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Wie sich das Freihandelsabkommen (TTIP) auf die Kosmetik auswirkt

Seit Sommer 2013 verhandeln die USA und die Europäische Union über ein Transatlantisches Freihandelsabkommen, kurz TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership). Die damit geplante Freihandelszone soll sich positiv auf das Wirtschaftswachstum auswirken. TTIP steht allerdings massiv in der Kritik, weil der Wirtschaftswachstum zu Lasten von Kontinenten mit weniger großen Wohlstand geht (Afrika, Süd- und Mittelamerika, aber auch Asien), und zudem schwerwiegende Folgen für unsere Umwelt, unsere sozialen Rechte und für die Demokratie bedeuten kann. Beispiele sind Fracking, Gentechnik und generelle Lebensmittelsicherheit (Monsanto und Co), Datenschutz.

Aber wie könnte sich TTIP auf die Kosmetikindustrie auswirken?

Um eine gute Übersicht zu bekommen, habe ich ein paar Beispiele rausgesucht, in denen sich der Food Drug and Cosmetic Act der USA und die Kosmetikverordnung der EU unterscheiden.

In der EU sind 1349 Inhaltsstoffe in Kosmetikartikeln verboten, oder nur in geringen Mengen oder für bestimmte Zwecke (Konservierungsstoffe) erlaubt. || In den USA sind gerade mal 11 Substanzen gesetzlich verboten oder mit Einschränkung erlaubt.

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Eine Volldeklaration der Inhaltsstoffe und die partielle Kennzeichnungspflicht von Nanomaterialien in einem Produkt ist in der EU Pflicht. (siehe Mikroplastik|| In den USA hingegen gibt es keine Kennzeichnungspflicht für Nanomaterialien und auch keine eindeutigen Produktkennzeichnungen.

In der EU sind Tierversuche für Kosmetik gesetzlich verboten. (siehe FAQ: Tierversuche) Wir wissen, dass es da leider einige Hintertürchen gibt und mit TTIP könnte noch eines dazu kommen. || Denn in den USA sind Tierversuche für Kosmetik nicht gesetzlich verboten und für Produkte wie Sonnenschutzmittel oder Zahncreme (gilt als pharmazeutisches Produkt) sogar vorgeschrieben.

Zahnbleichmittel und ähnliche Produkte, die zwischen 0,1 und 6 Prozent Wasserstoffperoxid enthalten, dürfen in der EU nur durch Ärzte ausgehändigt werden. || In den USA allerdings dürfen auch Produkte mit höherer Konzentration direkt an den Kunden verkauft werden.

Der WDR hat im August eine Reihe über TTIP veröffentlicht, wo es bei einem Beitrag speziell um Kosmetik ging. Den möchte ich euch gerne verlinken:

Gefährliche Stoffe und Tierversuche WDR Fernsehen TTIP vegan Kosmetik USA EU UnterschiedAlternativer Link zum Video

Weiterführende Links und Quellen:

Waschbär Ben

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12 Kommentare

  1. Mo

    Was ich bisher so dazu gelesen habe, ist das für mich eine sinnlose Panikmache. Als würde ganz Europa einfach das amerikanische System in jeder Hinsicht übernehmen, bei dir bezogen auf Kosmetik. Das ist doch Blödsinn!

    Bestehende nationale und europäische Gesetze sind keine Verhandlungsbasis und stehen nicht zur Debatte. So lässt es zumindest die europäische Kommission verlauten. Natürlich wollen die amerikanischen (und sicher auch einige europäsische) Gesetzt unterlaufen und aufweichen, um z.B. Fracking durchzusetzen. Aber das ist doch alles rein hypothetisch und wird derzeit noch verhandelt. Es ist noch rein gar nichts beschlossen, nicht mal, ob es diese Freihandelszone geben wird. Ich glaube, da hätten auch Asien & Co. was dagegen. So einfach wird das also nicht sein.

    Ich bin kein Fürsprecher für diese Freihandelszone, im Gegenteil. Es kann eigentlich nicht angehen, dass Konzerne sowas einfach unter sich ausmachen können, quasi geheim.

    Aber jetzt schon anzufangen und so Panik zu verbreiten von wegen: „das könnte passieren“ und so ein worst case Szenario aufzubauen, ist doch auch überflüssig.

    • Erbse

      Liebe Mo,

      du hast natürlich absolut recht, dass noch nichts beschlossen ist und auch noch nicht klar ist inwieweit sich was ändern könnte. Aber mir war das Thema einen Artikel wert, allein schon um die großen Unterschiede zwischen der Food Drug and Cosmetic Act der USA und der Kosmetikverordnung der EU aufzuzeigen.

      Beste Grüße und vielen Dank für deinen Beitrag. :)

    • Ozzy

      Und jetzt, 2 Jahre später, zeigt sich das große Problem bei TTIP!
      Die Situation ist genau die selbe, keiner weiß, was da verhandelt wurde, weil die Verhandlungen geheim sind. Verlauten können Politiker viel, glauben sollte man ihnen nicht. Merkel hat jetzt angekündigt, so schnell wie möglich noch das Abkommen durchwinken zu wollen – ich bezweifle stark, dass dabei alle verbleibenden 1338 verbotenen Substanzen jetzt einfach verboten bleiben. Aber nachprüfen kann man es ja erst, wenn es beschlossen ist. Und dann wird es richtig teuer, wenn man die Substanzen „noch einmal“ verbietet.

      Der Rückhalt für TTIP bröckelt jetzt sehr stark in der Bevölkerung und ohne jegliche Aufklärung (schließlich sind die Verhandlungen ja sogar vor Politikern geheim) wird es nicht so einfach, die Bevölkerung wieder auf seine Seite zu bewegen

  2. Mo

    Na ja, dein Beitrag bringt vielleicht einige dazu, sich auch mal mit dem Thema TTIP zu beschäftigen.

    In dem Sinne ist es schon gut, darüber mal zu schreiben, denn irgendwie ist dieses Thema und die Verhandlungen viel zu wenig Thema in den Nachrichten. Und während die meisten gar nichts davon wissen, verhandeln die einfach fröhlich weiter.

  3. Ich denke das Problem liegt vielmehr darin, dass Produkte auf den Markt kommen werden, die nicht unseren Standards entsprechen und es daher für den Konsumenten noch schwieriger wird, die Übersicht über die gewünschten bzw. unerwünschten Inhaltsstoffe zu behalten.

    lg
    Maria

  4. Danke für den Beitrag. Hatte bisher beim TTIP mehr so die Kopf-in-den-Sand-Strategie verwendet. Jetzt hast du mich dazu gebracht mich da doch noch mal mit auseinander zu setzen. Informiert sein, kann ja nie schaden :)

  5. Noch gruseliger als das viel diskutierte TTIP finde ich CETA (Comprehensive Economic and Trade Agreement), das bilaterale Handelsabkommen zwischen Kanada und der EU. Denn es dient als „Vorlage“ für die Umsetzung des TTIP und die Verhandlungen wurden – trotz vieler Kritikpunkte – am 26. September von der EU und Kanada als abgeschlossen erklärt. Nachverhandlungen werden bisher abgelehnt.
    Auch hier ist ein Investitionsschutz für Konzerne vorgesehen, durch den Bestimmungen zu Umwelt- und Verbraucherschutz ausgehebelt werden könnten. Damit wäre nicht nur kanadischen, sondern auch US-Investoren das Tor zur EU geöffnet, die durch die Gründung von Tochter-Firmen in Kanada Schiedsgerichte einschalten könnten.
    Immerhin sieht CETA eine Kennzeichnung der Produktherkunft und den Austausch von Informationen zu den jeweiligen Frühwarnsystemen für gesundheitsgefährdende Verbrauchsgüter wie RAPEX (der EU) und RADAR (Kanada) vor.

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