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Blutsbande: Die Pille danach (Ein Nachtrag)

Kürzlich schrieb ich einen knappen Artikel zur Pille danach, weil ich mich so freute, dass diese nun endlich rezeptfrei erhältlich sein wird, so wie übrigens in beinahe allen anderen EU-Ländern. Dieser Artikel war Anlass für sehr viel gemischtes Feedback eurerseits, ob nun hier in den Kommentare, auf Facebook oder auch per Mail. Das finde ich toll und ich bedanke mich bei euch! Da mein Artikel aber das Thema nun nicht rundum beleuchtete und eher dazu diente die verlinkten Artikel anderer Blogger*innen, die bereits sehr gut darüber schrieben, zu verbreiten, will ich heute noch ein bisschen nachlegen und auf euer Feedback eingehen.
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Die rezeptfreie Pille danach:

  • ermöglicht einen selbstbestimmten Umgang, keine Bevormundung von Frauen (Selbstbestimmungsrecht von Frauen)
  • erspart den oftmals schwierigen Arztbesuch, der von vielen Frauen als beschämend empfunden wird
  • wird trotzdem nur mit einem Beratungsgespräch in einer Apotheke abgegeben
  • ist schneller verfügbar und Schwangerschaften können daher mit höherer Wahrscheinlichkeit vermieden werden
  • ist bereits in fast allen anderen EU-Ländern seit Jahren frei erhältlich
  • wird deswegen trotzdem nicht „wie Smarties“ konsumiert (derStandard über die Entwicklung in Österreich, seitdem dort die Pille danach rezeptfrei wurde)
  • verleitet junge Menschen nicht weniger oder mehr dazu ihre Sexualität zu erforschen
  • hätte mir zum Beispiel auch meinen „Sicherheitskauf“ in den Niederlanden erspart ;)
Für mich entscheidend und ein klares Pro rezeptfreie Pille danach, ist der Umgang mit Betroffenen. Ich hatte euch im letzten Artikel zu diesem Thema ja einige Berichte verlinkt und auch von euch kamen viele viele hinzu.
Natürlich gibt es auch Beispiele von Frauen und Mädchen, die die Pille danach ohne große Schwierigkeiten beim Arzt erhalten haben. Ich möchte euch jedoch bitten, die schlechten Erfahrungen von Frauen und Mädchen und das Problem darum nicht kleinzureden, nur weil es bei euch glücklicherweise anders lief. Wir sind alle unterschiedlich gestrickt und gehen mit verschiedenen Situationen unterschiedlich um. Wir alle haben eine Vorgeschichte, die uns vielleicht in manchen Momenten ängstlicher, kleiner und befangener macht, als man normalerweise ist oder sein möchte.
Ich kann nicht davon ausgehen, dass Jeder die gleichen Voraussetzungen hat. Bei der Pille danach geht es nicht nur um Frauen, die zum Beispiel in einer festen Beziehung sind und dessen Verhütungsmethode versehentlich versagt hat. Es geht auch um Frauen, die nach einer Vergewaltigung die Pille danach benötigen, aber vielleicht nicht sofort die Kraft haben um in ein Krankenhaus zu gehen, sich schämen und vielleicht auch große Angst vor der dortigen Befragung und Untersuchung haben. Es geht um Trans*Menschen, für die vielleicht eine Schwangerschaft hochproblematisch wäre und die womöglich an einen Arzt geraten, der sie auch noch zusätzlich aufgrund ihrer Sexualität verurteilen. Es geht aber auch um junge Mädchen, die keinen Halt in ihrem Elternhaus finden und nicht die Möglichkeit haben auf die Schnelle an einen Arzt zu kommen. Die Probleme die sich bei einer nicht rezeptfreien Pille danach auftun, sind mindestens genauso individuell wie die Menschen, die sie benötigen. Das zeigt besonders die Einsendung einer jungen Leserin, die mich bat ihren Bericht hier zu veröffentlichen.
Hallo Erbse!
Ich habe letzte Woche deinen Artikel zur Pille danach gelesen und hatte heute den Geistesblitz dir meine kleine Geschichte zur „Pille danach“ zu erzählen. Falls das für deine Leserinnen interessant sein könnte, kannst du den Text gerne veröffentlichen! Für mich kommt die rezeptfreie „Pille danach“ ein bisschen zu spät und ich glaube, dass ich in meiner Situation kein Einzelfall war.
Ich war damals sechzehn als ich mit einem Jungen mein erstes Mal hatte. Du kannst dir bestimmt vorstellen, wie unsicher und aufgeregt ich war. Und gleichzeitig war ich einfach mächtig verliebt. Ja, blöd nur… wir haben nicht richtig verhütet. Zwar hatte er ein Kondom benutzt, aber das wohl nicht korrekt. Ich nahm zu der Zeit keine Pille und verhütete auch nicht irgendwie anders, weil ich dafür hätte zum Frauenarzt gehen müssen. Mein Elternhaus ist sehr konservativ und wir sprachen nie über Sex. Deswegen war auch klar, dass ich in meinem Alter keinen haben sollte. Das war etwas Verbotenes. Und zum Frauenarzt müsste ich in meinem Alter sowieso schon mal gar nicht! Jetzt hatte ich aber mit diesem Jungen geschlafen und mein schlimmster Alptraum wurde war. Ich brauchte die Pille danach. Das wusste ich! Ironischerweise hatten wir erst wenige Wochen vorher in der Schule darüber geredet. Nur woher sollte ich die bekommen und wie? Meinen Eltern konnte ich unmöglich Bescheid sagen. Ich hatte Angst und die Hemmschwelle war viel zu groß. Also wartete ich erstmal einen Tag ab und versuchte mich nicht verrückt zu machen. Ich machte mich aber doch verrückt und googelte deswegen wo ich die Pille danach herbekommen könnte. In der Apotheke wurde ich abgewiesen und auf ein Krankenhaus verwiesen. Du, ich hatte echt Muffensausen! Aber ich habe mich dann doch ein paar Stunden später hingetraut. Nach langen Warten war ich das erste Mal bei einem Frauenarzt, der kein Verständnis für meine Situation hatte und wild auf mich einredete bis ich anfing zu weinen. Und selbst dann hörte er nicht auf mir den Moralfinger zu zeigen. Dann musste ich mich ausziehen und ein Ultraschall wurde gemacht. Er sagte am Ende des Untersuchung, dass ich mit meinen Eltern zurück kommen solle und erst dann könnte er mir die „Pille danach“ verschreiben.
Erst jetzt im Nachhinein weiss ich, was da alles falsch gelaufen ist und wie viel Vertrauen das bei mir kaputt gemacht hat. Ich hab die Pille danach letztendlich echt noch bekommen, nachdem ich mit meiner Mutter dort war, die aus allen Wolken fiel und wochenlang sauer auf mich war. Aber weisst du was? Aus dieser schlimmen Zeit ist etwas ganz Tolles entstanden! Ich bin nähmlich mittlerweile glückliche und stolze Mutter meines zweijährigen Sohnes, der einfach alles auf der Welt für mich bedeutet. Trotzdem möchte ich sowas wie damals nie wieder erleben müssen! 
Danke für deine Offenheit und deinen Mut! Und alles Gute für dich und deinen Sohn. <3 Mich hat deine Geschichte sehr nachdenklich gestimmt.
Waschbär Ben

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30 Kommentare

  1. Also diese Geschichte stimmt mich allerdings auch SEHR nachdenklich. Wenn ich davon ausgehe, dass die junge Frau mit „Aus dieser schlimmen Zeit ist etwas ganz Tolles entstanden“ meint, dass die bei ihrem ersten Mal trotz Pille danach schwanger wurde (ist das so??) dann sagt uns das doch, dass sie die Pille entweder zu spät genommen hat oder dass sie nicht wirkte.

    Mit selbstbestimmter Familienplanung hat das nichts zu tun. Mir ist ein kalter Schauer über den Rücken gelaufen, als ich den letzten Absatz las. Und zwar nicht vor Glück oder Rührung.

    • |dass die bei ihrem ersten Mal trotz Pille danach schwanger wurde (ist das so??) dann sagt uns das doch, dass sie die Pille entweder zu spät genommen hat oder dass sie nicht wirkte.

      Wohl eher, dass die Pille zu spät kam weil sie ihr zunächst keiner geben wollte und sie auch noch einen Tag gewartet hat bis sie danach fragte.

      Und das ist passiert, weil die Pille damals nicht frei verkäuflich war. Womit sich solche Situationen jetzt hoffentlich gebessert haben.

  2. Tricky

    Sie ist jetzt sicher glücklich, klar, aber dennoch finde ich es erschreckend. :/ Eine junge, 16jährige Frau (sage ich jetzt mal so), die nicht frei über ihren Körper bestimmen kann. Ich finde es gut und richtig, wenn man die Pille danach deutlich freier bekommen kann.
    Ich war auch mal unsicher, weil bei mir und meinem Ex das Kondom abgerutscht war und wir gingen dann schnell zu einem Arzt. Es war nicht ganz so schrecklich und es wurde auch keine Untersuchung vorgenommen, sondern ich wurde über die Pille aufgeklärt, nachdem wir erzählt haben, was passiert war. Es war mir schon sehr unangenehm, dennoch lief es gut und ich bekam die Pille danach und bin bis heute kinderlos. Im übrigen möchte ich nicht Mutter werden. Ich mag zwar Kinder, aber ich für meinen Teil möchte selber keine haben. Ich höre da auch keine biologische Uhr ticken, selbst jetzt mit Ende 30 nicht. ^^ Von daher ist es gut, wenn man so ein Medikament kriegen kann und nicht in die Rolle a la „Du bist eine Frau! Du musst gefälligst einmal in deinem Leben schwanger werden!“ gedrängt wird.

    • Kathy

      Ja, ich kenne das auch nur so, dass man beraten wird und nicht untersucht. Jedoch war sie auch zum ersten Mal beim Frauenarzt und wollte, dass man ihr ein Medikament verschreibt. Da ist es schon relativ normal, dass man untersucht wird. Das macht ihre Situation natürlich nicht besser oder schlechter. Ich kann schon verstehen, dass es ihr unangenehm war.
      Ich hatte das „Glück“, dass es dem Arzt in der Notaufnahme noch unangenehmer als mir war, als ich mir ein Rezept für die Pille danach geholt habe.

  3. Sarina

    Mir ist das alles mit 14!!!!!!!!!!!! passiert und keiner weiß das bis heute – ausgenommen meinem Ex und seiner Mum. Er hat ihr erzählt, dass uns das Kondom geplatzt ist. Daraufhin ist sie für mich zum Arzt und hat gelogen, sich die Pille Danach beschafft und mich dann heimlich am Busbahnhof nach der Schule getroffen, um sie mir zu geben. In dem Alter war ich mir gar nicht bewusst, was eine mögliche Schwangerschaft mit sich bringen würde – im Grunde hat nur mein Ex richtig gehandelt und seine Mum ist in die Presche gesprungen. Aber ich wäre wohl nie zum Arzt oder zu meinen Eltern. Ich habe das einfach nicht ernst genommen. Zumal ich auch gar nicht gewusst hätte, wie ich da hin kommen soll, da wir auf dem Land wohnen. Es war schließlich mein zweites Mal und das ist gleich in die Hose gegangen … naja, wie soll man in dem Alter auch wissen, wie man Kondome sachgemäß verwendet?

    • Rea

      Naja, dafür gibt es eigentlich Sexualkunde in der Schule und deine Eltern… (Und die Frage ist für mich persönlich dann schon: wenn ich so etwas nicht weiß, muss ich dann wirklich Sex haben, oder sollte ich mich zuerst informieren? :D – ist natürlich oft leichter gesagt als getan, vor allem in Zeiten, in denen fast jeder einen Internetanschluss hat und Informationen so frei zugänglich sind wie selten zuvor.)
      Und gerade sowas ist für mich dann das Problem – nicht, dass Jugendliche Sex haben (da geht doch auch bei Erwachsenen viel schief!), sondern, dass es immer noch (!) für viele schwierig ist, eine Vertrauensperson zu bekommen, mit der man über sowas reden kann, ohne sich schämen zu müssen/schlecht zu fühlen.
      Von daher finde ich die Diskussion über die PiDa im Generellen auch etwas überbewertet und zu emotional geführt. Die meisten Argumente, die gebracht werden, betreffen gar nicht die PiDa selbst, sondern das Verhältnis von Menschen zum Sex. Hachja.
      (Auf Kondompackungen gibt es eigentlich auch Anleitungen, oder? Fällt mir grade auf. Wobei die auch immer unpersönlich sind und das schlimmste: nicht auf Fragen antworten können!)
      Immerhin hattest du Glück und hast deinen Ex und seine Mutter gehabt. Das ist doch schön, dass sie sich um dich gesorgt haben :)

      • Sarina

        Oh, ich war aufgeklärt, sehr gut sogar – daran hat es nicht gelegen. Aber ich hätte mir wohl nie die Pille Danach geholt. Und da hat das eine nichts mit dem anderen zu tun. Meine Eltern haben sich da wirklich viel Mühe gegeben und auch so war ich immer die unter meinen Freunden, die am meisten wusste und eben auch ein wenig frühreif war und schon mit 12 ihren ersten festen Freund hatte mit ersten sexuellen Erfahrungen.
        Das Problem war eher, dass ich keine Vertrauensperson hatte. Das hast du richtig erkannt.

        // Das Kondom wurde schon richtig verwendet, aber eben nicht in der richtigen Größe. Wer erklärt einem das schon in dem Alter? Es ist einfach geplatzt. Und dann hatten wir den Salat.

  4. Nalea

    Erstmal Danke Erbse für deinen Artikel und den Nachtrag!
    Und der Leserin, die ihre eigene Geschichte zur Verfügung gestellt hat!

    Mir ist es nach dem Lesen voriger Kommentare wichtig etwas anzumerken:

    1. Wie Erbse bereits erwähnt hat gibt es verschiedene Persönlichkeiten, Menschen werden sehr unterschiedlich an das Thema Sex und Verhütung herangeführt. Oder eben auch nicht. Mit erhobenembenen Zeigefinger von sich auf andere zu schliessen finde ich hier ziemlich unangebracht.

    2. Kondome können platzen oder abrutschen, egal von welcher Marke und wenn korrekt angewendet wie auf der Verpackung angegeben. Schuld daran ist meistens eine falsche Grösse! In der Hinsicht wird leider zu wenig aufgeklärt…Dabei sind Kondome in der richtigen Grösse sicher! Ich kann nur weiterempfehlen sich schlau zu machen, abzumessen und dann bei mysize nach einer passenden Größe zu schauen.

    • Tricky

      In meinem Fall bzw. dem Fall meines Ex war es schon die richtige Größe, aber es ging ein wenig wilder als üblich zu, um es mal auf einen Nenner zu bringen und er hatte es versäumt, das Kondom einmal festzuhalten.
      Das ist aber auch so ein Punkt – Mann macht einen Fehler, Frau droht eine ungewollte Schwangerschaft. Natürlich sollte das nicht passieren, aber wo Menschen im Spiel sind, passieren eben Fehler und dann ist es gut, wenn man im Notfall auf der sicheren Seite ist.

  5. Doris

    Bei der Geschichte ist anzumerken, das nirgends steht, das die Pille danach nicht gewirkt hat. Sie war damals 16 und ich habe das so verstanden, das sie später mal ihr Kind bekommen hat, jedoch nicht aus dieser Situation heraus.

    • Liebe Doris,
      die junge Frau aus meinem Artikel hat sich vorhin bei mir gemeldet und schrieb, dass die PiDa bei ihr nicht mehr wirkte, da zu viel Zeit vergangen war. Deshalb wurde sie schwanger und ihr Sohn wurde geboren.

      Danke für eure Kommentare!

  6. sarah

    Das ganze macht einen doch schon irgendwie nachdenklich. Natürlich ist es positiv zu beurteilen, dass Frauen und Mädchen jetzt mit der Pille danach die Möglichkeit haben, in diesem heiklen Bereich selbstbestimmt mit sich und ihrem Körper umzugehen. Doch aus den Kommentaren und Erlebnisberichten wird deutlich, dass das eigentliche Problem die ganze Zeit die Art und Weise war, wie Ärzte mit den Betroffenen umgegangen sind, nämlich völlig daneben, moralisierend, verurteilend, verständnislos, von oben herab, patriarchalisch, hierarchisch, blablubb…. also letztendlich völlig (aus therapeutischer Sicht) inadäquat und traumatisierend. Das sind aber Verhaltensweisen, die in diesem Berufsstand allgemein (und ich darf das sagen, ich bin nämlich selber Ärztin) grassieren und nicht nur kontraproduktiv sind (so bekommt man nämlich keine Patienten gesund) sondern massiven körperlichen und psychischen Schaden bei den Betroffenen anrichten (denn, richtig, mit so einem Verhalten macht man hilfesuchende, verzweifelte Menschen erst richtig krank). Ein Schwangerschaftsabbruch mit einem Medikament ist ein medizinischer Eingriff, klar nur ein kleiner, aber hat auch seine Risiken und Nebenwirkungen. Und auch wenn alles „erledigt“ ist, sollte frau nicht ganz ohne Betreuung da stehen. Aber anstatt das Grundproblem, die fehlende kompetente und verständnisvolle medizinische Unterstützung, anzugehen (was sicher nur mit einem tiefgreifenden Umdenken auf Seiten der Ärzte zu verwirklichen wäre), müssen wir es schon als Fortschritt verstehen, wenn Frauen die Angelegenheit jetzt selbständig und auf eigenes Risiko hinter sich bringen „dürfen“, ohne dass ihnen von aussen noch Probleme und Schuldgefühle gemacht werden…..

    • Danke!!!!! Das ist der Gedanke den ich schon die ganze Zeit habe, wo ich die Kommentare hier und auf Facebook lese. Ich verfolge die Diskussion gespannt und ich finde die meisten Berichte zum Beschaffen der PD schreien, dass die Ärzte einfach nicht vernünftig gehandelt haben!
      Ich finde es übrigens okay, dass die PD in der Apotheke zu bekommen ist. Ich habe sie noch nie gebraucht und werde es hoffentlich auch nie, aber ich denke für viele ist es eine hilfreiche Erleichterung.

    • Liebe Sarah,
      danke für deinen Beitrag!
      Ich stimme dir zu, denn viele Probleme würden erst gar nicht entstehen, wenn im Vorfeld einige Faktoren stimmen würden. Eben wie das Verhalten mancher Ärzte* und jenachdem auch das Elternhaus. Das ist ein Fehler, der nicht so leicht ausgemerzt werden kann, weshalb die neue Regelung für die Pille danach wirklich angebracht ist, finde ich.
      Viele liebe Grüße :)

    • Isi

      Ich finde es sehr wichtig in solchen Diskussionen auch auf die Begrifflichkeiten zu achten. Du schreibst etwas von Schwangerschaftsabbruch, aber die Pille danach ist kein Schwangerschaftsabbruch! Sie verhindert bzw. verschiebt lediglich den Eisprung, andere Wirkungen werden zwar diskutiert, sind aber nicht bewiesen. Ein Schwangerschaftsabbruch dagegen ist eine absichtliche, vorzeitige Beendigung einer unterwünschten Schwangerschaft. Für Schwangerschaftsabbrüche gilt immer noch die Fristenlösung mit Beratungspflicht und Indikationen.

  7. Felicitas

    Ein toller Blogeintrag, wie immer von dir Erbse
    Was ich aber anmerken wollte, das bei Trans*Menschen um Identität und nicht um Sexualität geht, außer du meintest, dass sie sich sexuell betätigen in ihrem abgelehnten Körper, das kam bei mir nicht ganz klar raus.

  8. Maren

    Sooo… also ich war 14 als ich die Pille danach nehmen wollte. Ich war erst seit 3 Monaten mit meinem ersten Freund zusammen und nach 2 Wochen „Praxiserfahrung“ passierte uns das Unglück. Ich hatte währenddessen einmal ein komisches Gefühl, hab es aber darauf geschoben, dass er wohl einfach nur ungeschickt gegen das Schambein im Inneren gestoßen ist. Als wir dann geendet sind, kam der Schock, das Kondom ist gerissen/geplatzt, ohne das wir es vorher bemerkt haben.
    Über Verhütungsmethoden wusste ich alles Bescheid, Sorten, Anwendung, Pearlindex, Wirkungsweisen. Ich habe damals regelmässig die Sugar (gibts die noch?) und hin und wieder mal die Bravo gelesen. In der Sugar war in einem Monat eine doppelseitige sehr ausführliche Tabelle über Vehütungsmethoden abgedruckt, wie man sie von Stiftung Warentest kennt :D Und jedes Mittelchen hatte nochmal seine eigene Seite mit Erklärungen.
    Auch wenn ich so ein Experte war, beim Frauenarzt war ich noch nie gewesen mit meinen 14 Jahren, also bin ich nach Hause und habe meiner Mutter gebeichtet. Schock schwere Not, meine Mutter kannte sich gar nicht aus und hat sich schon als Oma gesehen :D
    Sie hat mir dann einen Termin beim Frauenarzt ihrer Schwester besorgt (der von meiner Mutter war ein Mann und ich wollte lieber zu einer Ärztin). Am nächsten Morgen hingelaufen mit meinem Freund (Reformationstag Evangelen hatten schulfrei :) ). Seit „Unfall“ waren jetzt etwa 14 Stunden vergangen, die Ärztin war begeistert als ich ihr alle Fragen zur Pille danach beantworten konnte und mir der Risiken und des Ausnahmesituation vollends bewusst war und überreichte mir das Rezept und einen Termin zur Erstuntersuchung für die nächste Woche, bei der ich dann ein hormonelles Verhütungsmittel bekam, den Nuvaring, bin zu vergesslich für die Pille, trotzdem verhütete ich immernoch mit Kondom, doppelt hält besser :)
    Kein großer Deal, ich glaub ich war die Ruhigste in der Situation und das ganze ist jetzt 12 Jahre her. Danach war ich noch 3 glückliche Jahre mit meinem Freund zusammen und wir sind noch heute gut befreundet.

    Bisher war aber auch immer ich diejenige, die die Kondom kaufen musste/sollte, gut kann ich ja machen bin eh ständig im Drogeriemarkt, aber die Hemmschwelle von Jungs und jungen Männern Kondome zu kaufen ist immernoch riesig. Als Frau fühlt man sich verantwortungsbewusst an der Kasse und als Mann scheinbar wie ein Perversling xD

    Gut, ist eine lange Geschichte geworden, vielen Dank an alle die bis hierhin gelesen haben ;) Liebe Grüße Maren

    • Arcia

      Ich finds herrlich, wie das bei dir gelaufen ist!

      Aber dass das so ist, und dass du so verantwortungsbewusst bist, hat sicher die gleiche „Ursache“: dein dich unterstützendes Umfeld.

      Für viele Frauen ist so eine Situation nicht nur ein Unfall, sondern ein Notfall, weil die Not da meist aus mehreren Richtungen kommt.

      Und wer dann allein im regen stehend auf Ablehnung durch Ärzte stößt…
      Ich finds toll, wie das bei dir gelaufen ist!

      Übrigens: ich kaufe Kondome auch selbst, Mein Partner kauft sie zwar auch, aber ich bin der Ansicht, dass dafür beide verantwortlich sind, nicht nur der, der auch den Penis hat.

    • Maren

      Investiert wird ja nicht. Die Pille danach bleibt genau so „teuer“ mit ihren knapp 20€. Aber recht hast du schon, wie wäre es mit kosten losen Info Broschüren in der Tampon und Bindenanteilung :) die kann man klammheimlich einstecken ;)

    • Das nutzt den Menschen aber wahrscheinlich nichts, die super aufgeklärt sind, das ganze Verhütungszeug auch einwandfrei beherrschen, und dann an der Materie scheitern :-D
      Ich meine: schon mal was von ‚Kondom geplatzt‘ gehört? Das liegt nicht immer an falscher Bedienung (lange Fingernägel, falsch herum abgerollt) sondern manchmal einfach an Materialermüdung..
      oder was antwortest du Mädchen, die vergewaltigt wurden? Die einen Freund haben, der urplötzlich entscheidet, daß jetzt mal ‚allein zu entscheiden‘, ob verhütet wird oder nicht? Die einen Typen kennenlernen, der sich im Dunkeln umdreht und absichtlich mit einer Kondompackung knistert um sie glauben zu machen, alles sei okay, nur um dann mit ihr zu schlafen und ihr erst danach zu sagen, daß er ‚das Gefühl von Kondomen nicht mag‘??? (ist meiner Freundin echt so passiert!!)?
      Die sitzen dann alle in einem Wartezimmer, vielleicht bald schwanger.. sagst du ihnen dann auch: warum seid ihr nicht aufgeklärt? Von diesen Sprüchen lassen sich in dem Stadium keine Schwangerschaften mehr verhindern – und Abtreibungen auch nicht.
      Am schlimmsten ist aber, daß diese Einstellung anscheinend auch bis zu den Ärzten vordringt; aber nur den Männern. Nur von Männern durfte ich mich streng ankucken (im besten Fall) bis barsch maßregeln lassen.. heute würde ich sagen, was ich damals nur still dachte: ‚Sagen Sie das bitte auch mal dem MANN, der dazugehört? Mir ist das ja nicht ALLEIN pasiert!‘
      Ich kann nur allen raten: wenn ihr einen Kerl habt, nehmt ihn mit, damit er euch beschützt oder notfalls einen Teil der Unmut auf sich zieht. Auch zur Apotheke, auch gegen anmaßende Blicke von den Angstellten dort. Zum Glück kann man solch eine Apotheke aber fortan meiden; und die Apotheker haben ein Interesse daran, uns als Kunden zu behalten. Sind nämlich Dienstleister, keine Halbgötter in Weiß!

  9. Maren

    Ich wollt es eigentlich nicht noch schreiben, weil es auch zu lang geworden wäre und ich mit meiner Geschichte zeigen wollte, das nicht gleich die Welt untergehen muss.
    Ich hab nämlich noch eine zweite Erfahrung machen müssen, die ist weniger als 5 Jahre her, so alle 5 Jahre n Unfall ist noch eine gute Statistik denk ich. Die Pille war abgesetzt, Gründe können hierbei nebensächlich bleiben und war in einer Fernbeziehung. Das war das zweite Mal, dass wir uns getroffen hatten und kannten uns seit 5 Monaten etwa. Und tjoar eine Sache führte zum andern und wir hatten Sex, mit Kondom, ging ja auch die letzten Jahre doppelt gemoppelt gut ;) Aber and that´s Murphy´s Law, es kam wie es kommen musste, es riss, ich hatte Panik, es war Samstag und das nächste Krankenhaus zu weit weg. Also bevor ich Himmel und Erde in Bewegung setzte um in ein Krankenhaus zu kommen, wählte ich erstmal den leichten Weg und stapfte alleine in die nächste Apotheke. Der Apotheker etwa 35-45 Jahre alt, hörte sich mein Problem an und verkaufte mir die Pille danach, ohne Rezept! Er meinte er habe zwei Töchter und wenn die einmal in so einer Situation stecken, möchte er auch nicht das ihnen so ein Fetzen Papier im Weg steht. Und da ich ihm auch gesagt habe, dass ich die bereits schon einmal verschrieben bekommen habe und vertrug, sah er erst recht kein Problem. Die wichtigsten Sachen ist er mit mir nochmal durchgegangen und ich hab immernoch kein Kind :)
    Aber wahrscheinlich ein Einzelfall, ich konnte es garnicht fassen wieviel Glück ich da gehabt haben muss.
    Liebe Grüße, Maren

  10. Nat

    Hallo Erbse!
    Dein Artikel hat mir richtig den Magen umgedreht – ich habe nämlich auch eine ziemlich böse Erfahrung mit der Pille danach gemacht. Mein Ex, obwohl er es mir versichert hatte, schien nicht so richtig zu begreifen, dass Kondome abrutschen können wenn sie nicht mehr steif sind. Ich war zwar auf die Pille, habe aber nicht mal 2 Stunden vorbei (in seiner Anwesenheit übrigens) ein Antibiotikum genommen und war dann natürlich völlig am durchdrehen als ich merkte, dass das Ding abgerutscht ist. Er hat versucht sich rauszureden dass er gar nicht wusste dass ich ein Antibiotikum genommen habe (aha) und so rannte ich panisch ins nächste Krankenhaus, wo ich erst mal 3 Stunden lang warten durfte. Die Krankenschwestern waren extrem unhöflich zu mir und sagten sogar (ich kann immer noch nicht glauben wie dreist das war) dass ich „mehr Zeit einplanen soll, denn wenn ich schon schwanger bin, müssen wir direkt abtreiben“ (wenn ich jetzt so darüber nachdenke heißt das wohl dass die Krankenschwester angenommen hat ich bin ein Dummchen das nicht verhütet und bestimmt sowieso schon schwanger bin?). Der Arzt war auch ziemlich dreist. Ich war ziemlich nervös und ängstlich und er hat mir mehrfach zu verstehen gegeben ich solle mich doch „zusammenreißen“ und hat mir wörtlich gesagt dass „wenn man keine Ahnung vom Verhüten hat, man doch keinen Sex haben soll“ (auch nachdem ich ihm erklärt habe dass es nicht meine Schuld war sondern mein Ex es verhunzt hat). Ganz genial fand ich ja, dass er, während ich erklärt habe, auf Wikipedia gegangen ist um sich einen Artikel über den Hauptwirkstoff in meinem Antibiotikum durchzulesen. Nachdem er mich ordentlich über meine „Unfähigkeit“ angemeckert hat, habe ich das Rezept dann endlich bekommen. Das hat in der Apotheke dann nochmal 30-40 EUR und meine Würde gekostet, so wie die Apothekerin mich angeglotzt hat.
    Ich bin total froh darüber, dass die Pille danach jetzt rezeptfrei ist. Ich war damals (vor 2 Jahren) 19 und schon etwas gefestigter. Als Erwachsene, die nicht mehr zuhause wohnt, ist das alles ein wenig einfacher. Wäre mir das mit 16 bei meinem ersten Mal passiert wäre das eine Katastrophe biblischen Ausmaßes geworden.
    Ich hoffe sehr dass es junge Mädchen davor rettet, ungewollt Mutter zu werden.

  11. Nat

    (Für jeden der meinen Beitrag liest: Tut mir leid wegen den vielen Flüchtigkeitsfehlern! Ich hocke auf der Arbeit und achte darauf, dass mein Chef bei diesem doch eher pikanten Thema nicht plötzlich hinter mir steht! :P)

  12. Bellybutton

    Hallo liebe Menschen :-)
    ich persönlich finde es ganz toll das es die Pille danach jetzt in Apotheken gibt. Ich kann mich noch gut erinnern wie es für mich war. Zum Glück hatte ich keine Schwierigkeiten. Allerdings bin ich bei meinem Vater aufgewachsen, meine Mutter ist früh gestorben, und ich hatte leider keine weibliche Vertrauensperson. Mein Vater war nicht prüde oder übermäßig streng, jedoch wahnsinnig überfordert und ich habe mich schrecklich geschämt, als ich meine Periode kriegte, für die Pille danach und ja auch später für die Pille. Wir sind alle Menschen und machen Dummheiten und das in jedem Alter!
    deshalb verurteile ich niemanden für ungeschützten Sex oder Verhütungspannen.ist mir auch schon mit über 20 und ja auch mittlerweile über 30 passiert ;-)
    Und dann stellt man sich noch vor das man über die Eltern privat versichert ist… kein Mädchen kann dann heimlich zum arzt gehen….alles steht auf Rechnungen, wenigstens war das früher bei meiner Freundin so. Also vielen dank das es jetzt die Pille danach Rezeptfrei zu kaufen gibt.
    und liebe erbse vielen vielen dank dafür was du hier alles schreibst und für deine App über die ich auf dich und zum,wenigstens teilweise;-), veganen leben gekommen bin.
    Liebe grüße Belly

  13. Meli

    Ich habe mir sie auch schon mal geholt, einfach in der Bereitschaftspraxis am Wochenende. Da war ich 27 und erfahren genug, aber es kann immer was passieren. Es kam nur zu einem Durcheinander beim Anfassen, weil er das Aufpassen da bisher nicht gewohnt war ohne Pille und das hat mir schon gereicht, da bin ich lieber paranoid.

    Ich würde nie bis zu einem Termin warten.
    Deshalb finde ich es super, dass man auch nachts zu einer Notapotheke kann oder noch besser eine auf Vorrat kaufen kann.

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