wie es uns gefällt
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Wie es uns gefällt.

Gerade eben habe ich auf FemStern gestöbert und bin auf dem Artikel “Wie es euch gefällt” hängen geblieben. Manchmal liest man etwas und hat plötzlich eine Menge Gedanken dazu im Kopf und so ist FemStern Anlass für diesen Kommentar meinerseits. Kathy vermittelt eine deutliche Botschaft in ihrem Text, wo sie über Applaus-gekrönte Ungeschminkt-Selfies und ausgebuhte Paparazzi-Fotos von ungeschminkten Promis schreibt. Und die ist so simpel, wie auch hart: I DON’T CARE.

Mimi Katze cat selfie stickMimi hat das mit den Selfies auch mal ausprobiert. (Ob ich ihr einen Selfie-Stick kaufen sollte?!)

Kathy hat einfach recht. Und mir, als relativ unsicherer Mensch, helfen solche Anstöße regelmäßig wieder “Is’ mir egal” sagen zu können. Die Kugel möchte ich weiterrollen lassen, damit ihr ebenfalls eine Portion davon abbekommt, wenn ihr möchtet. :) In einem meiner Artikel (Große Nase, graue Haare, Doppelkinn… und auch noch alt?!) schrieb ich sehr offen über meinen Weg mich selbst zu mögen. Ich schminke mich gerne und ich mag wie ich geschminkt aussehe. Das habt ihr bestimmt nicht anders erwartet. Aber seit ich mich wesentlich öfter traue ungeschminkt vor Menschen zu treten, bekomme ich folgendes zu hören: “Es ist total mutig von dir, dich ohne Make Up zu zeigen. Wow!” – Applaus Applaus Applaus! Es wird impliziert, dass es Überwindung kosten sollte sich nicht zu schminken oder sich nicht “zurecht zu machen”. Was als Kompliment gemeint ist, bewirkt im schlimmsten Fall das Gegenteil. Klar, mich kostet es nun wirklich einigermaßen Überwindung. Nicht, weil ich mich ungeschminkt nicht hübsch finden würde, sondern weil mir Andere das Gefühl geben, dass es etwas ist, was viel Mumm voraussetzt. Schon setzt diese miese Denkspirale ein. Wenn es mutig ist, dann muss ich ungeschminkt wohl ziemlich unansehnlich sein. Oder?! Doch eigentlich “ist es egal”, ob ich geschminkt bin oder ohne Make Up rumlaufe, “solange ich mich selbst dafür entschieden habe”. So stand ich eben vor meinem Spiegel im Flur. Prüfte meine Kleidung. Fragte mich, ob ich das wohl gewählt habe, weil man es von mir erwartet oder weil ich das will. Ich hinterfrage. Und das ist schön.
Und ehrlich. Unsere Leben bereichern und fordern uns in so vielen Angelegenheiten, da sollten wir unsere begrenzte Kraft doch lieber für diese einsetzen. Wie es uns gefällt. Für den Frieden mit uns selbst.

Habt eine schöne Restwoche. Und macht was Tolles am Wochenende! :) Ich bin wohl wieder Haarkräutersammeln.

Waschbär Ben

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12 Kommentare

  1. Sehr schöner knapper Artikel von dir! Denn genau so ist es! Eigentlich sollte es uns (und den anderen) total egal sein, mit welchem Klamotten und ob mit oder ohne Make-Up oder wie viel oder was auch immer durch unser Leben gehen!
    Es wird immer jemanden geben, der über einen urteilt und man wird es niemals allen Recht machen können, von daher kann man auch gleich damit anfangen, es sich selbst recht zu machen und das anzuziehen oder das Make-Up zu benutzen ( wenn überhaupt ), was man selbst möchte!

    Liebe Grüße
    Moony

  2. Patrizia

    Deinen Post finde ich auch klasse. Manchmal muss es einem eben egal sein, was andere sagen. Wobei ich Kathys Beitrag doch schon recht radikal fand. Und ich muss sagen, dass nicht nur Männer uns Frauen das (nicht geschminkte) Leben schwer machen. Dass auch viele Frauen gerne mal böse Kommentare abgeben, blieb mir zu unberücksichtigt.
    Wobei ich da auch nicht soo die Erfahrungswerte was ungeschminkt und Kritik dessen angeht, weil ich mich im Alltag nie schminke. Mal ein bisschen Kajal oder Lipgloss, aber Puder oder Lidschatten o.ä. kommen nur zu Anlässen auf mein Gesicht. :)

  3. miriam

    das spannende ist, dass auch da viel erziehung mit drin ist. ich bin quasi schminkfrei aufgewachsen – weder meine mutter noch meine stiefmutter machen irgendwas außer vllt mal wimpern färben – und obwohl ich mich lange nicht wirklich leiden konnte wäre ich auch nie auf die idee gekommen, dass sich das durch makeup ändern könnte. und obwohl ich heute ein kleines arsenal an schminkzeug und nagellack habe, merke ich immer noch, dass ich vieles, zb eyeliner, gar nicht kann, und vieles andere, zb lippenfarbe mir gleich zu künstlich an mir aussieht. also ist men daily basic einfach nur abdeckstift und wimperntusche, ab und an und zum ausgehen noch kajal/lidschatten und rouge, am wochenende ganz ohne alles. habs einfach nicht gelernt :-) meine mutter schwört übrigens, dass sie nur deswegen mit mitte 60 noch als mitte 40 durchgeht, weil sie sich nie geschminkt hat:“das verstopft doch nur die poren, kind!“ :-D

  4. Jenna

    Toller Gedankenanstoß, Erbse! Das ist so diese typische Art von „backhanded compliment“, die kein Mensch braucht und die eine eigentlich nur auf ihren Platz verweisen sollen. So wie es zu Dicken oft heißt „Aber du hast soo ein hübsches Gesicht!“ oder zu Menschen mit Migrationsvordergrund „duu bist ja nicht so wie die anderen (Nationalität beliebig einsetzen)“. Wenn jemand zu mir so etwas sagt, fühle ich mich nicht unbedingt besser, sondern eher schal und schäme mich dafür, so zu sein, wie ich bin. In Bezug auf`s Schminken hatte ich auch mal so eine Situation, wo ich mich einmal ausnahmsweise nicht für die Arbeit geschminkt hatte und dann kam eine Kollegin mindestens 3x zu mir und fragte, ob alles okay sei, ob ich auch wirklich nicht krank sei etc. Danke, sehr nett gemeint, aber trotzdem sch****. ;-)
    Teilweise nimmt sowas auch absurde und gruselige Formen an. Letztens habe ich ein Interview mit Kathleen Hanna gelesen, die an einer schlimmen Autoimmun-Krankheit erkrankt ist. In der Zeit bis zur Diagnose, in der es ihr am schlechtesten ging, bekam sie total viele Komplimente für ihr Aussehen, weil sie so viel abgenommen hatte. Dabei war sie in Wirklichkeit sterbenskrank!
    Verrückte Welt ^^ Da hilft es wohl wirklich nur, sich letztlich immer mehr selbst zu stärken, um perspektivisch auf die Meinung der anderen keinen Wert zu legen. Aber das ist halt nicht immer so einfach…

  5. Ich hab mich damals auch immer geschminkt, wenn ich rausgegangen bin. Dann habe ich mich gefragt, „für wen“ ich das eigentlich tue. Bei einem Gang zum Supermarkt oder Baumarkt muss ich mich nicht schminken. Ich will dann gar nicht „hübsch“ sein und würde mich dann nur schminken, um für andere nicht „unansehnlich“ zu wirken. Und seien wir ehrlich: Für Menschen, die uns mit natürlichem Gesicht hässlich finden, müssen wir uns auch nicht „hübsch“ machen. Da können ein paar müde Augen und ein unabgedeckter Pickel auch mal ein paar gute Distanzhalter für oberflächliche Deppen sein.

  6. richtig. ich bin zwar auch meistens geschminkt aber einfach weil ich des so möchte. manche sind dann wirklich überrascht, wenn man dann mal komplett ’nackernd‘ da steht… meine haut wiederum freut sich auch mal über tage an denen nix drauf klebt :-)

  7. Genau das werde auch ich nicht müde immer wieder zu schreiben; lediglich in Kommentaren bislang, aber damit es etwas besser gehört wird, hab auch ichs mir ebenfalls vorgemerkt für den nächsten Blogpost, in dem es thematisch paßt: ETWAS MUTIG ZU NENNEN IST EIN VERGIFTETES KOMPLIMENT!!!

    Aus den Gründen, die Du hier schon treffend schilderst. Mir schrieb man auch schon, es sei mutig mich ungeschminkt zu zeigen; beispielsweise in einem Post zu meiner Foundationroutine. Was für ein Bullshit logisch betrachtet, denn wie sonst sollte ich die denn überhaupt zeigen – wenn nicht mit einem zu Beginn komplett ungeschminkten Gesicht?! Irgendwie tue ich mich zwar auch bissl schwer das anzuprangern, denn ich weiß, daß es im Normalfall nett gemeint ist. Und im Gegensatz zu vielen Anderen – gerade auch zu vielen Feministinnen, wie mir scheint – finde ich ABSOLUT, daß die Intention einer Aussage eine Rolle spielt! Eine große sogar. Zieht man diese nicht mit in Betracht, tut man der Person, von der sie kommt, in jedem Fall Unrecht – und zwar sowohl dann, wenn die Intention nett, als auch wenn sie „böse“ war.

    Trotzdem finde ich unbedingt daß es eines viel höheren Bewußtseins dahingehend bedarf, weil wenige Aussagen einen solchen Offenbarungseid darstellen, was das Selbstbild und die Selbstwahrnehmung vieler Frauen (sowohl individuell als auch gesamtgesellschaftlich) betrifft, wie die, es sei mutig sich ungeschminkt zu zeigen!

    Schlechte Vorbilder gibts da natürlich genug. Beispielsweise eine Prinzessin, die perfekt gestylt aus dem Krankenhaus stöckelt, wenige Stunden nachdem sie ein Baby aus sich herausgepresst hat. Es gibt genug Frauen, die darauf was geben (medial entkommen kann man diesen „wichtigen Neuigkeiten“ eh nicht) und sich von so etwas beeinDRUCKen lassen; und das müssen meiner Meinung nach nicht, wie Raine geschrieben hat, „oberflächliche Deppen“ sein, sondern das können auch einfach junge Frauen sein, die im Leben noch Rollenmodelle suchen und brauchen um ihre eigene Rolle zu definieren. Oder schlicht etwas unsichere Frauen egal welchen Alters. Vielleicht auch solche, die schon Mobbing oder Ausgrenzung erlebt haben, und aufgrund dieser Erfahrung keinesfalls mehr „negativ“ auffallen wollen. Davon daß Schönheit letztlich ein Stereotyp ist, auf den Frauen viel zu oft reduziert werden, will ich an dieser Stelle gar nicht erst anfangen…

    All dem gilt es entgegenzuwirken. Zu begreifen daß es mutig ist sich etwa gegen Rassismus zu engagieren, beruflich als Frau in Männerdomänen vorzustoßen, gegen den Strom zu schwimmen für etwas an das man glaubt, oder beispielsweise auch greise Angehörige zu pflegen. NICHT aber andere Menschen sein ungeschminktes Gesicht sehen zu lassen!!! Ein Wandel im Bewußtsein für „Schönheit“ und deren Wichtigkeit einerseits, sowie für „Mut“ und dessen Definition andererseits, kann nicht mehr als ein Anfang sein. Aber es wäre immerhin ein guter.

  8. Clarisse

    Genau dieses „Das ist so mutig von dir!“ gibt mir jedes mal ein komisches Gefühl im Bauch. Und ich kriegs oft zu hören.
    Ich mag J Fashion. Ihr wisst schon, die seltsamen Klamotten, die man auf den Harajuku-Snaps zu sehen kriegt, wenn irgendwo mal wieder ein „Guck mal die komischen Japaner“-Lückenfüller gebraucht wird.
    Ich renn also durchaus auffällig durchs Leben. Nicht jeden Tag, denn dieses Styling geht bei mir mit einer gehörigen Portion Perfektionismus einher, aber wenn ich zum Beispiel am Wochenende was unternehme. Ich werde auch öfters drauf angesprochen, manchmal brüllt man mir Beleidigungen hinterher, aber meistens sind die Leute nett und interessiert.
    Wenn man dann kurz ins Gespräch kommt, fallen mir zwei Dinge immer wieder auf:
    Vielen kommt es gar nicht mehr in den Sinn, das man Dinge nur für sich allein tut. Sei es das Make up oder die komischen Klamotten, kaum fällt man auf, tut man es angeblich nur noch der Aufmerksamkeit wegen. Das denken teilweise sogar Leute, die mich schon etwas besser kennen noch. Ein bisschen geht das sogar Richtung Victim Blaming, ich müsse mich ja nicht wundern, dass ich solche Aufmerksamkeit kriege und mir jemand was hinterhergerufen hat, wenn ich schon so rumlaufe.
    Danke, ich bin introvertiert, ich will ganz sicher keine Aufmerksamkeit…

    Zweitens, anders zu sein ist äquivalent mit Mut.
    Ich traue mich etwas, nur weil ich es Leid bin, mich zu verstecken und beschlossen hab, zu sein wie ich bin.
    Egal ob Kleidung oder heut mal ungeschminkt, die Situation ist letztlich die selbe. Und einen richtigen Stich ins Herz gibt es mir, wenn derjenige dann sagt „Ich finde deine Sachen echt toll, aber ich würd mich nie trauen, so raus zu gehen.“
    Es muss einem egal sein. Weil es nur das Äußere ist.
    Es ist essentiell für das eigene Glück, Dinge zu tun, die man mag, einfach nur weil man sie mag oder sie sich richtig anfühlen.
    Deswegen kann man sich nicht um seine Steuererklärung drücken, oder anderen Schaden zufügen. Aber wie soll ich denn bitte mit meinem Aussehen jemandem schaden?
    Ich zwings ja niemandem auf, und ich steig nicht stinkend in die volle U-Bahn.
    „Aussehen“, egal wie, sollte eigentlich niemanden Überwindung kosten müssen und es macht mich unsagbar traurig, das es das zwangsläufig tut. Das so vielen eingeredet wird, die sei nicht ok, jenes auch nicht, und das und das kannst du gleich ganz vergessen.
    In gewisser Weise ist es wie der umgedrehte Rassismus, den Naekubi in diesem Post beschreibt:
    http://www.dangerbananas.de/2011/04/asiatinnen-sind-hubscher-als.html
    Das Gegenüber denkt, das es etwas Nettes sagt, denn Mut ist ja eine postitv besetzte Eigenschaft. Bloß führt das ja irgendwie doch zu dem Umkehrschluss, das es doch nicht richtig ist, was ich tue. Und warum krieg ich jetzt ausgerechnet ungeschminkt meinen Mut attestiert, hättest du mir nicht ein richtiges Kompliment machen können? Bin ich jetzt undankbar, weil du mir ein Kompliment machen wolltest, liebes Gegenüber, und ich mich nicht freuen kann? Heißt das, ich seh so unmöglich aus, dass es Mut bedarf so vor die Tür zu gehen?
    Darf es ja eigentlich nicht. Ich hab einen menschlichen Körper. Ich hab mir was angezogen, damit mich das Ordnungsamt nicht wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses wegzerrt. Was will mein Gegenüber denn noch?
    Reicht doch, alles andere sollte egal sein.
    Ist es nur leider nicht.

  9. Jonna

    Der auslösende Artikel und dein Post sind klasse, danke dafür!
    Ich bin immer ungeschminkt. Da ich eine auffällige Brille trage fällt das kaum jemandem aus. Wenn ich aber mal ohne Brille aus dem Haus gehe, werde ich oft gefragt, ob ich krank bin. Ich hab mich dann oft gefragt: „Meine Herren, seh ich ungeschminkt so furchtbar aus, dass mich alle für krank halten?“ Habe dann oft meinen Freund oder so nach seiner Meinung gefragt. Auch, wenn es meinte, ich sähe so wie ich bin super aus, hat mir das nach solchen Kommentaren nicht meine Zweifel genommen. Irgendwann dachte ich dann: „Was soll’s. Mir gefällt es eben so.“ Damit fahr ich bisher gut. :)

    Der beste Satz in dem Artikel ist der letzte: „Macht mit euren fantastischen Körpern bitte einfach, was ihr wollt.“

  10. Ulrike

    Ich muss auch sagen, dass ich es gut finde, dass darüber geredet wird.
    Für mich ist Schminken etwas, was mir häufig auf den Geist geht. Als ich in meiner schlimmsten Pickelzeit war hab ich häufig super dick zugekleistert, was die Pickel natürlich noch besser mochten. Inzwischen, ich bin knapp 20, trage ich zwar durchaus noch Makeup, aber halt nur dann wenn ich das auch will. Meistens ist es bei mir dann auch so eine 5 Minuten Sache. Mir ist außerdem auch schon aufgefallen, dass nur ein bisschen Augen Make-up für mich häufig schon fast besser aussieht. Das heißt nicht, dass ich Schminken prinzipiell doof finde aber es muss halt immer dem Menschen angenehm sein.
    Da ich also fast immer ungeschminkt unterwegs bin habe ich auch schon mal was in die Richtung: Dasist ja mutig gehört gekriegt. Aber ich muss sagen, das es für mich einfach eine Gewohnheitssache ist.
    Am Anfang ist es vllt ungewohnt aber auf die Dauer ist es entspannter und zum Thema typen und Schminke: Jeder Typ, der mich nur geschminkt schön findet soll nur weg bleiben.
    Denn ich bin schön=)

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