Übersicht: Alternative Haarwäsche

Da ich regelmäßig Fragen über die Haarwäsche ohne Shampoo gestellt bekomme und es da nun wirklich viele Möglichkeiten und Wege gibt, habe ich mich dazu entschlossen eine kleine Übersicht zu tippen. Vielleicht ist sie für den ein oder Anderen hilfreich. Wenn ihr Ergänzungen habt, nur zu! Ich freue mich auf eure Tipps. Eure Kommentare sind stets ein Mehrwert und ich empfehle jedem neuen interessierten Leser mal in die Kommentare unter den Artikeln zu stöbern, oft finden sich dort weitere gute Ratschläge. Danke, ihr seid klasse! – Warum ich mich  Anfang 2011 entschied nie mehr mit Shampoo zu waschen, könnt ihr HIER nachlesen. Nicht für jedes Haar ist jede dieser Methoden geeignet. Probiert euch einfach mal durch. Schaden kann es nicht. :)

(c) by cjc7664

Lavaerde (Wascherde)

  • nicht zu verwechseln mit Heilerde, kann zwar auch verwendet werden, hat nach den Erfahrungen einiger Leser und mir aber keine so stark reinigende Wirkung, Haare wirken schneller strohig, unkämmbar, ist aber für mein Haar zumindest gut mit Lavaerde zu mischen, ist trotzdem pflegend, alternativ super als Gesichtsmaske
  • Lavaerde ist flexibel, man kann viel experimentieren und beim Anrühren (Wasser + Lavaerde = relativ flüssige Masse, kurz quellen lassen) einige Mittelchen nach Wunsch hinzugeben: Möglichkeiten sind unbegrenzt, Beispiele: Duftöle, Bier (zum Artikel), Öle (Olivenöl, Distelöl, Amlaöl etc.), Kräuter und Tees
  • kann auch als Haarmaske, Haarkur über viele Stunden im Haar gelassen werden
  • Bezugsquellen: Reformhaus, Bioladen, Internet (ich nutze zb die Lavaerde von Logona)
  • zum Lavaerde-Artikel auf Blanc et Noir

 

Waschnüsse

  • flexibel, man kann mit Waschnüssen alles reinigen, auch Wäsche und Geschirr
  • Nussschalen mit etwas Druck zerkleinern und je nach Rezept verwenden, Waschnussrezepte gibt es einige. Ich mache es ganz simpel: in geeignete alte Shampooflaschen ein paar wenige Nussschalen geben, heißes Wasser drauf und so einige Tage (nicht in der Sonne!) stehen lassen, ab und zu schütteln – Danach einfach ab auf die Haare, schäumt relativ gut, gründlich wieder ausspülen
  • weitere Waschnussrezepte: zum Beispiel auf http://www.ruten-geher.com/html/indische_waschnusse.html
  • wem die Konsistenz zu flüssig ist, kann das Waschnussshampoo mit Guarkernmehl, Xanthan oder Johannisbrotkernmehl verdicken
  • Bezugsquellen: Drogerie, Reformhaus, Bioladen, Internet (eventuell auf Gütesiegel achten, Bio, Fair etc.)
  • Edit vom 27. August 2013: Mittlerweile ist ein ausführlicher Artikel zur Waschnuss als Haarwaschmittel erschienen: DIY: Selbstgemachtes Shampoo aus Nüssen

 

Seifenkraut

  • wird bereits seit der Jungsteinzeit von Menschen verwendet
  • schäumt und reinigt verlässlich
  • Rezept: etwa 100 Gramm Seifenkraut in einem halben Liter Wasser aufkochen, bis sich das Wasser in etwa halbiert hat, danach das Kraut abseihen und die Flüssigkeit in Flaschen füllen
  • wem die Konsistenz zu flüssig ist, kann das Seifenkraut mit Guarkernmehl, Xanthan oder Johannisbrotkernmehl verdicken
  • Bezugsquelle: Apotheke (lateinischer Name: Saponaria officinalis)

 

Natron

  • (Kaiser-)Natron ist kein handelsübliches Backpulver
  • schäumt ganz leicht, zuerst vielleicht etwas ungewohnt
  • Ich gebe einen Esslöffel Natron in eine Tasse warmes Wasser, lasse das Natron sich dort etwas auflösen, bei langem Haar würde ich die Menge verdoppeln, mache ich auch meistens. Einfach gut in den Haaren verteilen, kurz einwirken lassen und sehr gründlich ausspülen.
  • Unbedingt eine saure Rinse danach! Ich nehme zb eine Apfelessigrinse: 1 Esslöffel Apfelessig auf eine Tasse Wasser, kann auch in den Haaren drin bleiben, je nachdem wie eure Haare das so mögen – Mehr zu Rinsen: HIER
  • Natron zieht eventuell Farbe, aber dafür auch die ganzen Silikone aus dem Haar
  • nicht zu häufig anwenden, je nach Haarstruktur höchstens einmal in der Woche
  • Bezugsquellen: Drogerie, gut sortierter Supermarkt, Internet
  • mein erster Natrontestbericht

 

(farbloses) Henna

  • Pflanzenhaarfarbe, gibt es in vielen Naturtönen aber auch farblos
  • bei sehr hellem Haar kann auch farbloses Henna ein leichten Rotstich hinterlassen
  • geeignet für schnell fettendes Haar –> Haare müssen seltener gewaschen werden | trockenes Haar braucht hinterher viel Feuchtigkeit z.B. durch eine Ölkur o.Ä.
  • wie auch Lavaerde ist das Hennapulver mit Wasser anzurühren, es ist genauso flexibel und man kann nach Belieben andere Rohstoffe mit hinein mischen (z.B. Öl oder Tee)
  • Henna eher gelartig anrühren, nicht zu flüssig, sonst tröpfelt es schnell vom Kopf
  • Mehrer Stunden (auch über Nacht) im nassen oder trockenen Haar lassen und erst dann ausspülen, Wärme erzeugen indem man zb Frischhaltefolie, Mülltüten oder ähnliches plus Handtuch um den Kopf wickelt
  • Henna ist eigentlich ein Färbemittel (wenn nicht farblos), kann aber eine Haarwäsche gut ersetzen, ich wasche mit Henna etwa alle 4 Wochen
  • Bezugsquellen: Drogerie, Reformhaus, Bioladen, Internet (auf die Inhaltsstoffe achten!)
  • zum Henna-Artikel auf Blanc et Noir

 

Nur Wasser

  • die Haarwäsche wird allgemein hinausgezögert
  • sehr schonend für empfindliche Kopfhaut
  • die Kopfhaut produziert nach einer Gewöhnungszeit immer weniger sogenanntes Sebum (Hauttalg) und die Haare fetten dadurch natürlich weniger
  • Haare gründlich mit Wasser spülen
  • bei eher trockenen und gewellten/gelockten Haaren ist die Umstellung womöglich erträglicher :)

 

Gar nicht waschen

  • auch „Sebum only“ oder NW/SO (No Wash/Sebum Only) genannt
  • Sebum, also Hauttalg wird von der Kopfhaut produziert (mehr dazu: Klick) und überzieht das Haar mit einem pflegenden Schutzfilm. Umso mehr man das Haar wäscht, desto mehr Sebum produziert die Kopfhaut.
  • Das Haar gar nicht zu waschen erfordert in den ersten Monaten viel Disziplin und Durchhaltevermögen. –> Haare eventuell in dieser Zeit öfter zu einem Dutt oder Zopf gebunden tragen, Mützen, Hüte etc. – Könnte sonst Probleme im Beruf geben ;)
  • Das Sebum wird regelmäßig mit den Fingern oder geeigneten Kämmen vom Haaransatz in Richtung Haarspitzen massiert. –> mechanische Reinigung
  • Im Langhaarnetzwerk finden sich viele viele Informationen und Erfahrungsberichte zu dieser Methode. Ich bin immer noch sehr fasziniert davon, schrecke aber selbst bisher vor diesem Experiment zurück. –> Zum Langhaarnetzwerk

 

Und was ist mit Spülungen und Co?

Schaut doch mal hier vorbei: Von sauren und anderen Rinsen

 

Was es noch zu sagen gibt:

  1. Weniger ist manchmal wirklich mehr!
  2. Die Werbung der Kosmetikindustrie suggeriert uns, dass tägliches Haarewaschen nötig sei und stellt dementsprechende Produkte her. –> Abhängigkeit –> Viel Müll (Plastik und Chemie), Chemikalien verschmutzen Wasser
  3. Werbung = keine sachliche Information
  4. Chemikalien in üblichen Shampoos werden über unser größtes Organ, die Haut, aufgenommen und verbleiben zum Teil in unserem Körper.
  5. Zu häufiges Waschen und „schlechte“ Shampoos können die Kopfhaut irritieren, dadurch entstehen Schuppen, Pilze, fettiges Haar, Haarausfall etc. – Gebt eurer Kopfhaut die Chance wieder in ein Gleichgewicht zu finden.

 

Zum Schluss möchte ich noch allgemein zum Thema Haare diese Webseite empfehlen: Kupferzopf.com

Wie wascht ihr eure Haare? Tipps, Tricks, Ergänzungen? :)

Waschbär Ben

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111 Kommentare

  1. Avatar
    Ebru

    Ich habe neulich meinen Haaren frisch gepressten Zwiebelsaft einmassiert (quasi als Haarmaske), etwas trocknen lassen. Zwiebelsaft fördert den Haarwachstum und funktioniert laut Eigen-Recherche als natürlicher Aufheller, am Besten in Kombination mit Sonne. Und dann mit selbst gepflückten Gänsenblümchen, Löwenzahn, Pfefferminzblättern und Kamillenteebeuteln (alles in kochendem Wasser) als Spülung benutzt. :) Hat meine Haare echt schön weich und geschmeidig gemacht. Gänseblümchen und Kamillen sind auch natürliche Aufheller. Löwenzahn hatte auch ’ne nette Funktion, müsste man wieder recherchieren. :D Und Minze habe ich einfach so genommen, weil ich keinen Rosmarin hatte, und ich muss sagen, das war die beste Entscheidung. :D Regelmäßig gebe ich meinen Haarenden auch Avocadoöl hinzu, aber ich habe ganz oft das Gefühl irgendwas fehlt noch, weil sie oft sehr trocken sind, meine Kopfhaut aber dafür zu fettig, auch nach gründlichem Kämmen. Vielleicht kannst du oder jemand mir ja was dafür empfehlen und mich über die Ursachen aufklären. ❤
    Der Zwiebelsaft und die Teemischung haben aber auf jeden Fall einen deutlichen Unterschied gezeigt, und ich werde mich damit noch länger auseinandersetzen. Meine Haare waren nie besser, vor allem nicht durch Shampoos (gestern haben sie sich auch soo schön nach Babyhaar angefühlt! Heute sind die Enden nur leider etwas trocken/klebrig für meinen Geschmack). Honig mit Zimt und Olivenöl soll wohl auch eine gute Mischung zum natürlichen Aufhellen sein. Oh, und Zitronensaft.

    • Avatar
      Katze

      Hast du schonmal Kokosöl für die Spitzen versucht? Das pflegt und spendet Feuchtigkeit. Hatte früher auch das Problem mit trockenen Spitzen aber seitdem ich das Kokosöl verwende musste ich mir auch nie mehr die Spitzen schneiden lassen weil sie brüchig wurden.

  2. Avatar
    Christina

    Hallo
    Durch deinen Blog habe ich angefangen Lavaerde zum waschen zu nutzen.Zwar bin ich mit der Reinigungswirkung zufrieden, jedoch sind meine Haare immer sehr aufgeladen in den längen. ich habe schon veruscht öl in die spitzen zu geben, jedoch beschwert es diese dann recht stark und dann sieht es schnell „fettig“ aus. Hast du einen tipp für mich? cooler blog!

  3. Avatar
    Paganina

    Die Waschnüsse:
    durch den übermäßigen Export können sich die Ursprungsländer die nicht mehr leisten. hat eben alles Vor – und nachteile

  4. Pingback: Mit Proben toben #8: Henna Haarwäsche — Fräulein Immergrün

  5. Avatar
    Helena

    Hallo!

    Ich weiß zwar nicht ob das in vorherigen Kommentaren schon erwähnt wurde, aber auch Roggenmehl eignet sich als Shampoo-Alternative. Einfach mit ein bisschen Wasser mischen, in die Haare (lieber nur auf der Kopfhaut, nicht in die Spitzen) einmassieren, kurz (ca. 2 – 5 Minuten, ist von Person zu Person anders) ruhen lassen und dann warm und gründlich (!) auswaschen. Das warme Wasser löst das Mehl besser. Optional kann man ganz am Ende, nachdem schon alles draußen ist, mit kaltem Wasser drübergehen. Dadurch werden Kämmbarkeit und Glanz erhöht. Aber auch sonst wirkt sich Haarwäsche mit Roggenmehl sehr sehr positiv auf die Kämmbarkeit aus.

    Viel Spaß beim Ausprobieren! :)

Kommentare sind geschlossen.