viva la menstruacion vegan menstruation periode

Blutsbande: Was ist die Menstruation überhaupt und wieso spricht keiner darüber?

Jahrhundertelang war der menstruelle Zyklus etwas Schmutziges, gar eine Sünde. Ein Sinnbild für die Unterordnung der Frau in einer von Männern dominierten Gesellschaft. Man schämte sich für den eigenen Körper. Abscheu für das was uns Frauen gegeben ist und die Energie die während des Zyklus in uns wächst. Diese Tabus finden sich auch jetzt noch in vielen Religionen. Im Islam zum Beispiel ist es einer menstruierenden Frau nicht gestattet die Moschee zu betreten. Und im Christentum steht die Menstruation für die Erbsünde Evas, mit der wir Frauen geboren wurden. Wenn wir in den Himmel kommen wollen, müssen wir also regelmäßig dafür büßen. Das stellt sicher, dass wir Frauen nicht heilig genug sind, um im religiösen Leben eine aktive Rolle zu übernehmen.

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In unserer heutigen Zeit jedoch, weiß Jeder um den menstruellen Zyklus der Frau Bescheid. Und zum Glück scheint zumindest in unserer westlichen Kultur die Religion eine nicht mehr all zu große gesellschaftliche Rolle zu spielen. Das was jeden Monat passiert ist anerkannt, wenn auch oft als biologischer Nachteil angesehen. Wir Frauen haben ohne Aufmerksamkeit zu erregen damit zurechtzukommen. Nicht selten verheimlichen wir unsere Schwierigkeiten und Sorgen diesbezüglich, haben vielleicht sogar Angst für schwach gehalten zu werden. Das Fehlen an Kommunikation trägt zur Isolierung des menstruellen Zyklus als etwas Heimliches, etwas was man totschweigt bei.

Das ist sehr zu bedauern, denn wenn es nicht gestattet ist darüber zu sprechen, geben wir diesen Gedanken an unsere Töchter weiter.

Es ist leichter, dem Körper die Schuld zu geben und den Geist von ihm abzuspalten, als innerhalb des Rhythmus zu arbeiten und dein Leben entsprechend zu ändern.“

Ich erinnere mich noch sehr genau an meine erste Periode. Zwar wusste ich ungefähr Bescheid was da in meinem Körper geschieht, aber als ich plötzlich anfing zu bluten und meine Mutter nicht zu Hause war, war das für mich eine kleine Katastrophe. Ich fühlte mich nicht darauf vorbereitet. Meine Mutter sprach später nur kurz mit mir darüber und drückte mir eine Binde in die Hand. Ich war ziemlich überwältigt von Schmerzen, Stimmungsschwankungen, dem veränderten Bewusstseinszustand während meiner Periode. Was emotional mit einer Frau während des Zyklus passiert, darauf hat mich keiner vorbereitet. Selbstverständlich kann ich meiner Mutter keinen Vorwurf machen. Es ist tatsächlich immer noch ein Tabu, offen über die Menstruation zu sprechen und es ist kein Wunder, dass es nicht so leicht ist diese Barrieren zu durchbrechen.

Wenn ich später mal eine Tochter auf die Welt bringen sollte, dann möchte ich ihr aufzeigen was sie aus den Erfahrungen für sich als Persönlichkeit mitnehmen kann, wie sie die Menstruation als etwas Positives, als Geschenk verstehen und das Frausein und Frauwerden willkommen heißen kann. Ich möchte offen mit ihr sein und ihr zeigen, dass sie den Bewusstseinszustand während ihrer Periode als positiv verstehen und für sich nutzen kann.

Ich möchte nicht, dass meine Tochter später mal den Fehler macht und sich die monatliche Blutung weg wünscht. Denn genau diesen Fehler habe ich bereits begangen. Meine Menstruationsbeschwerden waren jahrelang sehr heftig, so stark, dass ich manchmal vor Schmerz in Ohnmacht gefallen bin. Anstatt nach alternativen Methoden zu schauen, griff ich monatlich zu Schmerztabletten, die irgendwann nicht mehr halfen. Ich war am Verzweifeln. Mein Weg führte mich zu einer Frauenärztin. Ich probierte mich durch verschiedene Anti-Baby-Pillen. Manche verschlimmerten die Situation, andere brachten neue Beschwerden. Irgendwann fand ich dann eine Pille, die ohne Pause eingenommen werden muss. Meine Blutung blieb komplett aus. Ich hatte eineinhalb Jahre keine Blutung mehr. Zuerst war ich erleichtert, aber ich spürte schnell was mir dafür alles genommen wurde. Etwas näher auf die hormonelle Verhütung möchte ich aber in einem späteren Artikel der Wochenserie eingehen. – Es ist einfach paradox etwas so Natürliches und Wichtiges wie die weibliche Menstruation komplett unterdrücken und wegdenken zu wollen. Man kann nicht ohne Folgen gegen seine eigene Natur ankämpfen. Ich habe viel aus diesen Erfahrungen gelernt und bin gerade auf dem Weg meinen Zyklus neu kennenzulernen und positive Methoden gegen meine Beschwerden in dieser Zeit zu finden.

menstruationszyklus

Die erste Menstruation tritt bei den meisten Mädchen im ungefähren Alter von zwölf Jahren ein. Der Zyklus kann am Anfang noch sehr unregelmäßig sein, pendelt sich aber zwischen 15 und 35 Tagen ein. Der Durchschnitt liegt bei einem 28 Tage langen Zyklus. Die Menstruation begleitet eine Frau viele Jahrzehnte lang, wenngleich es natürlich zu Phasen kommen kann, wo die Menstruation ausbleibt. Zum Beispiel eine Schwangerschaft oder andere physiologische Gründe. Irgendwann kommt jede Frau in die sogenannte Menopause, die ungefähr kurz vor dem fünfzigsten Lebensjahr beginnt.

Der weibliche Zyklus in vier Phasen

  • Menstruations- oder Blutungsphase (ca. 3. bis 7. Tag): Die Menstruation leitet den ersten Tag des neuen Zyklus ein. Im Normalfall dauert die Blutung drei bis sieben Tage. Um das Ablösen der obersten Schicht der überflüssig gewordenen Gebärmutterschleimhaut zu unterstützen, zieht sich die Muskulatur der Gebärmutter zusammen. Gemischt mit ungefähr 50 ml Blut pro Zyklus werden die abgelösten Teile aus der Gebärmutter gespült. Das Ende der Blutung beginnt, wenn die Gebärmutterschleimhaut erneut aufgebaut wird um sich auf eine mögliche Schwangerschaft vorzubereiten.
  • Proliferations-, Präovulations- oder Aufbauphase (ca. 5. bis 14. Tag): In dieser Phase wird die Gebärmutterschleimhaut wieder aufgebaut, daher wird sie auch Aufbauphase genannt. Das Follikel setzt hierfür im Eierstock Östrogene frei, womit dieser Aufbauprozess gesteuert wird. Die Östrogene gelangen über die Blutbahn an die Gebärmutterschleimhaut, wo neue Blutgefäße erzeugt und die Schleimhautdrüsen wieder zu wachsen beginnen. Am Ende der Aufbauphase ist eine hohe Konzentration der Östrogene im Blut erreicht, weshalb die Hypophyse (Hormondrüse) verstärkt das LH (luteinisierendes Hormon) ausschüttet, was wiederum den Eisprung auslöst.
  • Sekretions-, Ovulations- oder Gelbkörperphase (ca. 15. bis 28. Tag): Nach dem Eisprung beginnt die sogenannte Gelbkörperphase. Der Gelbkörper gibt das Hormon Progesteron ab, welches zu einer erhöhten Produktion von Drüsensekret in der Gebärmutterschleimhaut führt. Die Drüsen der Gebärmutterschleimhaut wachsen weiter und in ihr wird vermehrt Glykogen eingelagert, welches die Speicherform von Glukose ist und bei einer Schwangerschaft den Embryo in den ersten Wochen als Nahrung dienen wird.
  • Ischämie-, Sauerstoffmangelphase oder prämenstruelle Phase: Wenn es aber nicht zu einer Schwangerschaft kommt, bildet sich der Gelbkörper zurück und produziert kein Progesteron mehr. Dies führt zum Zusammenziehen der Arterien in der Gebärmutter und letztlich zum örtlichen Sauerstoffmangel. Dieser Sauerstoffmangel, auch Ischämie genannt, bewirkt das Absterben der obersten Schicht der Gebärmutterschleimhaut (Funktionalis). Der Zyklus beginnt von vorne.

eierstock

Durch Zufall habe ich vor einiger Zeit auf YouTube den US-amerikanischen Lehrfilm „Molly Grows Up“ über Menstruation aus dem Jahre 1953 gefunden. Ein Ausschnitt, indem die Menstruation simpel aber anschaulich erklärt wird, möchte ich mit euch teilen. Ich stehe einfach auf so alte Schinken. :D

Sex Education. MENSTRUATION CYCLE
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Weiterführende Links

Ich wünsche mir einfach, dass wir alle offener mit diesem Thema umgehen. Das ist meine Grundmotivation diese Artikelserie zu starten und deshalb musste ich dies direkt an den Anfang setzen. Viva La Menstruacion und so! :)

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48 Kommentare

  1. Avatar

    Hallo Erbse,

    ich finde deine Reihe total toll! Ich benutze selbst seit etwa einem Jahr eine Meluna Menstruationstasse und bin sehr begeistert.
    Früher hatte ich oft Probleme mit Scheidenpilzen, was sich erst besserte, als meine Frauenärztin mir empfahl, ab und an eine „Kur“ mit einem in Naturjoghurt getränkten Tampon zu machen. Dadurch werden die Milchsäurebakterien in der Scheidenflora zu vermehrt, die sozusagen die Muschipolizei sind.
    Warum ich diese Probleme hatte, wurde mir aber erst klar, als ich mich eingehender mit Menstruationstassen beschäftigte: Ich mag es nicht, in meinem eigenen Blut zu sitzen verwendete daher keine Binden. Ich habe IMMER nur Tampons benutzt und so meine Schleimhäute ausgetrocknet und anfällig für unerwünschte Keime gemacht.
    Daher ist es eine tolle Sache, dass du hier über Frauenangelegenheiten und auch die Menstruationstasse aufklärst.
    Ich bin eigentlich in einem Umfeld aufgewachsen, das recht locker mit diesen Themen umging. Dennoch wusste ich lange nicht, dass ein Zyklus von 32 Tagen völlig normal ist und dass auch alle Frauen Ausfluss haben. Eine Schande, denn so werden diese Themen totgeschwiegen und fast jede Frau empfindet sich als „schmutzig“.

    Das Video zum Schluss ist richtig klasse, nur eines finde ich dumm: Schwimmen während der Tage mit Binden oder Tampons – weniger toll. Aller anderer Sport, auch Square Dance *lol* – nur zu, sofern man sich fit fühlt. Joggen z.B. kann übrigens helfen, die ekligen Krämpfe zu mildern.

    Viele Grüße,
    Anne

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    Nicole

    Hallo,

    mir geht es auch so wie du es beschrieben hast.
    Ich kann wirklich sagen ich hasse meine Menstruation. Hatte immer starke Blutungen und Schmerzen.
    Jetzt habe ich auch eine Pille welche ich durchnehemen kann womit ich eigentlich sehr glücklich bin. Das ist denke auch nichts was man verteufeln sollte.
    Aber vllt kannst du ja mal einen Artikel darüber schreiben was das gute und tolle und schmerzfreie an der Menstruation ist. Ich bin jetzt 23 und habe meine Regel seit ich elf bin. Das ist ein langer Zeitraum aber geändert hat sich nichts. Ausser vllt das ich seit meinem ersten Mal Sex Tampongs benutzen kann. Das war dann wirklich eine Erleichterung.
    Also würde mich sehr freuen wenn das auch einmal Thema wäre. Die Themenreihe finde ich wirklich super!

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    nebo

    Vor einem halben Jahr habe ich das Buch ‚Frauenkörper, Frauenweisheit‘ gelesen und woran ich mich u.a. dunkel erinnere ;), ist, dass die Autorin Frauen als überhaupt zyklische Wesen beschrieben und einen Zusammenhang zwischen dem Mondzyklus und der Periode hergestellt hat. Sie schrieb auch, dass
    Viele in der ersten Hälfte der Periode eher extrovertiert und aktiv sind, in der zweiten Hälfte dagegen mehr introvertiert und eher fühlend/nachdenklicher und dass möglicherweise daher so viele Beschwerden rühren, dass genau dieser Zweite Teil in unserer Gesellschaft nicht so gefragt ist, in der Menschen permanent gleichbedeutend zu funktionieren haben, (unabhängig von den vielen Zyklen der Natur, dachte ich dann, z.b. das unnatürlich frühe aufstehen im dunklen im Winter bzw überhaupt das weiterfznktionieren und die ganze Action in November und Dezember, wo doch tatsächlich viele eigentlich das Bedürfnis nach Ruhe und Besinnung hätten) Irgendwie hab ich mir eine ganze Philosophie daraus gesponnen. Ich habe das Gefühl, dass wir Frauen vielleicht über sodass wie die Periode einen engeren Draht zur Natur haben und dass uns und auch den Männern vielleicht viel Leid erspart bliebe, wenn wir darauf hören bzw danach leben dürften, insbesondere die Phasen in der der Körper oder auch wie im Winter die gesamte Natur darauf eingestellt ist, sich in sich zurück zuziehen und zu regenerieren.. Ich habe meine Periode immer gehasst, nicht wegen Schmerzen aber ich habe mich wahnsinnig davor und vor mir selbst geekelt. Bei meiner ersten Periode stürmte meine Mutter aufgeregt in die Küche, wo die ganze Familie mit allen Lehrlingen und Arbeitern unseres Bauernhofes beim Essen saßen und verkündete die Neuigkeiten – ich wäre am liebsten unsichtbar geworden! Jetzt bin ich wegen meinen Kindern schon drei Jahre ohne Periode und habe soviel interessantes und positives darüber in die Finger bekommen, dass ich mich schon richtig darauf freue, sie wieder zu bekommen. .. ;)

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    nebo

    Und obwohl’s schon eh so lang war, doch noch – soweit ich weiß, ist die Periode auch eine Art der Entgiftung, der manche die höhere Lebenserwartung von Frau zuschreiben. ..

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    Lup

    Oh je. Auf die Periode bin ich gar nicht gut zu sprechen. Seit 10 Jahren habe ich sie und seit 10 Jahren habe ich durch sie Probleme. Mein Weg war so ähnlich wie deiner, könnte ich mir vorstellen. Magnesium – Schmerztabletten – Pille – keine Pille – mehr Schmerztabletten – andere Pille – mehr Schmerztabletten – Operation – andere Pille (die, die man durchnimmt, bloß, dass ich davon leider Dauerblutungen bekommen habe) – Und jetzt? KEINE PILLE! Scheiß drauf! Das Zeug nehm ich NIE wieder. Stattdessen darf ich jetzt eine Progesterontherapie machen. Aber wenn das vorbei ist…
    Außerdem wurde ja jetzt die Stoffwechselkrankheit entdeckt, die mir wahrscheinlich die meisten der Probleme beschehrt hat und vielleicht verschwinden die schlimmsten Beschwerden, sobald mein Körper wieder im Gleichgewicht ist? :)
    Frauenmanteltee ist gut. Und Wärmflasche und Füße warmhalten auch.
    Ansonsten ist bir das, was unser Bio-Lehrer mal gesagt hat immer ein großer Trost: „Bei der Periode wird die nährreiche Eiweißschicht, die die Gebärmutter auskleidet, vom Körper abgestoßen – wenn dies nicht geschähe, würde dieses Eiweiß anfangen in der Gebärmutter zu verrotten…“

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    Pauley

    Ich finde es so schade, dass kaum jemand über Kulturen spricht in denen die weibliche Fruchbarkeit geehrte wurde. Die Kelten zum Beispiel. ;) Im Gegensatz zu unserer Gesellschaft waren die Frauen trotz oder gerade wegen der Periode nicht untergestuft, im Gegenteil. Die Kelten haben es nicht für nötig gehalten Frauen zu unterdrücken.
    Es werdem immer wieder Hinweise darauf gefunden, dass Frauen auch Jägerinen usw. waren und nicht wie uns der Geschichtsunterricht glauben lassen will nur für das Sammeln und Kinder erziehen zuständig waren…

    Okay, jetzt bin ich etwas vom Thema abgekommen. Der Artikel ist super, und ich freue mich auf mehr aus der Reihe!

    LG
    Pauley

  7. Avatar

    Ehrlich gesagt finde ich es nicht schlimm, sich die Periode weg zu wünschen. Unmittelbar ist sie nunmal unangenehm. Ich denke mir jedes Mal, wenn ich sie bekomme, boah scheiße, muß das jetzt sein… Andererseits bin ich aber trotzdem auch froh drüber, weil ich mir auch jeden Monat im gleichen Atemzug denk, naja, besser als sie würde ausbleiben, denn wenn sie kommt, immer und immer wieder, ist das der beste Beweis dafür, daß Alles in Ordnung ist, und daß ich nach wie vor ein Kind haben könnte, wenn ich es denn wollen sollte. Unterm Strich finde ich also, wenn man einigermaßen Bescheid weiß über Alles, und das Ganze nicht in irgendeiner Weise stigmatisiert und vorurteilsbehaftet betrachtet, dann darf man sich die Periode so rein hypothetisch doch auch weg wünschen, oder?

    Daß die Periode insgesamt gesellschaftlich in verschiedenster Weise tabuisuert und eben auch nach wie vor stigmatisiert wird, finde ich dagegen echt schlimm. Und auch unverständlich. Meine extrem katholisch religiöse Schwiegermutter beispielsweise hat mir mal Vorträge darüber gehalten, daß man mit dem Ehemann nicht über die Periode sprechen darf – währenddessen Sex haben natürlich erst recht nicht. Eine Freundin, die Muslima ist, erzählte mir im Zusammenhang damit, daß im islamisch-arabisch geprägten Raum Körperenthaarung einen wichtigen Aspekt der Pflege darstellt, daß man diese Enthaarung streng genommen zwischen der Periode und dem darauf folgend nächsten Geschlechtsverkehr vornehmen sollte. Und orthodoxe Jüdinnen sollen in eben dem gleichen Zeitraum ein rituelles Bad nehmen, um sich wieder zu „reinigen“. Ich finde das alles ziemlich überzogen und irgendwie auch ent-natürlicht. Ich bin andererseits zwar auch kein Anhänger davon das alles episch und im Detail zu thematisieren, weil es ja ach so natürlich ist; aber es zu tabuisieren, weil es irgendwie „schmutzig“ sei, dagegen bin ich noch mehr.

    Zwei persönliche Erlebnisse hatte ich, bei denen mir bewußt wurde, daß es irgendwie ein komisches, gesellschaftliches Standing sein muß, das die Periode so hat. Ein guter Freund fragte mich mal, ob ich krank wäre, weil ich schlecht aussähe; ich sagte, nein, aber Periode halt… Daraufhin machte er ein angewidertes Gesicht, und sagte, daß ich ihm sowas nicht erzählen soll, auch wenns die korrekte Antwort auf seine Frage ist. Weil er nichts wissen will, das damit zu tun hat… Zweites Erlebnis: ich hatte mal eine Kollegin, die sehr oft so inoffiziell, ohne groß Urlaubsantrag o.Ä., frei haben wollte. Mit den verschiedensten Begründungen. Irgendwann kam sie drauf, zu sagen, sie hätte Menstruationsbeschwerden, woraufhin der Chef, ein Mann, sie immer sofort ohne weitere Fragen zu stellen, oder das in irgendeiner Weise genauer thematisieren zu wollen nach Hause schickte. Ich glaubte ihr das lange Zeit, bis ich irgendwann mitbekam, daß sie frank und frei erzählte, daß sie das nur deshalb sagt, weil es den Chef befremdet, und sie damit leicht an ihr Ziel kommt. Und daß die Periode SO tabuisiert und vorurteilsbehaftet ist, daß Frauen das schon wieder instrumentalisieren können, finde ich das das beste Zeichen dafür, daß es sich hierbei offensichtlich um eine gesellschaftliche Perversion handelt.

    Was ich sehr gut finde, ist, daß Du dagegen plädierst, die Periode mit hormonellen Mitteln zu bekämpfen. Ich hab das wegen großer Schmerzen auch einige Zeit getan – bis mir klar wurde, daß ich mit der Pille gar keine Lust auf Sex mehr hatte. Und überhaupt ein gutes Stück meines Körpergefühls eingebüßt hatte. Das erste Mal Sex nach dem Absetzen der Pille war dann … echt unglaublich!

    Übrigens gehen Prähistoriker davon aus, daß es zum Ende der Steinzeit hin nicht wenige Gesellschaften gab, in denen eine matriarchalische Struktur herrschte. Man erklärt sich das mit einer besonderen, positiven Assoziation der Menschen mit dem Mond – und da die Mondphasen zeitlich in etwa dem Menstruationszyklus entsprechen, übertrug sich diese Assoziation auf die Frauen, die ihrerseits dadurch die exponierte und dominante Stellung in diesen Gesellschaften einnahmen. Finde ich sehr interessant!

  8. Avatar
    Kay

    Hallo,

    vielen Dank für den Artikel. Weiter so! Ich finde es auch total wichtig, dass mehr darüber gesprochen wird und es auch endlich Akzeptanz findet wie es Frauen mit ihrem Zyklus ergeht. Wie oft hört man nicht den abwertenden Spruch „hast du leicht die Regel?“ etc. als wäre es eine Krankheit.
    Es ist was es ist und wir alle – ob Mann oder Frau – unterliegen nun Mal verschiedenen Hormonschwankungen.

    LG

  9. Avatar
    Genoveva

    Bin total baff … und sehr inspiriert worden durch Deine Seite! Habe mir gerade (endlich!!!) die Alepposeife bestellt! Und so wird es weitergehen: mal keine Haare waschen, dann die Roggenmehlmischung probieren und nach diesen Mens-Tässchen gucken. Die sind ja der totale Hammer!!!

    Bin so froh über diese vollkommen neuen Entwicklungen. Und super dankbar, dass ich letztes Jahr endlich vegan geworden bin. Deine Seite ist klasse!!! Danke, vielen Dank! für all die tollen Tipps – da öffnet sich für mich eine neue Tür …

    Und wirklich toll, dass Du das Thema Mens so offen angehst. Das habe ich auch im Laufe meines Lebens gelernt und kann dies nun an meine Tochter weitergeben. Sie soll den ganzen verklemmten Mist gar nicht erst entwickeln – jedenfalls arbeite ich da gegen an! Viva la Mens!

    Meine Güte, bin wirklich sehr berührt gerade :)

    • Erbse

      Oh, Genoveva. :D Ich freue mich so sehr über deine Worte! Das erhellt mir gerade den Tag. Danke dir.
      Freut mich natürlich sehr, dass du so viel für dich bei mir entdecken konntest.
      Alles Liebe <3

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    Ja, das ist ein spannendes Thema. Ich habe durch meine drei Schwangerschaften und die folgende lange Stillzeit viele Jahre nicht meine Periode bekommen und mich trotzdem immer wieder gefreut, wenn sie wieder da war. Das hieß für mich dann, ich kann jetzt wieder ein wundervolles Baby bekommen. Denn darum geht es ja eigentlich, unsere Fähigkeit, Kinder zu bekommen. Deshalb komme ich jetzt vielleicht emotional besser damit klar, wenn ich meine Menstruation habe. Ich möchte auch meinen Mädchen später gern ein positives Körperbewusstsein vermitteln. Ich spreche auch jetzt schon ganz offen mit ihnen über die monatliche Blutung, auch wenn sie noch viel zu jung sind. Es soll halt was Normales sein und die Mädels kriegen dann auf jeden Fall von mir von Anfang an Menstruationstassen – Tampons sind einfach nur noch gruselig für mich.
    Was ich noch spannend finde, ist die Frage, wieweit die Ernährung Einfluss auf die Stärke der Tage hat. Hat da jemand von Euch Erfahrungen? Liebe Grüße! Sina

  11. Avatar

    Ich finde deinen Artikel informativ, aber dennoch stört mich etwas: Ich finde es nicht falsch, sich seine Tage wegzuwünschen. Ich will niemals Kinder haben, darum brauche ich auch keine Periode. Ich will nicht fruchtbar sein und daher verstehe ich nicht, wieso ich diesen Aufwand und die ganze monatliche hormonelle Umstellung begrüßen sollte. Denn meine Periode wird niemals für etwas gut sein. Menschen, die Kinder haben wollen, können sich ja meinetwegen darüber freuen.

  12. Avatar

    Was ich auch komisch finde an sehr vielen Kommentaren:
    -die Naherückung von Weiblichkeit/Blut/Natur/Mond.. das hört sich für mich nach esoterischem Klimbim an und es stört mich auch deswegen, weil durch das Patriarchat/Sexismus Frauen jahrhundertelang als nicht rational, rein emotional und „auf ihre Natur zurückgeworfen“ angesehen wurden. Frauen wurde kein Recht auf eigene Entfaltung zugestanden, sie waren da, um einem Mann das Leben schön zu machen und seine Kinder zu bekommen.

    -die Gleichsetzung von Menstruation mit Weiblichkeit. Das ist Cis-Sexismus. Es gibt Frauen mit Penisen und Männer mit Vaginas, demzufolge gibt es Frauen, die nicht menstruieren und Männer, die menstruieren. Außerdem gibt es natürlich auch Frauen, die aus anderen Gründen nicht menstruieren – denen beispielsweise wegen Krebs die Gebärmutter entfernt wurde, oder die unterernährt sind, oder die durch ihre Verhütungsmethode nicht menstruieren.

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