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Deshalb dürfen in der EU wieder Tierversuche für Kosmetik durchgeführt werden

Es ist bedauerlich, dass ich mich ausgerechnet mit einer solchen Nachricht zurückmelde. Also erstmal ein leises Hallo an dich. Es ist schön, dass du hier bist. Entschuldige bitte, dass ich direkt mit der Tür ins Haus falle.

Bestimmt hast du bereits von REACH gehört. Falls nicht, gebe ich dir eine kurze Zusammenfassung. REACH ist die Abkürzung für “Registration, Evaluation, Authorisation of Chemicals” und regelt wie Chemikalien in der EU verwendet werden dürfen. Das Bestreben ist es, die Umwelt und die menschliche Gesundheit zu schützen, indem Chemikalien strengstens geprüft und gefährliche Chemikalien nicht zugelassen werden. Gleichzeitig soll REACH den freien Verkehr von Chemikalien auf dem Binnenmarkt gewährleisten, sowie Innovationen fördern. Herstellende Unternehmen und Import-Firmen tragen durch REACH die Verantwortung für ihre Chemikalien. Diese müssen gewährleisten, dass ihre Chemikalien sicher verwendet werden können. Darüber hinaus besteht einer der Grundpfeiler von REACH darin, Alternativen zu Tierversuchen zur Bewertung von Chemikalien zu fördern. Außerdem müssen Unternehmen, die mit dem gleichen chemischen Stoff arbeiten, ihre Versuchsergebnisse miteinander teilen.

Hört sich auf dem Papier also erstmal sehr gut an, krankt aber leider an einigen Stellen an der Umsetzung. Einer der großen Kritikpunkte ist beispielsweise, dass altbewährte Chemikalien unter REACH erneut im Tierversuch getestet werden (sollen). Auch Stoffe, die sowohl in Kosmetik, als auch in Reinigungsprodukten, Farben und Ähnlichem verwendet werden, demnach also unter das Chemikaliengesetz fallen, können weiterhin in Tierversuchen getestet werden. Einzig Stoffe, die nur für Kosmetikprodukte verwendet werden, müssen tierversuchsfrei sein.

In der EU sind Tierversuche für Kosmetik und kosmetische Rohstoffe und der Verkauf als auch der Import von diesen, verboten. Die EU ist weltweiter Vorreiter damit und Vorbild, um ebenfalls in anderen Ländern ähnliche Regularien zu etablieren.

Nun sind kürzlich zwei verheerende Entscheidungen gefallen.

Die ECHA (European Chemicals Agency) hatte Symrise (ein bedeutendes deutsches herstellendes Unternehmen von Aromen und Duftstoffen) angewiesen, Tierversuche an zwei Substanzen durchzuführen, die ausschließlich für Kosmetikprodukte verwendet werden. Es handelt sich in diesem Fall um Homosalat und 2-Ethylhexylsalicylat, die beide in Sonnenschutzmitteln zu finden sind. Symrise legte daraufhin Beschwerde ein und wollte diese unnötigen Tierversuche verhindern. Im August entschied die Beschwerdekammer der ECHA, dass Tierversuche für diese beiden Substanzen gegen den Willen von Symrise durchgeführt werden müssen, damit die Registrierungsanforderung von REACH erfüllt werden kann.

Die Beschwerdekammer verkündete, dass die Beschränkungen für Tierversuche in den europäischen Kosmetikgesetzen dies nicht verhindern, obwohl diese Inhaltsstoffe seit einigen Jahren ausschließlich in Kosmetikprodukten verwendet werden. Insofern stehen die Tierversuchsanforderungen der REACH-Verordnung in direktem Widerspruch zum Tierversuchsverbot der Kosmetikverordnung.

Das ist ein absoluter Schlag gegen das wofür in den letzten Jahrzehnten gekämpft wurde. Dieser Präzedenzfall ist verheerend für alles was noch kommen kann. Er kann die Erosion der EU-Verbote von Tierversuchen für Kosmetik, dermaßen verschärfen, dass es für ein Kosmetikprodukt beinahe unmöglich wird, kein kürzlich an Tieren getesteten Inhaltsstoff zu enthalten.
Marken können diese Tests nicht vermeiden. Es sind die Unternehmen, die Rohstoffe herstellen und liefern, die Tierversuche durchführen lassen müssen. An Stoffen, die Marken bereits lange Zeit sicher einsetzen.

Marken in meiner Tierversuchsliste, die als tierversuchsfrei markiert sind, sind nach wie vor Marken, die keine Tierversuche für Produkte und Rohstoffe in Auftrag geben oder durchführen und deren Produkte keine neu-etablierte Inhaltsstoffe enthalten, für die sie Tierversuche durchführen (lassen) müssen. Jedoch ist nicht mehr zu gewährleisten, dass herstellende Unternehmen, die an diese Marken liefern, zuvor bestimmte Rohstoffe im Tierversuch getestet haben.

Wenn eigentlich tierversuchsfreie Marken nun aufhören würden die Inhaltsstoffe zu verwenden, die aufgrund der Entscheidungen der ECHA an Tieren getestet werden müssen, wäre das konsequent. Aber es wäre meiner Meinung nach keine gute Lösung. Ganze Produktkategorien würden wegfallen und der Platz würde allein von großen Konzernen besetzt werden, denen Tierrechte schlichtweg egal sind. Diese Konzerne verkaufen sowieso.

Ich warte gespannt auf das was sich diesbezüglich nun entwickelt. Und werde mich nach wie vor dafür einsetzen, dass Tierversuche in Zukunft Geschichte sind. Was wir beide gegen Tierversuche machen können, habe ich in einem meiner letzten Artikel besprochen. -> Das kannst du gegen Tierversuche tun.

Pass gut auf dich auf und bis bald.

Erbse

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Zum Weiterlesen und Quellen:

Waschbär Ben

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