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DIY: Inhale Good Shit, Exhale Bull Shit! Veganer Balsam für Schnupfnasen.

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Am letzten Tag der diesjährigen Vivaness überkam mich die obligatorische leichte Erkältung, die zu jeder mehrtägigen Messe irgendwie dazu gehört. Diesmal hatte ich Glück, weil ich gleich als Erstes am Stand von Amanprana hängen blieb. Die gute Frau, die unvermeidbar meine heisere Stimme bemerkte, bot mir deshalb Rudolf an. Auf dem winzigen Tiegel, den sie mir lächelnd entgegen streckte, war ein Rentier mit einer roten Nase abgebildet. “Rudolf macht einen freien Atem. Versuchen Sie doch mal!”, sprach sie und nur wenige Sekunden später trug ich mir den Kräuterbalsam auf meine Schläfen, hinter den Ohren und ein wenig um die Nase, auf. Verdammt, das tat gut und es war genau das richtige in diesem Moment. Ich war so begeistert von Rudolf, dass mir der kleine Tiegel nicht mehr aus dem Kopf ging. Fünf Milliliter kosten immerhin stolze vierundzwanzig Euro.

Ihr wisst ja, dass ich mir auch mal gerne selbst etwas zusammenrühre und da ich die meisten Zutaten vom Balsam sowieso zuhause hatte, habe ich vor ein paar Monaten einfach meinen eigenen Kräuterbalsam hergestellt. Es ist kein direktes Dupe zu Rudolf, aber definitiv ein bisschen daran angelehnt. Insgesamt ist meiner etwas milder und haut einen nicht sofort mit seinem kräftigen Minze-Duft aus den Latschen. Ich mag das so ganz gerne, habe für den kommenden Winter aber schon eine stärkere Version meines Kräuterbalsams geplant. Dafür muss der jetzige aber erstmal leer werden. Ich trage ihn mittlerweile beinahe jeden Abend auf, da ich oft mit verstopfter Nase über Nacht zu kämpfen habe. Ansonsten ist er aber eigentlich eher dafür gedacht, ihn bei Erkältungen oder Husten und vielleicht sogar bei Heuschnupfen einzusetzen.

Die Zutaten

Schauen wir uns dafür erstmal die Zutaten von Rudolf an:

Cocos Nucifera Oil (Cocos Nucifera (Kokosnuss) Oil)*F, Copernicia Cerifera Wax (Copernicia Cerifera (Carnauba) Wax)*, Cinnamomum Camphora Leaf Oil (Cinnamomum Camphora (Ravintsara) Leaf Oil)*, Eucalyptus Globulus Leaf Oil*, Gaultheria Fragrantissima Oil* (Gaultheria Fragrantissima (Wintergreen) Oil)*, Thymus Vulgaris Flower/Leaf Oil (Thymus Vulgaris (Thyme) Flower/Leaf Oil)*, Mentha Arvensis Flower/Leaf/Stem extract (Mentha Arvensis (Wild Mint) Oil)*, Salvia Lavandulifolia Herb Oil (Salvia Lavandulifolia (Salbei) Herb Oil)*, Cedrus Atlantica Bark Oil*, °Limonene, Mentha Piperita Oil (Mentha Piperita (Pfepperminz) Oil)*, °Hexyl Cinnam-aldehyd, °Eugenol, °Linalol, Eugenia Caryophyllus Bud Oil (Eugenia Caryophyllus (Clove) Bud Oil)*, Cinnamomum Zeylanicum Öl aus Zweigen*, °Geraniol, °Benzyl Benzoate, °Cinnamyl Alcohol, °Citral, °Coumarin, °Benzyl Alcohol, °Isoeugenol.

*= BIO (EcoControl). F= Fairtrade. °= nicht hinzugefügt, aus natürlichen Ölessenzen

Zusammengefasst also eine Kombination aus verschiedenen ätherischen Ölen (Ravintsara, Eukalyptus, Wintergrün, Thymian, Ackerminze, Salbei, Zeder, Pfefferminze, Nelke und Zimt), sowie Kokosöl und Carnaubawachs als pflegende Komponente und für die Konsistenz.

Ich wollte keine ätherischen Öle einsetzen. Wahrscheinlich hätte ich es gemacht, hätte ich sie alle da gehabt. Aber so habe ich auf meine Sammlung an getrockneten Kräutern und Hölzern verlassen. Meine Zusammensetzung sieht daher wie folgt aus:

Die Bio-Öle und Co

  • 85 Gramm Olivenöl
  • 60 Gramm Kokosöl
  • 15 Gramm Erdmandelöl
  • 15 Gramm Sheabutter
  • 5 Gramm Sonnenblumenöl

Das Wachs

  • 20 Gramm Carnaubawachs

Die getrockneten Kräuter, Hölzer und Co

  • 13 Gramm Eukalyptus (Blätter)
  • 8 Gramm Kampfer (Harz; Cinnamomum camphora)
  • 8 Gramm Salbei (Blätter)
  • 7 Gramm Pfefferminze (Blätter)
  • 5 Gramm Thymian (Blätter, Stängel)
  • 5 Gramm Zedernholz
  • 4 Gramm Zimt (Rinde)
  • 2 Gramm Gewürznelke (Blütenknospen)

Die Mengen sind angepasst, sodass am Ende rund 200 Gramm Balsam herauskommen sollten. Das ist trotzdem noch eine ganz schöne Menge und ihr werdet daher sicherlich einige Tiegel davon verschenken können. Aber umso weniger, desto schwieriger ist auch die Herstellung in diesem Fall. Ich selbst habe sogar über 600 Gramm hergestellt und unter Freunden und der Familie viele Abnehmer gefunden.

Meine Ölzusammensetzung rührt daher, dass ich noch viele angefangene Flaschen und Töpfchen der Öle und der Sheabutter hier hatte, sodass ich sie mit dem Rezept beinahe in einem Rutsch leeren konnte. Es waren also auch pragmatische Gründe. So wäre das Balsam am Ende mindestens genauso toll, wenn zum Beispiel ausschließlich Bio-Sonnenblumenöl genutzt werden würde. Das liegt ganz bei euch und ihr könnt an dieser Stelle des Rezepts nach euren Vorlieben handeln.
Das Carnaubawachs ist hauptsächlich für die spätere Konsistenz verantwortlich. Es macht das Balsam schön fest und streichfähig. Außerdem pflegt es die Haut.

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Die Anleitung

Neben den oben genannten Zutaten, benötigt ihr außerdem:

  • Hochprozentigen, klaren Alkohol zum desinfizieren der Flächen und Gefäße
  • Sterile Gummihandschuhe oder sehr sehr saubere Hände
  • Messbecher aus Glas
  • Kleiner Topf
  • Großer Spatel zum Umrühren
  • Kleiner Spatel zum Abfüllen
  • Ein Seihtuch
  • Mehrere kleine Tiegel oder andere Glasbehälter (am Besten aus Braunglas)
  • Eine Küchenwaage

Nachdem ihr alles in eurem Umfeld desinfiziert und die Glastiegel gut ausgekocht und nochmals mit Alkohol abgerieben habt, kann es los gehen! Für den Kräuterbalsam werden die ausgewählten Öle mit den Kräutern angereichert. Eine langwierige Möglichkeit wäre es, die Kräuter im Öl für zwei bis vier Wochen an einem schattigen Ort zu lagern und die Kräuter danach abzuseihen. Ich entscheide mich meistens für die zeitgünstigere Variante. Mit Hilfe von Hitze lösen sich die wertvollen Stoffe in den Pflanzen nämlich wesentlich schneller. Hierfür wird das Öl abgemessen und in einem Topf erhitzt. Auf keinen Fall kochen! Ein wenig Hitze genügt. Danach werden die Kräuter, Hölzer und das Harz abgemessen und nach und nach ebenfalls in den Topf gegeben. Wichtig ist, dass das Öl alles bedeckt. Auf niedriger Hitze und gelegentlichem Umrühren, muss das Öl nun etwa drei bis vier Stunden auf dem Herd bleiben. Wer mehr Kräuter einsetzen und dadurch einen stärkeren Balsam möchte, muss diesen Vorgang aufteilen und zwischendurch Kräuter abseihen um danach die neuen Kräuter ins Öl zu geben. Das ist eine Menge Arbeit und ich kann verstehen, weshalb deshalb einfach auf ätherische Öl zurückgegriffen wird.

Unser Öl ist fertig, wenn es dunkelgrün ist. Die Kräuter müssen nun durch ein Seihtuch (kann zum Beispiel ein Tuch aus Baumwolle oder Leinen sein; ich habe einfach meinen Nussmilchbeutel genommen) aus dem Öl gefischt werden. Das Öl darf zurück in den Topf und erneut leicht erhitzt werden, damit das Carnaubawachs, was an dieser Stelle unter rühren hinzugefügt wird, schmelzen kann. Sobald das Wachs im Öl aufgelöst ist, muss alles ein bisschen schnell gehen, weil es sehr zügig fest wird, wenn es abkühlt. Die Glasbehälter am Besten alle schon vorher bereit stellen! Nach und nach können die Behälter nun mit unserem fertigen Kräuterbalsam befüllt werden. Wie beim Kochen von Marmelade sollten die Behälter schnell verschlossen werden, sodass im besten Fall ein Vakuum entstehen kann. Fertig!

Um die Haltbarkeit zu erhöhen, kann der Kräuterbalsam im Kühlschrank aufbewahrt werden. Damit kein Schmutz hinein kommt, sollte er am Besten mit einem kleinen Spatel entnommen werden. Die Haltbarkeit an sich orientiert sich immer am ungefähren Haltbarkeitsdatum der Zutat, die am kürzesten haltbar ist. Ansonsten kann ich aus Erfahrung sagen, dass es sich mindestens ein halbes Jahr halten sollte. Ich gebe euch aber das Versprechen, dass ihr schnell riechen werdet, falls es irgendwann schlecht geworden ist.

Die Anwendung

Die enthaltenen Kräuter helfen die Atemwege zu entkrampfen, Schleim zu lösen und zu beruhigen. Außerdem wirken sie antibakteriell und entzündungshemmend. Ich trage den Balsam daher zum Beispiel auf den Schläfen und hinter den Ohren auf, was mir nicht nur bei einer leichten Erkältung, sondern auch bei Kopfschmerzen Erleichterung verschafft. Um die Nase herum aufgetragen, hilft das Balsam bei Schnupfen und verstopfter Nase. Es kann deshalb auch zum Inhalieren (Dampfbad) genutzt werden. Bei Husten sind Einreibungen auf der Brust eine echte Wohltat.

Ich muss es dazu erwähnen: Natürlich ersetzt der Kräuterbalsam keine ärztliche Behandlung und sollte nur unterstützend eingesetzt werden. Wenn ihr ernsthaft krank seid, entscheidet euch zuerst für ärztliche oder pharmazeutische Hilfe.

So. Das war es heute mit der Portion Witchy Beauty Business. :D Ich hoffe, ich konnte euch ein bisschen neugierig auf den Balsam machen und euch zum Selbstrühren animieren. Es macht unglaublich viel Spass und über die Zeit lernt man immer mehr dazu.

Habt einen schönen Sonntag!

Waschbär Ben

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8 Kommentare

  1. Was für eine tolle Idee!
    Ich bin mal wieder erkältet und dann trage benutze ich nachts immer einen Erkältungsbalsam. Natürlich den ganz bekannten…allerdings möchte ich die Marke eigentlich nicht mehr so gern kaufen. Das Rezept kommt also zur rechten Zeit!

  2. Dein Balsam klingt wirklich toll. Ich habe (zum Glück – klopfen wir mal auf Holz ;)) selten mit Erkältungen zu tun … wenn ich Schnupfen habe, dann liegt es z.Z. vor allem an Pollen in der Luft. Aber da juckt und krabbelt eh alles.

    Weißt du denn, warum du immer mit verstopfter Nase ins Bett kriechst?! Es ist zwar toll, dass du ein kleines Heilmittel gefunden hast, aber wenn es ständig wiederkehrt?! …

    Grünste Grüße

    • Erbse

      Hey :)
      Dankeschön!
      Bei mir ist das leider ein bisschen anatomisch bedingt. Sowie ich generell mehr Schnupfen habe, wegen Pollen, schlechter Luft oder sonst was, dann ist die Nase super schnell zu bei mir.
      Ich war deshalb leider auch mal ne Weile von Nasenspray abhängig, bin aber zum Glück wieder von los.
      LG

  3. Gibts eigentlich auch einen Blog-Shop? Ich kann sowas aus technischen Gründen leider nicht selber kochen, leide aber sehr an meinem Heuschnupfen :D (der nahtlos in meinen Winterschnupfen übergeht, der nahtlos wieder zu Heuschnupfen wird.)

    • Erbse

      :D Leider nicht. Das wäre wahrscheinlich zu viel Aufwand. Aber ich habe mal überlegt, sowas in limitierter Zahl einfach über Patreon anzubieten. Ich denke einfach mal drüber nach.
      Ich mache spätestens im Herbst die nächste Charge.

      Alles Liebe <3

      • mimi

        Oh das wäre so toll!!!!! :) mein erster gedanke beim lesen war auch: ich frag die erbse mal ob sie nicht ein tigelchen verkaufen kann/möchte – ich hab auch ein ähnliches verstopfte-nase-nacht-problem und die mixtur klingt im wahrsten sinne des wortes wie balsam für die seele.

        • Gell? Ein kleiner Etsy Shop mit ihren DIY-Sachen wäre echt knorke. Naja, außer, dass ich dann echt pleite wäre. Das wäre nicht mehr so knorke. Aber ansonsten…

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