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China: Tierversuche für Kosmetik

Labormitarbeiter experimentieren mit einer Ratte in der Provinz Guangdong (China Daily)

Puh. Ein Thema was viele von uns derzeitig mächtig beschäftigt, schätze ich. Wir sind womöglich alle ein bisschen zum Umdenken gezwungen. Aber um ein wenig mehr Klarheit in die Sache zu bringen, habe ich mich entschieden zu recherchieren und einige Kosmetikfirmen, sowie Zertifizierer und andere Menschen vom Fach diesbezüglich zu kontaktieren.
Das alles wird sich letztendlich sicherlich auf die Tierversuchsliste von Blanc et Noir auswirken. Womöglich macht es an dieser Stelle sogar Sinn eine Art „gelbe Liste“ einzuführen, wo Kosmetikfirmen gelistet sind, die zwar eine positive Tierversuchspolitik verfolgen, allerdings in China verkaufen und dort Tierversuche für ihre Produkte in Kauf nehmen. Eine gelbe Liste würde mehr Transparenz schaffen und vor Allem nicht mehr nur in Schwarz oder Weiß (bzw. Rot oder Grün) unterscheiden. Aber darüber muss ich mir bezüglich der Umsetzung noch ein paar Gedanken machen. Die Befürchtung ist groß, dass da einige Firmen von der grünen Liste landen werden. Nein, eigentlich ist es keine Befürchtung. Es ist sogar ziemlich sicher.

In diesem Zuge wird demnächst aber nicht nur die Tierversuchsliste überarbeitet, sondern auch unsere Tierversuche-FAQ. Und ein Artikel über alle möglichen Kosmetik-Zertifizierer ist geplant, um ein wenig mehr Orientierung im Siegel-Dschungel zu bekommen. Auch ist an dieser Stelle nämlich interessant wie diese zu der China-Problematik stehen.

Problematisch sehe ich auch einige Stellungnahmen der Firmen, die angeben ganz sicher auch keine Tierversuche durch Dritte an deren Produkte und/oder Rohstoffe, Hilfstoffe durchführen zu lassen. „Durch Dritte“ beinhaltet in diesem Falle auch der Auftrag durch die chinesische Regierung. Schwammig wird es, weil die Tierversuche ja nicht unbedingt im Namen des jeweiligen Konzerns geschehen. Von vielen Firmen weiss man auf Anhieb auch gar nicht, dass sie bereits in China verkaufen. We will see. – So viel dazu. Ich wollte es euch nur wissen lassen, da das reichlich Zeit fressen wird und ihr nicht denken sollt, dass ich die Problematik einfach unter den Teppich kehre. :)
Jetzt aber zum Wesentlichen: 

 

Wie ist die gesetzliche Lage in China?

Leider erkennt die chinesische Regierung, im Gegensatz zu Europa, keine alternativen und somit tierversuchsfreien Testmethoden an und lässt nicht nur altbewährte Rohstoffe testen, sondern auch fertige Kosmetikprodukte/Endprodukte. Letzteres ist in ganz Europa bereits ohne Ausnahmen gänzlich verboten.
Aus diesem Grund sind Kosmetikfirmen gezwungen Tierversuche an ihren Produkten durchzuführen, sofern sie in China lancieren wollen.

Sehr gerne hätte ich euch noch ein Original-Zitat aus dem Gesetzestext vorgelegt, aber dafür reichen meine Sprachkenntnisse nicht. Falls ihr bei eigenen Recherchen auf etwas stoßt, sagt mir doch bitte Bescheid.  

Gesetzliche Bestimmungen für Versuchstiere (auf chinesisch): Klick
Tierversuche und Vorschriften (auf chinesisch): Klick
Linksammlung Tierversuche (auf chinesisch): Klick
Doc-Dokument LabAnimalUseChina (auf chinesisch): Klick
Doc-Dokument WorldLabAnimalWeek Booklet (auf chinesisch): Klick

 

Sind davon auch Online-Käufe nach China betroffen?

Nein. Nur wenn die Marke direkt in China lanciert. Alleiniger Online-Handel ist vom chinesischen Gesetz nicht betroffen.

 

Was ist mit „Made in China“-Produkten?

Auch die reine Produktion in China ist nicht vom chinesischem Tierversuchsgesetz betroffen.

 

Wie sieht die Zukunft aus?

In Europa sind Tierversuche für Kosmetikprodukte an Endprodukten sowie an Rohstoffen/Inhaltsstoffen verboten. Bis auf genau drei Tierversuchsmethoden, denn diese sind leider nach wie vor erlaubt. Diese sollen in der gesamten EU allerdings 2013 ebenfalls abgeschafft werden. Würde 2013 das neue Gesetz in Kraft treten, wäre es auch verboten Kosmetikprodukte oder deren Rohstoffe die im Tierversuch getestet wurden in die EU zu importieren (Verkaufsverbot). Dies übt reichlich Druck auf die Kosmetikindustrie aus, da es dann nicht mehr möglich sein wird in China und in Europa zu verkaufen. Diese Tatsache könnte die chinesische Regierung zum Umdenken bringen.
Aber… ja, das schlimme Wort „Aber“… Aber die EU ist gerade dabei die für 2013 geplanten Gesetzesänderungen um weitere zehn Jahre nach hinten zu verschieben.

The European Coalition to End Animal Experiments (kurz ECEAE) setzt sich, wie der Name bereits verrät, für das Ende der Tierversuche in Europa und der ganzen Welt ein. Zusammen mit einigen Kosmetikfirmen und weiteren Tierversuchsgegnern und Organisationen (u.A. BUAV (Leaping Bunny) und die Ärzte gegen Tierversuche e.V.) haben sie sich zu einer Arbeitsgruppe zusammengeschlossen, mit dem klaren Ziel Überzeugungsarbeit in China zu leisten. „Die chinesische Regierung soll dazu gebracht werden, weltweit anerkannte tierversuchsfreie Methoden zu akzeptieren und die Forderung, Kosmetika und Rohstoffe an Tieren zu testen, deren Sicherheit längst erwiesen ist, aufzugeben.“ – so die Ärzte gegen Tierversuche e.V.
Erste Anzeichen, dass sich die chinesische Regierung tierversuchsfreien Testmethoden öffnen will, gibt es bereits.

 

Wie kann ich helfen?

Mögliche Aktivitäten:

  • Kosmetikfirmen die in China verkaufen oder diesen Schritt vorhaben, anschreiben und erläutern weshalb man dagegen ist
  • Die Problematik verbreiten und andere Menschen dafür sensibilisieren
  • Keine Produkte von Firmen kaufen, die Tierversuche dulden
  • Petitionen unterschreiben und die ECEAE im Kampf gegen Tierversuche unterstützen
  • „Blogger gegen Tierversuche“-Logo auf den eigenen Blog/die eigene Webseite stellen

Was fällt euch noch ein? Was können wir noch tun?

 

Laborratte ratWeiterführende Links und Quellen:
Waschbär Ben

Kaffeekasse

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24 Kommentare

  1. Pingback: Blogger gegen Tierversuche « Blanc et Noir – Vegan Beauty Blog

  2. Vielen Dank für deine Mühen, Erbse. Es erschreckt mich, wenn Firmen, die sich auf die Fahnen geschrieben haben, nicht an Tieren testen zu wollen, mit dem Gedanken spielen, diesen Grundsatz über Bord zu werfen, um den chinesischen Markt erobern zu können. Vielleicht wäre in diesem Fall die Einführung einer gelben Liste tatsächlich sinnvoll, denn ich weiß, dass es viele Menschen gibt, die keine Konzerne unterstützen wollen, die sich zwar in Europa an die Vorschriften halten und diese auch eigentlich befürworten, aber für höhere Gewinnchancen in Kauf nehmen, dass eben doch wieder Tiere leiden müssen. Ich bin gespannt, wie es noch weitergeht und danke dir für dein Engagement.

  3. andrea

    ich verstehe die trennung mit der gelben liste ehrlich gesagt nicht.

    darf man für tierversuche sein wenn es profit bringt?

    abgesehen davon:
    was meint ihr wo dann künftig produziert und eingeführt wird.
    die kosten da sind doch drüben viel geringer.

    entweder oder. so ein „bißchen“ tierversuchsfrei nur weil es nicht in unserem land passiert…
    dann kann man es auch sein lassen wenn man es schon sein lassen möchte.

    lg
    andrea

    • Erbse

      Hallo Andrea,

      das sehe ich ganz genauso.
      Im Bezug auf die Liste allerdings, wäre die Auflistung in drei Farben aber womöglich ein weiterer Schritt in Richtung Transparenz. So ist genauer erkennbar was für ein Konzern Marke XY so ist. Es geht nicht darum Liste Gelb als eine „eigentlich tierversuchsfrei, aber…“-Liste einzuführen. Im Gegenteil.
      Vielleicht ist die Farbe Gelb auch einfach unschön gewählt, weil sie impliziert, dass man damit „noch fahren“ darf. Eine andere Farbe wäre daher denkbar. Erläutert werden die Aufteilungen gegebenfalls dann ja sowieso nochmal extra.
      Aber wie gesagt… ich muss mir dazu noch einige Gedanken machen, wie wo und ob ich das austüftele. :) Deswegen bin ich sehr dankbar über Meinungen diesbezüglich.

      Liebe Grüße

      • andrea

        warum denkst du denn das du unterteilen mußt?

        dann fällt mir vielleicht auch eine farbe dazu ein ;-)

        nein im ernst. transparenz ist löblich und finde ich klasse aber so eine klassen aufteilug ist doch nur eine erleichterung für das gewissen wenn es nicht entweder oder sondern noch das grau (gelb) dazwischen gibt.
        man somit weiterhin bei „seinen“ marken kaufen kann.

        aber wenn man wirklich sagen möchte „tierversuche nein danke“ passt es nicht zusammen meiner meinung nach.
        ich will hier auch nciht den apostel spielen oder vorhaltungen machen.
        ich bin weitaus kein gutes beispiel für konsequentes verhalten da ich mich damit nur am rande beschäftige.

        lg
        andrea

  4. Tinchen

    Auf jedenfall ne gute Idee :-)
    Für mich kämen aber auch Produkte von „gelben Firmen“ nicht in Frage.
    Die Unternehmen sollten sich mal überlegen welche Ziele sie verfolgen.

  5. Liebe Erbse,

    vielen Dank für diesen Post und wie immer für Dein Engagement.
    Mich beschäftigt diese Problematik zur Zeit auch stark. Mal sehen, wie es denn weitergeht.

    Liebe Grüsse,
    Angie

  6. Ich finde deinen Beitrag sehr gut und er klärt schon mal ein paar Fragen die bei so manchem aufgekommen sind (bei mir ja auch)

    Die Idee aus dem gelb ein grau zu machen finde ich ganz gut. Bei der Liste denke ich dann an Firmen die noch genauer „gecheckt“ werden müssen um genauere Klarheiten zu haben.
    Ich würde aus dieser grauen Liste keine Firmen unterstützen.
    So mancher beschließt dann evtl auch mal solch eine Firma anzuschreiben.

    Mach weiter so :)
    Liebe Grüßle

  7. liebelein, ich werde in kürze nochmals ein video dazu machen und auf deine liste nebst dem tollen artikel verweisen. ich denke das ist ok. ich werde mehrfach gefragt, ob ich nicht marken nennen kann, die keine versuche machen. deine liste erklärt ja alles und von dem her

  8. Pingback: FAQ – Tierversuche in der Kosmetikindustrie « Blanc et Noir – Vegan Beauty Blog

  9. Pingback: EU tierversuchsfrei?! « Blanc et Noir – Vegan Beauty Blog

  10. eine Freundin von mir hat folgenden Link in Facebook geteilt:
    http://www.wermachtwas.info/

    dort ist ein ähnliche Listung in insgesamt 4 Farben eingeteilt, allerdings nach etwas anderen Kategorien..

    ich fände hier eine gelbe/graue Liste auch sinnvoll und wie auf der Animals‘ Liberty Seite auch eine schwarze Liste, wo die Infos noch ausstehen, so fallen auch die Fragen weg, ob bei Firma XY und ZA schon angefragt wurde

  11. Dorothea

    Eine gelbe Liste wäre meiner Ansicht nach eine gute Idee.
    Ich persönlich würde lieber auf mehr Produkte verzichten und dafür dann aber sicher sein, das keine Tiere für meine persönliche Ästhetik gelitten haben.

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  16. liebe erbse, toller artikel allerdings fehlt mir eine liste von firmen, die direkt nach china lancieren. gibt es denn sowas?
    ich würde gerne einen kleinen artikel auf meinem blog schrieben wo es eben um „vegane“ kosmetik geht, die aber tierversuche in china unterstützen (meiner meinung nach dann nicht vegan). gibt es solch eine liste irgendwo online? danke für die hilfe! :) lg

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