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DIY: Veganer Toner & Conditioner aus Reis (und ein bisschen Japan)

reis diy handmade toner gesichtswasser conditioner haare pflege vegan kosmetik naturkosmetik selbstgemachtDies ist wohl das einfachste „do it yourself“ was ich jemals mit euch geteilt habe. Es gibt also keine großen Ausreden es nicht einfach mal auszuprobieren. ;D Ihr werdet es nicht bereuen! Tatsächlich benötigt man nur zwei Zutaten, um gleich ein Produkt sowohl für Gesichtshaut als auch Haar herzustellen. Reis und Wasser. Aber bevor ich dazu komme, will ich ein bisschen über das alte Japan plaudern.

Reis wird in Japan bereits seit tausenden Jahren als Schönheitsbehandlung eingesetzt. Reiswasser hilft gegen Entzündungen und kann die Symptome einiger Hauterkrankungen wie Rosazea lindern. Es reinigt unsere Gesichtshaut ganz sanft und macht sie weich und glatt.
Traditionell sollen deshalb im alten Japan Reisbäuerinnen gerne in dem Wasser gebadet haben, mit dem sie zuvor den weißen Reis wuschen. Inspiriert doch direkt dazu die eigene Wanne mal mit Reiswasser zu füllen, oder?

reis diy handmade toner gesichtswasser conditioner haare pflege vegan kosmetik naturkosmetik selbstgemacht HeianHairYoshitoshiTaiso1880Aufzeichnungen aus dem japanischen Mittelalter zeigen auch, dass Reiswasser für die Haarpflege eingesetzt wurde. Mit Beginn der Heian-Periode im Jahr 794 und der politischen und gesellschaftlichen Abgrenzung Japans gegenüber China, veränderten sich auch die Haartrends der Frauen. Von den abermals typisch-chinesischen Hochsteckfrisuren nahm man Abstand und etablierte sehr lange und glatte schwarze Haare als neue Mode, die sogenannte Suberakashi oder Kurokami (”schwarze Haare”).
Die Hofdamen waren für ihr ausgesprochen langes und gesundes Haar bekannt, das ihnen bis zu den Füßen reichte und stets offen getragen wurde. Meine gehen mir bis zum Po und das Bändigen dieser Mähne im Alltag ist oft nicht ganz einfach. Ich will nicht wissen, wie die Damen aus dem alten Japan das gemeistert haben. Natürlich lag es auch an der damaligen Situation der japanischen Frauen, deren überlanges Haar nur eine weitere Einschränkung von vielen war. Am Hofe war es zu dieser Zeit Sitte zwölf oder mehr Kleider übereinander zu tragen (jūnihitoe), weshalb die Frauen der Heian-Periode auf Gemälden nicht durch Zufall meist im Sitzen oder Liegen gezeigt wurden.
Um dem Schönheitsideal zu entsprechen, haben die Damen so einiges auf sich genommen. Dazu gehörte das Haar so selten wie möglich zu waschen, da dies die Haare unnötig strapazierte. Es gab feste Zeiten dafür und diese beschränkten sich meist auf einmal im Monat. Im April, Mai, September und Oktober war das Haarewaschen sogar gesetzlich untersagt. Mit Räucherkräutern beduftet und entwirrt wurde das Haar täglich über einige Stunden. Geschützt und gepflegt haben verschiedene Öle, wie dem in Japan noch heute sehr beliebten Kamelienöl und natürlich Reiswasser!

Was ich sehr spannend finde und auch mit meiner “no poo”-Philosophie einhergeht: Das Haarewaschen mit Reiskleie und Algen war mitunter eher eine Reinigungsmassage, als eine richtige Wäsche, wie man sie mit heute vergleichen könnte. Die langen Massagen der Haare verteilten das Fett in den Längen bishin zu den Spitzen. Man war sich bewusst, dass das natürliche Sebum der Haare, diese vor Trockenheit und Haarbruch schützen kann. Die alte japanische Haarwäsche entfernt also Schmutz und nährt das Haar, kann aber Öl nicht restlos aus den Haaren bekommen.

Jetzt aber zum Rezept, auch wenn noch so viel mehr über traditionelle japanische Pflege erzählt werden könnte.

Um ein Gesichtswasser und einen Conditioner aus Reis herzustellen, benötigt man:

  • Reis, am Besten bio
  • Wasser
  • ein Schraubglas oder eine kleine Glasflasche

Für mein Rezept habe ich schwarzen Bio-Reis in ein Schraubglas gegeben, bis es ungefähr ein Drittel gefüllt war. Ihr könnt aber auch weißen Reis nehmen, der sieht ein bisschen schöner aus, macht ansonsten aber keinen großen Unterschied. Danach habe ich das Glas mit lauwarmen Wasser, welches ich zuvor jedoch einmal abkochte, aufgegossen. Sehr schnell sieht man wie das Wasser vom Reis trübe wird. Und fertig sind wir schon! Das Reiswasser kann nun zum Beispiel in eine kleine Glasflasche abgefüllt und im Kühlschrank gelagert werden. Dort hält es sich rund fünf Tage.

Einsatzgebiete:

Ihr könnt es als Gesichtswasser nach der Reinigung eures Gesichts nutzen. Dafür einfach etwas auf ein Wattepad oder in die Hänge geben und im Gesicht verteilen.
Oder ihr stellt gleich etwas mehr Reiswasser her, gebt es in eine Schüssel und badet eure Haare darin. Mit einer kleinen Tasse lässt sich immer wieder Reiswasser abschöpfen und über den Kopf gießen. Ausspülen ist danach optional. Ich mache es meistens nicht. Reiswasser reinigt die Haare minimal, ist aber ein prima Conditioner.

Den Reis auf keinen Fall verschwenden! :) Der lässt sich danach noch ohne Probleme kochen und verpeisen.

Und nun wünsche ich euch viel Freude beim Ausprobieren. Ich freue mich auf euer Feedback und vor Allem auf eure Erfahrungsberichte!

Quellen und Möglichkeiten zum Weiterstöbern:

Waschbär Ben

Kaffeekasse

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32 Kommentare

  1. Hach, wieder ganz ein Artikel nach meinem Geschmack :) :) Danke auch für die lieben Verlinkungen! In Japan habe ich auf meinen Reisen auch nach Reiswasser als Gesichtswasser gesucht und wurde (zumindest im Bio-Bereich) nicht recht fündig. Da habe ich mir auch gedacht, dass man sich so ein Reiswasser am besten selbst macht. Ich habe das auch schon ausprobiert und es klappt super! Überhaupt mag ich Reis in Kosmetik gern, ich mag zB sehr gern Reispuder oder auch Reiskeimöl.

  2. Irgendwo las ich mal, das reispuder früher häufig verwendet wurde und das es die Poren verstopfen soll. Dann gab es mal ein Peeling (ich meine, es war Claire Fisher) in der Apo, ein Pulver das mit Wasser angerührt zu einem Brei die Haut reinigen sollte. Kaum auf dem Markt wurde es schon wieder eingestampft (roch merkwürdig, aber ich mochte es).
    Reiswasser als Toner ist mir neu, aber mir gefällt die Recherche, die Geschichte im Hintergrund sehr.

    Liebe Grüße, Eva

    • Erbse

      Hallo Eva :)

      Interessant! Ich weiss über Reispuder bisher noch nicht so viel, außer, dass es zb von Geishas verwendet wird. Es soll halt sehr weiß sein und einen eher maskenhaften Effekt haben. Ausprobieren mag ich es auf jeden Fall mal. :)

      Viele liebe Grüße,
      Erbse

    • Erbse

      Hey Theresa,

      oh ja, grüner Tee ist einfach wunderbar! :D Kann verstehen, dass du dir daraus dein Gesichtswasser anrührst.
      Falls du Reiswasser mal ausprobierst, würde ich mich sehr auf einen Bericht deiner Erfahrungen freuen, wenn du magst.

      Alles Liebe,
      Erbse

  3. A nna

    Die einfachsten Ideen sind doch oft die Besten, und ich selbst komme einfach nie auf sowas! Endlich muss ich auch das Wasser vom Reiswaschen nicht mehr wegkippen, super!

  4. Ich hab bisher Reiswasser nur mal gegen Durchfall getrunken. Hat geholfen!
    Im Gesicht oder für die Haare habe ich es bisher nicht ausprobiert. Ich hab mir neulich einen Toner aus Grünem Tee und dem Saft einer halben Grapefruit gemacht. Fand meine Haut toll!

  5. Anja

    Das werd ich aufjedenfall ausprobieren!

    Ich benutze feines Reismehl aus dem Asiashop als Trockenshampoo in dem ich es mit einem Puderpinsel aufs Haar tupfe und einbürste. Funktioniert fantastisch und macht die Haare ganz weich :) … und es wird auch nicht weiß, durch das Haarfett wird das Mehl durchsichtig :)

    • Erbse

      Hallo Anja,

      oh, das ist auch eine tolle Idee! :)
      Das MUSS ich ausprobieren. Bisher habe ich ab und zu ein Gemisch aus Kakaopulver und Natron als Trockenshampoo benutzt.

      Viele liebe Grüße!

  6. Das hört sich ja interessant an. Cremes mit Reis haben ja auch einte mattierende Wirkung, da liegt es nahe Reiswasser als mattierendes Gesichtswasser zu nehmen. Ich muss das auf jeden Fall mal ausprobieren.

    Ich habe noch relativ wenig DIY-Pflegeprodukte hergestellt, außer mal ein Gesichts- bzw. Körperpeeling. Also wird es allerhöchste Zeit. Danke für die Inspiration.

    Liebe Grüße

    Mimi

  7. DieKiwi

    Hi Erbse, weißt du zufällig, ob das auch mit dem Wasser nach dem Reiskochen funktioniert? Da ist ja dann noch Salz drin aber sonst ist es ja dasselbe. Was meinst du? Ich liebe deinen Blog übrigens ^-^ liebe grüße.

    • Erbse

      Hey Kiwi :)

      Danke für deine netten Worte!
      Wenn du das Salz weglässt, könnte das eventuell funktionieren. Ich hab beim Reiskochen irgendwie nie Wasser über, weil das komplett vom Reis aufgesogen wurde.

      Liebe Grüße,
      Erbse

  8. veilchen

    Hey Erbse, ich lese immer wieder sehr gerne deine Artikel und bin immer voller Begeisterung dabei wenn es ums ausprobieren geht.
    Ich hätte da mal eine Frage, hast du schon mal verschiede ätherische Öle als Stechmücken Abwehr verwendet? Oder irgendwelche Erfahrungen damit? Würde mich sehr interessieren.
    lieb grüßt das Veilchen (antwort oder so auch gerne auf meine email Adresse ;) )

    • Erbse

      Liebe Veilchen,

      danke dir. :)
      Bisher kenne ich nur Teebaumöl als Abwehr gegen Stechmücken. Das funktioniert bei mir bis jetzt auch recht zuverlässig. Ansonsten habe ich mich noch nicht weiter damit beschäftigt.
      Vielleicht hat ja noch Jemand einen Tipp und mag es hier schreiben?

      Liebe Grüße,
      Erbse

  9. Ally

    Danke, Erbse!
    Zum ersten Mal seit meine Euphorie für die japanische Küche nachgelassen hat, habe ich meinen Reis wieder gewaschen ^^
    Nein, wirklich, das ganze Wasser, welches einfach so abgelaufen ist, hat mir irgendwie (klingt komisch, da man bei Nudeln usw. quasi dasselbe tut, ist aber so) ein schlechtes Gewissen gemacht…

    • Erbse

      Hey Ally!

      :D Ich kenne mich innerhalb der japanischen Küche ja leider so gar nicht aus. Bin froh, dass ich mittlerweile den Unterschied zwischen Maki und Sushi kenne.
      Aber freut mich, dass ich dich dazu inspirieren konnte mit dem Reiswasser noch was anzustellen. :)

      Liebe Grüße,
      Erbse

  10. Pingback: Blätterrauschen 15 | Beautyjagd

  11. Nachtigall

    So ein einfaches Rezept… Und ich hab mich trotzdem nicht dran gehalten, da ich es vorm Verwenden des Reiswassers nicht nochmal nachgelesen habe. Ich habe also nicht das Waschwasser, sondern das Kochwasser von unserem letzten Vollkornreis genommen.
    Da dieses ziemlich rot ist, würde ich es blonden/ hellbunten Personen nicht empfehlen, könnte möglicherweise Flecken geben. In meinen momentan sowieso rötlich braunen Haaren hat es mir jedoch gut gefallen. Habs zweimal gesiebt, um mir keine Reisreste in die Haare zu schmieren. Nach der Spülung waren meine Haare seidig weich, werde ich wahrscheinlich wieder benutzen ^-^

    LG

  12. Sophie

    Hallo,
    Super toller Artikel :) Was ich fragen wollte, benutzt du das Reiswasser, welches du als Spülung für deine Haare benutzt hast wieder? Und wenn ja benutzt du es dann auch für deine Haut? Oder hast du ein separates Reiswasser extra für die Haut?
    LG,
    Sophie

  13. Kitty

    Ich habe heute quasi zufällig etwas ähnliches getan: Als ich meinem Sohn heute morgen seinen Reisbrei gab, kam mir (nach diversen Roggenmehl-Wäschen in den letzten Wochen) auf einmal blitzartig die Idee, dass damit doch sicher auch Haarwäsche möglich sein muss. Gedacht, getan.
    Hab mir noch eine Portion angerührt, frei gemixt, ins trockene Haar gegeben und siehe da: Es klappt wunderbar!
    Gleixhes Prinzip wie bei der Roggenmehlwäsche.
    Einziger Unterschied: Es entfettet weniger stark als das Roggenmehl und hinterlässt einen nicht ganz so starken Pflegeeffekt. Aber die Haare riechen dafür neutral und nicht säuerlich nach Roggen (was mich dazu veranlasst hat, den Reis zu testen).
    Die Haare sind sauber, weich und meine sehr anspruchsvolle Kopfhaut beklagt sich nicht!
    Ich verwendete die Naturreis-Schmelzflocken ab dem 4.Monat von Alnatura (bei den Babybreien zu finden).
    Vielleicht hast du Erbse und ein paar deiner LeserInnen auch mal Lust das auszuprobieren :)

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