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(Hand-)Taschen: Frauenglück in der Männerabteilung

Eigentlich bin ich ja hier nur für die Mode verantwortlich – nicht für den Männerkram. Aber mindestens bei Klamotten, Accessoires & Co. Bin ich der Meinung, dass man Genderfragen gut und gerne ignorieren oder auch bewusst aufbrechen kann. Im Grunde passiert ja genau das in den letzten Jahren. Der Boyfriend-Look wird gesellschaftsübergreifend zelebriert. Boyfriend-Pants, Boyfriend-Blazer und natürlich das allseits beliebte Holzfällerhemd vom Boyfriend trägt die moderne Frau von heute milieuübergreifend. Tatsächlich ist nur wenig davon wirklich vom Boyfriend geliehen oder vielleicht vom Ex-Boyfriend geklaut, sondern stattdessen straight von Zaras Massenstange der Frauenabteilung für einiges an Geld in den weiblichen Kleiderschrank gewandert. Und nebenbei „darf“ der gepflegte Mann von von heute endlich auch enge Jeans tragen, Abdeckstifte und Cremes benutzen. Yay!

Aber warum der Umweg über die Frauenabteilung, wenn man auch direkt bei den Männern gucken kann? Mehr als genug Anlass dazu bietet sich mir, wenn ich eine neue Tasche suche. Mittlerweile bin ich eine große Anhängerin des öden Hipster-Stoffbeutels geworden, aber mal ehrlich, etwas unkomplizierteres gibt es auch einfach nicht. Zur Zeit trage ich entweder die Vegan-Tasche von roots of compassion oder den einfachen Jutesack von Suburbia, einem fair trade öko Shop in Düsseldorf. Beide Taschen sind – oho – fair und öko. Eben Earth Positive. Passt immer meistens.

Was sich aber viel schwieriger gestaltet ist die Frage danach, was ich mit in die Uni nehme. Eine Tasche für die Uni muss etwas größer und robuster sein, mindestens ein separates Fach haben und gestärkte Riemen, die mir keine tiefsitzenden Streifen in die Schultern schlitzen, wenn ich mal ein paar Bücher oder meinen Laptop mit mir herumtragen muss. Täschchen sind hier fehl am Platz. Und sie soll bitte, bitte kitschfrei sein! Keine Nieten, Schleifchen, Blümchen, Bömmel oder Lackapplikationen. Kann alles alles ganz nett sein, aber auf Taschen kann ich das nicht ertragen. Leder darf selbstverständlich auch nicht verarbeitet sein. In der Kombination sind das schon zwei Kriterien, die die Suche nach der perfekten Tasche sehr erschweren. Sind doch schöne Taschen oft aus Leder oder haben irgendein Klimbim an sich dran kleben. Dann gibt es da noch die eigentlich schönen Modelle, die aber leider aus einem so schlechten Lederimitat gemacht worden sind, dass sie sich geruchlich nicht von der Aldi-Tüte unterscheiden. Vom Tragegefühl mal ganz zu schweigen.

Hier kommt dann die Männerabteilung ins Spiel. Vor fünf Jahren habe ich beim Bummeln in der Männerabteilung von H&M eine große aber unkomplizierte Tasche gekauft. Grauer Stoff, der Boden und die Riemen schwarzes Kunstleder, zwei separate Taschen innen drin, 40 €, fertig. Leider haben sich jetzt nach und nach diverse Nähte und Reißverschlüsse verabschiedet und es war Zeit für eine neue Tasche. Der Einfachheit halber habe ich gedacht, ich schaue noch ein mal in derselben Abteilung nach und sie da: dunkelblauer Stoff, Boden und Riemen mit braunem Kunstleder versehen, zwei kleine und ein großer verstärkter Riemen, eine Innentasche. Gleicher Preis wie vor fünf Jahren und genau das, was ich gesucht habe.

(Ok, sie zieht Flusen magisch an, aber dagegen gibt es ja Fusselrollen)

 

Meine Traumtasche ist eigentlich ein Exemplar von Matt&Natt. Das ist ein explizit veganes Taschenlabel, die Materialien sind verschieden, aber allesamt recycelt, alles ist fair und ökologisch produziert. Die Taschen sind gut durchdacht, praktisch, funktional und schön. Leider kosten die Dinger in der von mir angestrebten Größe zwischen 160 und 200 Euro und man kann sie bisher in Deutschland nur online bestellen. Damit fühle ich mich etwas unwohl, mal ganz abgesehen davon, dass ich bisher so viel Geld für eine Tasche, die auch nur maximal halb so groß ist, wie  die oben beschriebenen einfach nicht ausgeben kann. Da mein erstes H&M-Exemplar so lange gehalten hat, geht günstiges, umweltunfreundliches Kunstleder vorläufig für mich auch noch in Ordnung, aber irgendwann hätte ich gerne eine perfekte Matt&Natt.

 

Heute habe ich noch kurz einen Sprung in die Zara-Männerabteilung gemacht und durchaus die ein oder andere tragbare Tasche gefunden. Die Preise liegen zwischen 50 und 70 €, Materialien sind meist Polyester, Polyurethan und Baumwolle. Ähnliches findet man auch in anderen Geschäften wie zum Beispiel Review, Mango Man usw.

 

Fazit also von der Geschichte: Wer keinen Kitsch mag, findet vielleicht die größten lederfreien und preiswerten Schätze (Tasche, Pullover, Schuhe – ganz egal) bei den Kerlen. Augen aufhalten lohnt sich in jedem Fall.

 

Wo kauft ihr am liebsten Taschen und worauf achtet ihr dabei?

Waschbär Ben

Kaffeekasse

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12 Kommentare

  1. Erbse

    Ouh! Alles Gute zum ersten Posting, oder so ähnlich! :D
    Gefällt mir wirklich sehr gut und es bestätigt was für eine gute Idee es war dich ins Boot zu holen. Danke!

    Mit Taschen habe ich es allgemein nicht so, irgendwie. Habe zwar 3 – 4 Exemplare… aber nun ja. – Der Männertaschen-Tipp ist super. Wir haben da womöglich einen ähnlichen Stil.

    LG

  2. am liebsten auf dem flohmarkt! so die hippieecke und so weiter. oder in kleinen boutiquen die einzelteile verkaufen. meine ’schwiegermutter‘ hat mir jetzt eine geschenkt, die aus leder ist (jemand schon mal der schwiegermutter erklärt, dass man zwar die tasche schön findet, aber leder moralisch verwerflich? eben…), ansonsten waren alle, die ich gefunden habe aus baumwolle und/oder kunstleder, oder aus polyestertieren…

  3. Eiswürfel

    Flohmarkt/Trödelmarkt/Fairtradeladen oder einschlägige Onlineshops mit handgemachten Kram…ich habe zwar nix gegen Verzierungen etc, aber ich habe gerne Sachen, die nicht jeder hat, von denen ich weiß wie sie produziert wurden^^

  4. Ich bin mehr der Rucksacktyp, habe aber drei größere Taschen im „Messenger Stil“. Zwei sind von Eastak (eine schwarz und eine Camouflage) und eine von Emily the Strange, mit Katzenaugen. Vielleicht mache ich später ein Foto. Die schwarze Eastpac Tasche habe ich vor einigen Jahren neu gekauft und die anderen gebraucht bei Kleiderkreisel. Kleiderkreisel ist überhautp *die* Quelle für Taschen und Rucksäcke jeder Art. Vieles ist fast neu und günstig. Kleiderkreisel ist auch eine gute Quelle für Kosmetik oder um (Kosmetik)Fehlkäufe loszuwerden.

  5. Kaddi

    anti-gender shopping – cool.
    bei handtaschen mag ich ein wenig femininere modelle, allerdings ohne kitsch. dafür finde ich sonnenbrillen aus der männerabteilung meist viel cooler, als diese strasssteinchen dinger für frauen.
    lg!

    • MhhhKathi

      Ich schau mir auch gerne die Accessoires aus den Männerabteilungen an :) aber bei den Männer-Sonnenbrillen hab ich meist das Problem, dass die so riesig sind… mir sind meistens die aus der Frauenabteilung schon zu breit.

      Aber wenn ich schlichte Schals, Handschuhe oder sowas suche, gucke ich auch immer mal bei den Männern rein.

  6. Monster

    Ich kaufe sogar meine Klamotten meistens in der Männerabteilung. :D Mir sind die Frauensachen fast immer zu kurz und ich hasse zu kurze Klamotten, in denen ich mich nicht vernünftig bewegen kann. Von daher kommen fast alle meine Shirts von den Männers. Ebenso meine Shorts. Ich liebe Cargoshorts, schön weit und lässig. Sowas bekommt man bei den Frauen nicht. Aber es ging ja eigentlich um Taschen, entschuldige. ;) Diese Stoffbeutel liebe ich auch total! Ich habe einen von Roots of Compassion (schwarz mit pinkem Schaf und „meat is murder“-Aufdruck), einen von earth positive, gekauft bei alles vegetarisch, in schwarz mit knallgrüner Riesen-Veganblume drauf. Dein grüner da steht auch noch auf meiner Wunschliste. :) Dann hab ich noch einen Stoffbeutel von den „Hamburger Öffentlichen Bücherhallen“, in dunkelblau. Und einen Riesenrucksack im Armeestil, mal wieder aus der Männerabteilung von H&M. :D Das wars. Den Rucksack benutze ich aber nicht oft, soviel Zeug schleppe ich nie mit mir rum. Die Beutel sind am meisten im Einsatz.

    Liebe Grüsse,
    Monster

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