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Kräuter fürs Haar, durchs ganze Jahr!

In meiner Kindheit habe ich stundenlang in einem Buch über Heilpflanzen von Maria Treben gestöbert, welches stets einen wichtigen Platz im Bücherregal meiner Mutter einnahm. Da war es nicht verwunderlich, dass ich den Garten und die Umgebung nach allerlei Pflanzen absuchte, die im Buch eine Beschreibung fanden. Mich hat dieses “Selbstversorgen” schon immer wahnsinnig fasziniert. Zwar nicht regelmäßig, aber auch heute noch, halte ich nach Kräutern Ausschau und sammle sie zum Beispiel für das ein oder andere kleine Haarexperiment. Ich will euch dafür heute einen kleinen Einsteiger-Guide mit auf den Weg geben, der euch durch das Jahr begleitet, wenn ihr möchtet.

Wichtige Hinweise zum Sammeln von (Wild-)Pflanzen

  • Bevor ihr Kräuter erntet, seid euch sicher, dass ihr die Pflanze auch wirklich richtig zuordnen könnt.
  • Achtet außerdem auf den Ort, an dem ihr Kräuter mitnehmen möchtet. An Straßen oder an Plätzen wo mit giftigen Stoffen gedüngt wird, sollte man ebenso wenig Pflanzen sammeln, wie in Pflanzenschutzgebieten. Am Schönsten ist ein eigener kleiner Kräutergarten. Aber den haben wohl die wenigsten. Ich leider auch nicht.
  • Nicht jede Pflanze oder jedes Pflanzenteil ist zu jeder Jahreszeit zu ernten. Darauf gehe ich nachfolgend aber nochmal ein.
  • Pflanzen die augenscheinlich krank sind, weil sie zum Beispiel Pilzbefall oder andere Schäden aufweisen, da stehen lassen wo sie sind.
  • Die Pflanzen sollten nicht im Nassen und auch nicht mit Morgentau gesammelt werden. Die beste Zeit ist am Vormittag. Wurzeln sind am Besten am Abend zu sammeln, da sie dann am Gehaltvollsten sind.
  • Anstatt die Pflanzen auszureißen (außer man möchte an die Wurzeln), sollte man ein geeignetes Messer dabei haben. Und ein Behältnis, wo es die Pflanzen luftig haben. Etwa ein Korb oder etwas aus Papier.
  • Und unbedingt noch genügend Pflanzen stehen lassen. Bloß nicht alles abernten. :)

In vielen Büchern über Heilkräuter finden sich Beschreibungen von unterschiedlichen kulturellen Aspekten des Kräutersammelns. Man nimmt etwas, und hinterlässt etwas. Als kleines Mädchen war das für mich ganz selbstverständlich, noch bevor ich überhaupt darüber las. Ich sprach oft mit den Pflanzen die ich sammeln wollte und ließ als Dankeschön etwas Kleines zurück. Etwa ein wenig Kaffeesatz oder Kompost. Diesen Brauch habe ich mit in mein “erwachsenes Leben” genommen.

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Die Blätter der Kräuter werden am Besten kurz vor ihrer Blüte gesammelt, weil sie zu diesem Zeitpunkt die höchste Dichte an den wichtigsten Stoffen aufweisen. Da Pflanzen zu unterschiedlichen Zeiten blühen, sind demnach auch ihre Erntemonate verschieden. Alle hier aufgeführten Pflanzen sind auf Wiesen und in Wäldern in Deutschland zu finden. Eine der Ausnahmen ist der nicht-heimische Rosmarin. Rosmarin kann aber leicht auf dem Balkon oder im Garten angepflanzt werden. Bei Rühlemanns und anderen Kräuter-Shops ist es sogar möglich Pflanzen online zu bestellen, was erstaunlich gut funktioniert.

Kräuter für das Haar – Rund ums Jahr

Nun, eigentlich eher ab März. Zwar gibt es auch einige Pflanzen, deren Wurzeln sich zum Beispiel gut im Winter ernten lassen, diese sind aber nicht für uns als Haarspülung interessant. Falls ihr Ergänzungen oder generell Feedback habt, lasst es mich doch bitte wissen. Über das Jahr verteilt, möchte ich diesen Beitrag nach und nach mit Fotos bestücken.

März

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  • Birke (Blattknospen, Blätter (eher ab Mai)), geeignet für fettiges Haar; gegen Haarausfall und Schuppen
  • Brennnessel (Blätter; bis August), geeignet für stumpfes und fettiges Haar; gegen Schuppen und Haarausfall; bringt dunklen Haaren Glanz
  • Gänseblümchen (Blätter; bis November), geeignet für normales und fettiges Haar; gegen Schuppen

Zum Artikel: Haarkräuterkalender im März: Gänseblümchen, Birke & Brennnessel gegen fettiges Haar & Schuppen (+Video)

April

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  • Rosmarin (Blätter und Blüten), geeignet für normales, fettiges und stumpfes Haar; gegen Haarausfall und Schuppen; bei häufiger Haarwäsche
  • Thymian* (Blätter, bis Oktober), geeignet für normales Haar, gegen Schuppen
  • Wacholder (bis Juli; Beeren, Nadeln, Triebspitzen), geeignetes für fettiges Haar; gegen Schuppen

Zum Artikel: Haarkräuterkalender im April: Wacholder, Thymian & Rosmarin gegen Schuppen und für dunkles Haar (+Video)

Mai

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  • Salbei (Blätter; oder nach der Blüte im September), geeignet für fettiges und stumpfes Haar; gegen Haarausfall und Schuppen; belebt die Kopfhaut, kräftigt die Haare; färbt leicht dunkel
  • Kamille (Blüten; bis Juli), geeignet für trockenes Haar; gegen Ekzeme, Entzündungen und Schuppen; bringt goldenen Glanz in blondes Haar (mit Kamille waschen und dann in die Sonne setzen)
  • Schachtelhalm (Triebe; bis Juli), geeignet für geschädigtes und stumpfes Haar; bei häufiger Haarwäsche; gegen Entzündungen
  • Huflattich (Blätter, Blüten), geeignet für geschädigtes Haar; bei häufiger Haarwäsche; gegen Entzündungen und Ekzeme

Zum Artikel: Haarkräuterkalender im Mai: Kamille, Salbei, Huflattich & Schachtelhalm (+Video)

Juni

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  • Holunder (Blüten), geeignet für fettiges Haar; gegen Schuppen; bei häufiger Haarwäsche
  • Melisse bzw. Zitronenmelisse (Blätter, Blüten, Wurzeln, Stängel), geeignet für fettiges und stumpfes Haar
  • Minze* (Blätter), geeignet für fettiges Haar; gegen Schuppen
  • Ringelblume (Blätter, Blüten; bis Oktober), geeignet für trockenes und geschädigtes Haar; gegen Ekzeme und Entzündungen, sowie Schuppen

Zum Artikel: Haarkräuterkalender im Juni: Holunder, Minze, Melisse & Ringelblume (+Raupi)

Juli

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  • Lavendel (Blüten), geeignet für normales, fettiges und geschädigtes Haar; bei häufiger Haarwäsche

Zum Artikel: Haarkräuterkalender im Juli: Beruhigender Lavendel (+ DIY Gesichtswasser)

August

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  • Schafgarbe (komplett oder nur Blüten), geeignet für fettiges Haar; gegen Ekzeme und Schuppen; regt Haarwachstum an; bei empfindlicher Haut nur Blüten verwenden

Zum Artikel: Haarkräuterkalender im August: Schafgarbe gegen Schuppen und bei schnell fettenden Haaren

September

  • Eibisch (Wurzeln (im Kaltauszug); bis November), geeignet für trockenes Haar; gegen Entzündungen und rissige, trockene Kopfhaut

Oktober

  • Beinwell (Wurzeln), geeignet für geschädigtes Haar; gegen juckende Kopfhaut und Schuppen
  • Klette (Wurzeln), geeignet für geschädigtes und trockenes Haar; gegen Haarausfall, Schuppen, Ekzeme und Entzündungen

November/Dezember

  • Alant (Wurzeln), geeignet für normales und geschädigtes Haar; gegen juckende Kopfhaut, Entzündungen, Ekzeme und Schuppen

Da ich meist nur sehr kleine Mengen sammele, verarbeite ich sie direkt weiter. Entweder gebe ich die Kräuter in ein Öl (heiß angesetzt, wenn es nicht getrocknete Kräuter sind), in Essig, in Alkohol (als Tinktur) oder im Fall von Haarspülungen, koche ich daraus einen starken Tee. Die gesammelten Blätter oder Blüten für die Haare lassen sich aber auch gut an einem warmen und luftigen Ort trocknen. Zum Beispiel indem man sie aufhängt oder (im Fall von Blüten) auf einer sauberen Unterlage (ich nehme ein Geschirrtuch) verteilt. Die ideale Trocknungszeit liegt bei drei bis vier Tagen. Generell sollte alles daran gesetzt werden, die Pflanzen so behutsam wie möglich zu verarbeiten und zu trocknen, damit die Inhaltsstoffe (ätherische Öle und Co) in ihrer Qualität erhalten bleiben. Wer keinen Ort zum Trocknen hat, hat vielleicht einen Dörrautomaten zuhause, der 50 Grad nicht überschreiten sollte.

Rezept: Vegane Kräuterspülung für die Haare

Am Liebsten mische ich mehrere Kräuter zusammen und mache mir einen Aufguss daraus. Das ist so simpel, dass man das kaum falsch machen kann. Bei meiner Haarlänge (bis zum Po) koche ich rund zwei Liter Wasser mit etwa drei bis vier Esslöffeln getrocknete Pflanzen ab. Das Ganze lasse ich eine viertel Stunde ziehen, bis ich die Kräuter abseihe. Damit der Aufguss nicht zu heiß für meine Haare und die Kopfhaut ist, lasse ich ihn auf Zimmertemperatur abkühlen oder stelle ihn eine Weile in den Kühlschrank.
Nach der Haarwäsche stelle ich mir eine Schüssel in die Badewanne, über die ich meinen Kopf halte. Den Aufguss schütte ich über meine Haare und verteile alles gut. Im Abfluss verschwindet nichts, weil alles in der Schüssel aufgefangen wird. Meine Haarlängen tunke ich danach noch in die Schüssel, sodass auch wirklich viel vom Aufguss in die Haare und auf die Kopfhaut gelangt. Theoretisch könnte man nun die Haare nochmal kurz mit kaltem Wasser durchspülen, aber meistens lasse ich die Kräuterspülung einfach im Haar. Et voila. Fertig. :) Wie oft ihr das macht, hängt ganz von euren Haaren ab. Ich mache mittlerweile nach jeder Haarwäsche eine “Rinse”. Mal mit den Kräutern, mal auch mit Apfelessig. Weitere Möglichkeiten für Haarspülungen finden sich zum Beispiel in einem meiner älteren Artikel: Von sauren und anderen Rinsen

Buchtipps zum Sammeln von Kräutern

Zum Schluss habe ich noch ein paar Tipps direkt aus meinem Bücherregal für euch.
Falls ihr keinen Adblocker verwendet, seht ihr hier die Buchcover samt Affiliate-Links zu Amazon, über die die Bücher bestellbar sind. Ich bekomme kein Geld dafür, dass ich die Links hier eingefügt habe. Allerdings erhalte ich ein paar Prozent Gewinnbeteiligung, wenn Jemand über diese Links bei Amazon bestellt. Für euch ändert sich am Preis nichts und es steht natürlich frei ob und wo ihr Bücher kauft. Der Transparenz wegen möchte ich das aber nicht unerwähnt lassen.

  • Die Kräuter-Detektive: Von Brennnessel bis Zitronenmelisse den Kinderkräutern auf der Spur – mit vielfältigen Experimenten, Spielen, Bastelaktionen, Geschichten und Rezepten durch das Jahr | von Leonore Geißelbrecht-Taferner | Das Buch habe ich nicht selbst, aber konnte schon einige Male darin stöbern. Wundervolles Buch, welches ich gerne an Kinder verschenke.
  • Welche Heilpflanze ist das? | von Wolfgang Hensel | Ein Bestimmungsbuch im Kleinstformat. Passt in die Hosentasche und habe ich gerne dabei, wenn ich draußen unterwegs bin.
  • Mein Wildkräuterführer: Unterwegs mit der Kräuter-Liesel – Wildkräuter und Wildpflanzen finden und erkennen | von Liesel Malm | Habe ich ebenfalls gerne dabei, wenn ich in der Natur unterwegs bin. Ein tolles Bestimmungsbuch mit Platz für eigene Notizen.
  • Klassische Kräuter und Heilpflanzen. Ratgeber für Gesundheit, Küche und Kosmetik | von Biance Röhle | Auch hiermit lassen sich die Pflanzen bestimmen. Das Buch bietet allerdings Zusatzinformationen und Tipps wofür die Pflanzen verwendet werden können. Die Zeichnungen erinnern mich an alte Hexenbücher und vermitteln ein ganz besonderes Gefühl beim Stöbern und Lesen.

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Disclaimer: Alle Angaben ohne Gewähr, aber gewissenhaft recherchiert und selbst verwendet. Die mit Sternchen* gekennzeichneten Pflanzen sollten nicht, oder nur in geringen Mengen, während einer Schwangerschaft angewendet werden. Die Warnung bezieht sich eigentlich auf oral verabreichte Pflanzen, aber sicher ist sicher.

Ich lade euch hiermit gerne ein, mich in meinem Jahr der Kräuterhaarspülungen zu begleiten. :)

Waschbär Ben

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44 Kommentare

  1. Pingback: DIY: Vegane Haarpralinen | Blanc et Noir – Vegan Beauty Blog

    • Ich habe den Tipp mit dem Dörrautomaten ausprobiert und dabei natürlich die von dir kommunizierte Temperaturgrenze eingehalten.

      Hat tadellos funktioniert.

      Nur falls sich jemand wundert, ob das wirklich klappt.

  2. Pingback: DIY: Duftende Kräuterhaarspülung (kthxbye Essiggestank) | Blanc et Noir – Vegan Beauty Blog

  3. Pingback: Kräuterspülung für die Haare | natürlich, plastikfrei & schnell gemacht – einbisschengrüner

  4. Pingback: Meine Kräuterecke | Blanc et Noir – Vegan Beauty Blog

  5. Bendte

    Ich möchte Dich auf etwas hinweisen. In der Küche werden am besten frische Kräuter verwendet, das dürfte bei Haarkosmetik nicht anders sein. Abkochen zerstört doch viele Inhaltsstoffen? Ich habe heute Holunderblüten gesammelt, drei Dolden. (Ich habe recht kurze Haare). Ich habe sie in kaltes Wasser eingelegt für ca. drei Stunden und einen Schuss Essig hinzugefügt. Ganz am Ende noch mit heißem Wasser aufgefüllt, weil ich keine kalten Sachen am Kopf mag. Abgesiebt. Und dann habe ich mir die Haare damit gespült. Das ist ein herrliches Gefühl, und duftet wunderschön. Es geht also ohne Abkochen! Besser mit ein bisschen Essig und Wasser die Duftstoffe rausziehen. Oder gibt es spezielle Gründe für das Kochen?

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