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INCI Kurz & Knapp – Bienenwachs, Honig, Propolis, Gelée Royale

Bienenprodukte finden sich in Kosmetikartikeln zu Genüge, besonders wenn es sich um Naturkosmetik handelt. Um Bienenprodukte anhand der Inhaltsstofflisten zu erkennen und wieso die meisten vegan lebenden Menschen Bienenprodukte aller Art ablehnen, habe ich mich für einen neuen Beitrag für unser kleines Inhaltsstoffe-Lexikon entschieden.
Zu unserem Lexikon mit einigen weiteren Inhaltsstoffen gelangt ihr hier: Lexikon der Inhaltsstoffe

Was für Produkte von Bienen finden wir in Kosmetikartikeln?

Wachs

Bienenwachs, welches Honigbienen aus ihren körpereigenen Wachsdrüsen abgeben, dient als Baustoff für Bienenwaben. In den Waben werden Pollen und Honig gelagert, aber auch Bienenlarven groß gezogen. Vom Menschen wird das Wachs nicht nur für Kerzen und andere Gebrauchsmittel, sondern auch für Lebensmittel, Medikamente und Kosmetikartikel genutzt.

Pollen Waben

Honig

Honig dient für die Bienen als Nahrungsmittel und ist das Produkt der enzymatischen Umsetzung von Nektar bzw. Honigtau durch Sekrete der Bienen und anschließender Entwässerung.
Menschen nutzen Honig als Süßungsmittel, Genussmittel, für Medikamente und natürlich für Kosmetikprodukte.

Honig Honey

Propolis

Propolis oder auch Bienenharz besteht aus Baumharzen und Pollen, Drüsensekreten und Verdauungssäften der Honigbiene. Tatsächlich mischen die Bienen unterschiedliche Baumharze, wie Tannen und Fichten, aber auch verschiedenste Knospen mit ihrem Wachs und den gesammelten Blütenpollen. Daraus entsteht dann Propolis, welches von Menschen für Kosmetikprodukte, für Medikamente aber zum Beispiel auch für Holzlasuren Verwendung findet.
Von den Bienen wird es zum kitten von Ritzen und zum einbalsamieren von Eindringlingen (Mumifizierung – auch die alten Ägypter nutzten dafür unter Anderem Propolis) benutzt. Letzteres garantiert einen möglichst pilz- und bakterienfreien Bienenstock.

Propolis

Gelée Royale

Die Ammenbienen eines Bienenvolkes produzieren das Sekret Gelée Royale um die Bienenkönigin und die jungen Bienenlarven zu ernähren und mit allen wichtigen Nährstoffen zu versorgen. Gelée Royal enthält u.a. essentielle Aminosäuren, Eiweiß, Sterole, Hormone, hormonähnliche Stoffe, antibiotische Substanzen, lebenswichtige Mineralstoffe, Spurenelemente sowie Vitamine des gesamten Vitamin B-Komplexes. Das ist auch der Grund, weshalb Menschen Gelée Royale gerne für sich nutzen.
Zitat wikipedia: „Zur Gewinnung wird einem Bienenvolk die Königin entfernt, und es werden vorgefertigte Königinnenzellen in den Bienenstock eingesetzt. Um den Futterstoff isolieren zu können, müssen die Königinnenlarven nach drei Tagen entfernt werden. In einer Bienensaison kann ein Bienenvolk dazu gebracht werden, ca. 500 g Gelée Royale zu produzieren. Das Entfernen der Königin bedeutet für das Bienenvolk eine extreme Stresssituation und einen massiven Eingriff in das Gleichgewicht des Volkes, daher lehnen naturnah wirtschaftende Imker die Produktion von Gelée Royale generell ab.
Vom Menschen wird Gelée Royale für Nahrungsergänzungsmittel, für Arzneimittel und Kosmetikprodukte genutzt.

Weiselzellen Royal Jelly Gelée Royale

 

Wie kann ich Bienenprodukte auf INCI-Listen erkennen?

  • Bienenwachs: Beeswax, Cera Alba, Cera Flava, Cera Olea, Cera Bianca, E 901, Bee Pollen
  • Honig: Honey, Hydrogenated Honey, Honey Extract, Honig Extrakt, Mel, Mel Extract, Miel, Kleeblütenhonig
  • Propolis: Propolis Cera, Propolis Extrakt, Propolis Extract, Propolis Cera
  • Gelée Royale: Royal Jelly, Royal Jelly Powder, Royal Jelly Extract, Bienenköniginnen-Futtersaft, Gelee Royale, Succus Reginam Apis Nutrificandum, Weiselfutter, Weiselzellenfuttersaft

„Warum lehnen vegan lebenden Menschen Bienenprodukte ab?

Bienen sind intelligente Lebewesen mit einer erstaunlich komplexen Sozialstruktur. Sie sind lernfähig und können vielschichtige Informationen untereinander austauschen. Zudem sind Bienen sehr sensible Wesen, die bei unsachgemäßer Haltung schnell erkranken und sterben können. In der industriellen Honigproduktion kommt es oft zum Einsatz von Medikamenten wie Antibiotika, Pestiziden sowie gentechnischer Manipulation, um die Produktivität eines Bienenvolks zu erhöhen. Dies kann sich wiederum auf den Menschen auswirken, der die im Honig enthaltenen Rückstände über den Honigkonsum aufnimmt.

Darüber hinaus werden der Bienenkönigin bei der industriellen Honiggewinnung häufig Teile der Flügel abgeschnitten, um sie am schwärmen zu hindern. Zudem wird die Königin oft künstlich besamt, um effizientere Zuchtfortschritte zu erreichen. Die künstliche Besamung wird jedoch mit einer erhöhten Bienensterblichkeit in Verbindung gebracht, da diese einer Selektionszucht gleichkommt und zu einer Verminderung des Genpools führt. Aufgrund dieser verringerten genetischen Vielfalt sind die sehr sensiblen Bienen somit wesentlich weniger resistent gegen äußerliche Umwelteinflüsse. Außerdem erhalten Bienen oft eine Nährlösung aus Zucker und Wasser anstatt den Honig, auch dies schwächt ihre Immunabwehr.

Aus diesen Gründen lehnen Veganer_innen den Konsum von Honig ab. Alternativen gibt es genug: Ahornsirup, Agavendicksaft, Apfel- und Birnendicksaft, Apfelzucker (auch Apfelsüße genannt), Getreidesirup, Melasse (Nebenprodukt der Zuckerherstellung), Reismalz, Reissirup, (Rohrohr-)Zucker, Stevia, Trockenfrüchte wie Datteln und Feigen und Zuckerrübensirup (auch Rübenkraut bzw. Rübensaft genannt).“

Quelle VEBU

 

Weiterführende Links und Quellen:
Waschbär Ben

Kaffeekasse

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20 Kommentare

  1. Avatar
    Knödel

    Gut zu wissen ^^
    Da ich eh keinen Honig mag, hat mich das nie so interessiert und ich vermeide Honig einfach, weil „das dazu gehört“ :) Finde es schade, dass bei den meisten Müslis entweder Honig, Joghurt oder Milchschokolade zugesetzt ist.
    Propolis hab ich noch nie gehört, in welchen Produkten kommt das denn vor?

  2. Avatar

    Das mit dem Gelée Royale finde ich am schlimmsten. Ich kannte den Begriff vorher überhaupt nicht und als dann dieses gewisse Shampoo mit dem Inhaltsstoff warb, hab ich mich erkundigt, was es damit überhaupt auf sich hat. Ich finde das einfach furchtbar, was man so kleinen nützlichen Lebewesen antun kann..

    Bisher hab ich irgendwie nicht so sehr darauf geachtet, wo überall Propolis oder Bienenwachs drin sein könnte.. :/ Wahrscheinlich haufenweise in meinen Kosmetikartikeln.. Bei Honig schau ich immer, dass er nicht in den Lebensmitteln drin ist, die ich esse.

  3. Avatar
    Lachflash

    Also ich verzichte auch auf Honig, finde aber Bienen zu halten nicht so schlecht (also so kleinere Imkereien,
    nicht Industrie). Stehe damit vllt. als Veganerin etwas einsam da, aber
    ich hab mir das ganze mal angeschaut und fands oki^^

    Den Artikel finde ich aber sehr gut, da man sich schonmal Gedanken machen sollte,
    was man eigentlich in seinen Produkten drin hat :) Danke dafür.

  4. Avatar

    Danke für den informativen Artikel, Erbse. Kurze Nachfrage: Bist du dir mit Propolis = Propylenglycol sicher? Gibt es dafür eine Quelle? Meiner Erinnerung zufolge sind das zwei völlig unterschiedliche Substanzen und Propylenglycol aus Propolis herzustellen, würde den industriellen Bedarf nicht einmal ansatzweise decken. Ich bezweifle auch, dass das überhaupt möglich ist. Propylenglycol stammt (über Umwege) aus der Erdölförderung und ist auch nicht besonders lecker – kann man also auch drauf verzichten.

  5. Avatar
    Tinchen

    Dankeschön :-) mit hast du damit sehr weitergeholfen.
    Einiges war nur nicht so ganz klar.
    Vorallem die Produktion von Gelee Royal ist ja echt übel.
    Da hatte ich mir nie so wirklich Gedanken gemacht.

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    Clara

    Wir betreiben eine Familienimkerei aber hierbei kann ich leider nicht ganz zustimmen. Natürlich ist die Sachlage bei Kosmetika anders, aber bei einer normalen Honigproduktion kommen die Tiere nicht zu schaden!
    Man braucht nur Ausschau nach regionalen Kleinimkern halten (am besten Bio zertifiziert), deren Honig kann man ohne Bedenken genießen.

    Ahornsirup und Agavendicksaft lehne ich persönlich eher ab, da ich auf regionale Produkte setzte, und nicht unnötige Lebensmittel importieren möchte.
    Aber natürich finde ich eine rein vegane Lebensart völlig in Ordnung ;)

  7. Avatar

    Gerade eben durchgelesen, weil es auf einer meiner neuen Haarkuren steht, die meine Mutter kaufte. Ich hätte nie gedacht, dass es auf so eine grausameweise produziert wird bzw den Bienen entnommen wird. Ebenso wie Honig und dann noch die ganze Züchtung. Ich bin Pescetarier und verzichte z.B. in Kuchen o.ä. gerne mal auf tierische Produkte. Aber das so ein brutal gewonnener Inhaltsstoff in meiner Haarkur sein könnte, hätte ich nicht geglaubt. Ich werde dieses Produkt aufbrauchen, weil ich nichts gerne verschwende, aber ich kaufe demnächst meine Haarkuren lieber selbst. Und auf Honig werde ich nach Möglichkeit auch verzichten und auf eine Alternative umsteigen.

  8. Avatar
    Ally

    was hat es nun mit dem propylenglycol auf sich? soweit ich weiß, ist das ein reinstoff mit ursprünglicher herkunft aus den tiefen des erdöls, besser bekannt als propan1,2-diol oder C3H8O2

  9. Pingback: Blog Loving | Once Upon A Cream

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  11. Avatar
    poerlie

    Es ist richtig, dass Propylenglykol nichts mit Propolis selbst zu tun hat. Das sind zwei völlig unterschiedliche Substanzen. Es gibt Produkte, in denen beides drin ist oder es gibt auch Propolistinkturen, die statt reinen Alkohol Propylenglykol enthalten.

  12. Avatar
    Ormi

    oha ich bin geschockt, was den Bienen angetan wird, nur weil viele gierig auf Honig sind, wo es doch einige Alternativen gibt…ich werde wohl in zukunft auf eine der Alternativen umsteigen..

  13. Pingback: Kosmetische Inhaltsstoffe für die Hosentasche | Blanc et Noir – Vegan Beauty Blog

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    Imker

    Also hier sind schon einige Dinge durcheinander geschmissen worden: Der Einsatz von Antibiotika bei Bienen ist in Deutschland und in Europa verboten. Sowieso bestehen große Unterschiede zwischen EU-Honig und Nicht-EU-Honig.

    Das Stutzen der Flügel der Bienenkönigin ist längst überholt und kommt in der EU kaum noch vor, weil das Schwärmen dadurch nicht verhindert wird.

    Teure künstliche Besamungen können wohl 99% der Imker sich kaum leisten und die meisten lehnen diese auch ab.

    Aber eins ist sicher: in Europa gäbe es keine Bienen mehr ohne Imker. Das würde dann aber auch bedeuten, dass 80% unserer Nutzpflanzen nicht mehr bestäubt wurden. Die Mehrzahl unserer Obst- und Gemüsesorten gäbe es nicht mehr oder wäre unerschwinglich. Eine gesunde vielfältige vegane Ernährung wäre auch nicht mehr möglich.

  15. Pingback: Vegan ABC (Teil 2) | Gemüsebaby

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