltweit, spätestens nachdem er kürzlich einen Auftritt in Lady Gaga’s Musikvideo „Born this way“ hatte. Er ist ansonsten als Model tätig.

Bild links: (c) Courtesy of Thierry Mugler

 

Wie steht ihr zu Tätowierungen? Seid ihr vielleicht selbst tätowiert?

Quellen und weiterführende Links: http://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%A4towierung, http://en.wikipedia.org/wiki/Tattoos, http://www.associatedcontent.com/article/263163/tattooed_vegan_101_you_may_be_vegan.html?cat=7, http://pik-a-boo.blogspot.com/2010/04/vegans-non-vegetarian-weird-tattoos.html, http://vegantattooeducation.blogspot.com/p/vegan-tattoo-inks.html
Waschbär Ben

Kaffeekasse

Stöberst du gerne auf kosmetik-vegan.de? Ich freue mich über ein kleines Trinkgeld. Danke für deine Unterstützung!

♥ Ko-fi / Paypal ♥ Patreon

40 Kommentare

  1. Avatar

    Ich habe in einem anderen Blog gelesen, dass WEFA nicht vegan ist, da Schellack verwendet wird.. Wollte mir damit ein Tattoo stechen lassen, meine Tattoowiererin hat die Farbe ausch schon für mich bestellt.. Sie meint, sie schaut mal genau was drin ist, wenn die Farbe da ist.. :/

  2. Avatar
    fynja

    ..so viel geballte unwissenheit.. hoffe, hier etwas richtigstellen zu können..
    lebe selber vegan, lasse mich schon seit jahren tätowieren, ohne mir gedanken darüber gemacht zu haben..

    ..erst mein letzter tätowierer aus düsseldorf hat mich da etwas aufgeklärt, er tätowiert vegan. shellack z.b ist nur in Rottönen enthalten. habe mich daraufhin selbst erkundigt, und es gibt wirklich viele halbwahrheiten.

    jedenfalls, wenn ihr einen veganen tätowierer in NRW sucht, googelt mal fabi on the road aus düsseldorf, und fragt einfach nach. einer der freundlichsten menschen überhaupt!

    #vegan #tatttoo #nrw #nordrhein-westfalen #fabi on the road

Schreibe eine Antwort