Kunstleder_Doc
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Der Vergleich: Echtleder – Kunstleder

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Nach meinem Artikel über die veganen Doc Martens möchte ich nun Kunstleder, besonders im Vergleich zu Echtleder, noch einmal genauer unter die Lupe nehmen.

Das Angebot an lederfreien Schuhen und Taschen ist mittlerweile sehr hoch, es gibt sie in allen Preisklassen und Stilrichtingen. Ob online (auf speziellen Seiten für vegane Schuhe oder auch auf zum Beispiel Zalando) oder in der Stadt.

Schauen wir uns zuerst einmal das Material an.

Optisch gibt es mittlerweile Kunstleder, das sehr nah an das Original heran kommt oder gar nicht mehr zu unterscheiden ist. Wobei es hier stark auf die Verarbeitung und Preisklasse ankommt. Auch die Qualität ist von diesen Faktoren abhängig. Es gibt zum Beispiel günstige Schuhe aus Kunstleder, die nach wenigen Wochen kaputt gehen (ein gutes Beispiel dafür sind Schuhe von Deichmann) und es gibt teurere oder teure Schuhe, die lediglich etwas weicher, aber genauso stabil sind wie Echtleder-Schuhe (hier finde ich zum Beispiel die Dr. Martens sehr gut).

Kunstleder

 

Kunstlederschuhe kann man aber sofort erkennen! Im Schuh selbst oder an der Verpackung befindet sich ein Aufkleber, auf dem Ober- und Untermaterial, sowie Sohle ausgezeichnet sind. Handelt es sich um echtes Leder, erkennt man dies leicht an der Tierhaut. Oft werden die Produkte aber auch gut ersichtlich mit „Echt Leder“ ausgezeichnet. Auch in Online-Shops sollten die Materialien in der Produktbeschreibung klar erkennbar sein.

Für die Nase ist beides nicht so der Renner – Kunstleder riecht oft unangenehm nach Plastik etc., aber auch Leder hat von der Gerbung einen chemischen Eigengeruch. Wie lange sich der Geruch in echtem Leder hält, weiß ich leider nicht, aber bei Kunstleder verfliegt er nach wenigen Tagen.

Das Grundprodukt für echtes Leder ist Tierhaut (beispielsweise von Rindern, Pferden oder Ziegen), welche gegerbt wird. Gerbung nennt man einen Vorgang, bei dem die Haut mechanisch verändert wird, das heißt, dass die Proteine in der Tierhaut fixiert und miteinander vernetzt werden. Erst dann handelt es sich um Leder! Das sichtbare Leder an einem Kleidungsstück ist das sogenannte Oberleder und wird meist aus Rinder-, Kälber- oder Ziegenhaut hergestellt.

Kunstleder besteht aus einem Verbund von textilem Gewebe und/oder Vlies, welches dann mit einer weichen PVC- oder Polyurethan-Beschichtung überzogen wird. Das verleiht dem Kunstleder auch das typische Aussehen. Gegebenenfalls erhält das Kunstleder eine Schaumstruktur, die dem Verbraucher einen Trage- beziehungsweise Sitzkomfort verleiht.  Kunstleder wird auch „faux Leder“ genannt, da faux auf französisch falsch bedeutet.

Mögliche Gründe für die Verwendung von Kunstleder:

  • Es ist günstiger als echtes Leder.
  • Die Verarbeitung ist leichter, da Kunstleder als Endlosmaterial hergestellt wird und nicht, wie echtes Leder, nur in Stücken erhältlich ist.
  • Die Herstellung erfolgt schneller.
  • Polyurethan-Kunstleder kann in der Waschmaschine gewaschen werden, was bei echtem Leder nicht der Fall ist.
  • Ein weiterer Grund sind die ethischen und ökologischen Apekte, auf die ich im Folgenden weiter eingehen möchte.

Der ethische Aspekt

Oft höre ich Sätze wie: „Aber Leder ist doch nur ein Nebenprodukt“ oder: „Die Tiere werden doch eh für das Fleisch geschlachtet.“ Das stimmt aber nur bedingt. Nur ein kleiner Teil des verwendeten Leders kommt tatsächlich als Abfall aus den Schlachtereien. Viel mehr werden die Tiere extra für die Produktion gezüchtet, da auch das mittlerweile eine lukrative Geldquelle ist.

Der ökologische Aspekt

Man kennt das Problem mit den Rindern aus der Fleischindustrie: Rinder scheiden enorm viel Methangas aus, was unter anderem für die Ozonlöcher mitverantwortlich ist.

Für die Gerbung von Tierhaut, wie aber auch für die Herstellung von Kunstleder werden sehr viele schädliche Chemikalien wie Kunstharze und Weichmacher verwendet, deshalb streiten sich hier die Geister. In diesem Fall kommt es ein bisschen auf die Preisklasse an. Da für die Gerbung von Leder allerdings Chrom verwendet wird, was umweltschädlich und krebserregend ist, finde ich Letzteres gesundheitlich bedenklicher.

Was nun ökologisch besser vertretbar ist, wurde leider nocht nicht endgültig festgestellt.

Fazit

Ich werde weiterhin auf echtes Leder verzichten. Abgesehen von den ethischen und ökologischen Gesichtspunkten stimmen für mich auch Preis und Qualität einfach. Das Billigste vom Billigsten kaufe ich mir trotzdem nicht. Lieber spare ich ein bisschen länger für ein schönes Paar Schuhe oder eine Tasche, als sie 2 Monate später wieder entsorgen zu müssen.

Mich würde mal interessieren, wie ihr zu Leder steht? Kauft ihr echtes Leder? Gibt es weitere Unterschiede, die ich hier nicht genannt habe?

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Lederfreie vegane Schuhe:

45 Kommentare

  1. Valerie

    Mich würde interessieren, wie es mit der Abnutzung aussieht. Ich wollte mir die veganen Docs kaufen, bin mir aber unsicher, ob es sich lohnt in Bezug auf das Obermaterial. Bei den Leder-Docs war es immer ganz einfach, Abnutzungen zu kaschieren, bei Kunstlederschuhen war das eher schwierig. Früher hatte ich mal die Echtleder-Boots, und ich habe sie sehr geliebt. Dummerweise sind sie irgendwann verschwunden und ich möchte mit den neuen Docs schon ein Paar Schuhe haben, das wenn möglich ein Leben lang (oder vielleicht ein halbes) hält. Es wäre schade, wenn sich zum Beispiel die Beschichtung schnell löst, wenn man irgendwo gegen schrammt oder hängen bleibt. Hast du in der Hinsicht schon Erfahrungen machen können? Kann man mit der veganen Schuhcreme kleine Verschleißerscheinungen ausbessern?

  2. Peter Helmer

    Interessanter Beitrag, aber ehrlich, was und wem kann man heute noch vertrauen. Leder von Tieren, Herstellungsprozeß in Drittländern unter unmenschlichen und gesundheitsschädl.Verhältnissen, keine Frage…
    Aber wenn ich lese, welche Schadstoffe und gefährliche Stoffe im Kunstleder verarbeitet sind, weiß man wirklich nicht, was das größere Übel ist. Kunstleder basierend auf Rohöl, Schwermetalle, PAK, Weichmacher und mehr.
    Also es würde mich interessieren, was für Taschen und Textilien Du nutzt, oder läufst Du nackt herum. Dann sagt mir Bescheid, wann und wo.

  3. Peter Helmer

    Also ich sehe, die Kommentare sind schon älter, also noch einmal jetzt nur ernsthaft. Wenn man bedenkt, das viele Schadstoffe bis zu der gesetzlichen Grenze in den Produkten verarbeitet werden, wie will man da als Verbraucher sehen, was
    schlecht für den Menschen und die Natur ist. Ich bin da ziemlich hilflos, und ich denke, daß geht auch vielen anderen so.Gestern erst einen Beitrag gesehen von Bio-Gemüse. Im Labor stellte sich heraus, 2/3 hatten hohe Mengen an Pestiziden. Was soll man machen, man kann ja nicht jedes Mal im Labor untersuchen lassen. Alles selbst herstellen, fehlt das KnowHow und vorallem die Zeit.

  4. Sehr interessante Betrachtungsweisen, speziell für Kleider.

    Wie hältst du es da bei Sofas, Sessel, Autositzen u.ä.? Nimmst du hier nur Stoffvarianten oder dürfen es auch Echt-Leder-Varianten sein?

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