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1075 Tage ohne Shampoo

Uff. Ich bin euch ja sowas von ein Update schuldig. <(-‚.‘-)> Am 6ten August 2012 schrieb ich das letzte Mal über ‚poo free, also das Waschen meiner Haare ohne Shampoo. Damals waren es fast 500 Tage. Die Zeit ist so schnell verflogen und das erst noch sehr aufregende Projekt wurde zu meinem Alltag. Jetzt lebe ich bereits seit 1075 Tagen, das sind fast drei Jahre, ohne Shampoo. Dieser Alltag ist auch der Grund, weshalb ich einen weiteren Artikel dazu so lange vor mir her schob.
Um nun nicht einfach nur ein „Ich bin immer noch dabei“ hier hin zu klatschen, will ich euch ein bisschen von der Routine erzählen, die sich derweil bei mir eingestellt hat.

Tatsächlich habe ich an meinen Haaren bemerkt, dass sie viel mehr Volumen haben als früher. Sie brechen nicht so schnell ab, wie ich es damals noch gewohnt war. Und vor Allem fühlen sie sich mittlerweile einfach nur gut an. Auch die Kopfhaut. Mit der habe ich nur noch im Winter ab und zu Probleme, oder aber wenn ich zu lange eine Haarwaschmethode am Stück anwende. Dann juckt und schuppt es manchmal. Ich hatte vor rund einem Jahr auf Reisen mal das Problem, dass ich gezwungen war ein herkömmliches Shampoo zu verwenden. Es hat mir beinahe die Kopfhaut weggebrannt. Wohl scheint sich mein Körper an die milderen Reinigungsmethoden bestens gewöhnt zu haben.

nach wenigen Tagen ohne Shampoo und nach 500 Tagen ohne Shampoo - poo free - veganLinks nach wenigen Tagen ohne Shampoo und rechts nach knapp 500 Tagen ohne Shampoo.

Ein Grund für ‚poo free war für mich damals der Verzicht auf eine Vielzahl von Tensiden, also waschaktiven Substanzen. Ich vertrage die meisten einfach nicht. Auch welche die in Naturkosmetik verwendet werden, waren für meine Kopfhaut eine Qual. Wenn ich mich nun so zurück erinnere, waren es sogar besonders die. Sodium Coco Sulfate, also Kokostenside, sind üblicherweise in vielen Naturkosmetik-Shampoos zu finden. In konventionellen Produkten finden sich außerdem noch folgende Tenside, die alle hautreizend oder austrocknend sein können: Sodium Lauryl Sulfat, Ammonium Laureth Sulfat, Ammonium Lauryl Sulfat, Sodium Laureth Sulfat, MIPA-Laureth Sulfat. Falls ihr also ebenfalls eine sensible Kopfhaut habt, schaut mal nach ob eure Beschwerden vielleicht von den verwendeten Tensiden kommen.

Stattdessen fahre ich sehr gut mit Saponinen, also nichtionische Tenside. Das sind die mildesten Tenside überhaupt, außerdem nicht giftig, komplett abbaubar und da fast ausschließlich pflanzlich, sind diese aus nachwachsenden Rohstoffen. Pflanzen(teile) die das natürliche Tensid enthalten sind zum Beispiel Seifenkraut, Waschnüsse (Reetha), Rosskastanien, Birkenblätter, Shikakai und sogar Gänseblümchen. Zufällig meine Lieblingsblume. Wie hoch der Saponingehalt in den Gänseblümchen ist, weiss ich aber leider nicht. Ich werde das einfach mal für euch testen, sobald sie wieder auf den Wiesen blühen.
Neben diesen Möglichkeiten gibt es natürlich noch viel mehr, wenngleich ich leider noch nicht alles ausprobiert habe. Ein altes japanisches Rezept ist zum Beispiel die Haare mit pulverisierten Algen zu waschen. Ich werde das dieses Jahr auf jeden Fall mit Nori oder Wakame testen. Aber auch Amla, neutrales Henna, Heilerde oder Lavaerde reinigt und pflegt die Haare. Ein Allrounder in der Küche und in der Kosmetik ist Natron, was sich ebenfalls zur Haarwäsche eignet. Mein Alltagsfavorit, da schnell und effektiv, ist aber Aleppo-Seife bzw. Olivenseife. Seifen verhalten sich anders als Shampoos oder Pflanzen mit nichtionischen Tensiden. Jedoch möchte ich auf die Haarwäsche mit Haarwaschseifen ein anderes Mal genauer eingehen. Wie ihr seht… es gibt so unsagbar viele Möglichkeiten sich die Haare zu waschen und ich habe mit Sicherheit noch nicht alles auf diesem Blog erwähnt. Aus der Haarwäsche kann man so leicht eine ganze Wissenschaft machen. <3

schwarze haare black hair die längen haare poo free ohne shampooAktuell: Meine noch schwarzen Haarlängen.

rote haare die spitzen poo free red hairAktuell: Meine Haarspitzen. Nehmen Henna gut an, aber Chemiefarbe will nicht mehr halten.

Meine Routine sieht derzeit in etwa wie folgt aus:

1075 days without shampoo poo free ohne shampoo black red hair long hair lange haare vegan

Aktuell mit rotem Haaransatz und ausgeblichenen Haarspitzen.

Eins meiner Ziele war damals das Hinauszögern der Haarwäsche. Ich wollte nicht mehr jeden Tag waschen müssen, damit die Haare einigermaßen liegen und nicht fettig aussehen. Zwischenzeitlich hatte ich es mal geschafft nur noch alle drei Tage waschen zu können, aber so richtig wollte es dahingehend mit meinen sehr glatten Haaren nicht voran gehen. Jetzt hat es sich auf alle zwei bis drei Tage eingependelt und das ist in Ordnung für mich.

Ich muss mich oft ganz schön selbst geiseln, damit ich mich ausreichend um meine Haare kümmere. Es gibt Phasen da bin ich sowas von nachlässig und faul mit meinem Haar, dann bereue ich es und muss mich irgendwie motivieren wieder mehr zu tun. Langes Haar funktioniert eben nur mit ausreichender Pflege.

Meine zehn Regeln für schniekes, langes Haar:

  1. Kein Föhnen, sondern Lufttrocknen. Oder nur in Ausnahmefällen, weil draußen Minusgrade sind oder ein wichtiger Termin beziehungsweise eine Party ansteht und man unter Zeitdruck ist.
  2. Jeden Morgen und Abend die Haare mit einer geeigneten Bürste entwirren. Aber bloß nicht im nassen Zustand, denn da brechen die Haare schnell. Ich liebe dafür den Tangle Teezer.
  3. Für mehr Glanz und eine schöne Kopfhautmassage verwende ich gerne eine Haarbürste mit Sisalborsten. Die ist vegan und den Wildschweinbürsten sehr ähnlich. Kostkamm und Culum Natura stellen solche zum Beispiel her. Außerdem reinigt sie Haar und Kopfhaut auf mechanische Weise.
  4. Auch wenn es schwer fällt: Regelmäßig die trockenen Spitzen abschneiden. (Oh verdammt, ja… das ist mein Ernst. Ab damit. :/)
  5. Nachts einen lockeren Dutt tragen, damit die Haare nicht zu stark verknoten und sie durch die Reibung kaputt gehen.
  6. Haargummis ohne Metal verwenden. Zum Beispiel solche hier aus kaputten Strumpfhosen: Nur mit Gummi
  7. Die Haare mit hautfreundlichen Mitteln, wie die oben aufgeführten, waschen.
  8. Nach der Haarwäsche eine saure Rinse anwenden. Besonders wichtig ist das bei häufiger Haarwäsche mit Seifen, denn es könnten sich ansonsten Kalkablagerungen bilden. Als Haarfestiger lieber ein bisschen Bier verwenden, anstatt chemischen Schaumfestiger oder Haarspray.
  9. Ab und zu eine Ölkur mit Olivenöl oder Kokosöl durchführen. Dafür die Haare einfach einölen und über Nacht oder eine Stunde vor der Haarwäsche einwirken lassen. Zwischendurch kann man auch Öl, wie etwa Distelöl oder Brokkolisamenöl, in den Haarspitzen geben.
  10. Die Haare so wenig wie möglich durch zu viel UV-Licht, durch Chlor oder chemische Haarfarbe strapazieren und dadurch schädigen.

Da ich immer mal wieder gefragt werde: Ich bin eine Frisuren-Niete. Ich trage sie so gut wie immer offen und glatt. Pony meistens gerade. Wenn ich aber keine Lust zum Nachschneiden habe oder die Haare nicht so liegen wie ich will, dann trage ich den Pony auch gerne mal zur Seite. Das war’s. Ein bisschen langweilig vielleicht.

Das Färben der Haare

Früher färbte ich mir einmal im Monat meine eigentlich blonden Haare mit schwarzer Chemiefarbe. Mal von Smart Beauty, mal von Sanotint. Beides vegan und tierversuchsfrei. Hin und wieder gab es einen Monat wo ich mit rotem Henna drüber färbte. Das will ich nicht empfehlen. Ich höre oft, dass es nach hinten los gehen kann und die Haare hinterher eine ganz andere Farbe haben als man erhoffte. Bei mir selbst gab es da aber nie Schwierigkeiten. Danach kam eine Phase wo ich immer öfter mit einer Mischung aus Indigo und Henna färbte. Meine Haare nahmen das sehr gut an und blieben schön dunkel. Allerdings färbte ich trotzdem noch ab und zu mit Chemie darüber. Ich merkte aber nach einigen Monaten ‚poo free, dass ich Chemiehaarfarbe stets weniger gut vertrug. Meine Kopfhaut war nach jeder Färbung echt fürchterlich am Jucken. Das Problem hatte ich früher nicht. Ich entschied mich also nur noch Henna und Indigo zu nutzen. Mittlerweile aber habe ich Indigo abgeschworen, da das nicht mehr bei mir halten möchte. Jetzt färbe ich einmal im Monat mit dem roten Henna von Khadi und alle paar Monate zwischendurch mit der veganen Schaumtönung von Accent. Diese hält nur einige Haarwäschen, aber ich benutze sie wenn ich mich unwohl fühle wegen dem roten Haaransatz. Wie ihr auf den Fotos sehen könnt, lasse ich das Schwarz also rauswachsen und will ein Rotschopf werden. Ich spielte seit Jahren mit den Gedanken und versuchte es ein paar Mal, aber ich wurde immer wieder schwach, da der Haaransatz wirklich schrecklich aussieht. Jetzt bin ich schon so weit gekommen, dass ich nicht mehr umkehren möchte. Irgendwann ist es geschafft. :) –> Vegane Haarfärbemittel im Überblick

Es gibt noch so viel zum Ausprobieren für mich. Water Only, Sebum Only, verschiedene Haarwaschmittel wie die oben angesprochenen Gänseblümchen… ach, Haare. <3
Wer noch mehr zum Thema lesen möchte, ist natürlich eingeladen in den vorangegangenen Artikeln zu stöbern: Alternative Haarwäsche

Wie pflegt und wascht ihr eure Haare?

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70 Kommentare

  1. Michael

    Hallo,

    ‚water only‘ kann ich nur empfehlen. Ich, männlich, 27, mache das seit 11 Monaten und habe etwa so eine Frisur: http://frisuren-fasson.com/wp-content/uploads/2015/05/Dark-Hair-for-Men-Undercut-Modern-Style.jpg

    Das beste ist, dass ich garkeine Mittel brauche, damit die Haare in Form bleiben. Früher mit Shampoo wirkten die Haare weniger voluminös und hingen immer unmotiviert herunter, jetzt kann ich die Haare einfach nach dem Duschen im nassen Zustand zur Seite/nach hinten legen und die trocknen mehr oder weniger in dieser Form.
    Es hat bei mir allerdings ca 10 Monate gedauert, bis ich überzeugt war. Zwischendurch gab es nämlich Phasen, in denen mir die Haare nicht so sehr gefallen haben (leicht fettig, rauh, strohig, Schuppen). Da musste ich schon teilweise jeden Tag mit warmem/heißen Wasser waschen, damits nicht fettig aussieht.

    Doch ich bin sehr froh, dass ich weiter gemacht habe. Jetzt wasche ich die Haare alle 2-3 Tage, während ich zu Shampoozeiten jeden Tag waschen musste, da ich grundsätzlich zu fettigen Haare neige.

    Ein Problem bei der Sache kann jedoch das Leitungswasser darstellen. Ich habe das Gefühl, dass hartes Wasser die Haare strohig und matt macht. Daher die einzige Sache, die ich neben Leitungswasser an meine Haare tue bisher:
    Wässrige Lösung, die etwas sauer ist. D.h. einen Schuss Zitronensaft oder Essig in einen Becher abgekochtes Wasser geben und nach dem Duschen über die Haare gießen und nicht auswaschen. Durch die pH-Wert-Änderung ins Saure werden die Haare glatter, weicher und glänzen mehr. Der Effekt hält auch bestimmt eine Woche.

    Zusammenfassung:
    pro:
    -die Frisur sitzt viel besser
    -die Haare sind schön
    -die Haare fetten weniger nach als mit Shampoo
    -ich brauche nur warmes Wasser, keine Chemie, nix

    contra:
    -die Haare brauchen Zeit, dahin zu kommen
    -nach 11 Monaten wirken sie nach Waschen mit Leitungswasser teilweise noch stumpf

    PS: Ich wasche mich übrigens komplett ‚water only‘ und benutze auch sonst keinerlei Produkt für die Haut.
    Und der Effekt des geringeren Nachfettens trifft auch auf die Haut zu. Die war früher in kürzester Zeit nach dem Duschen teilweise sehr fettig (im Gesicht vor allem). Das hat auch deutlich abgenommen.

  2. Elena

    Hallo Erbse, ich habe auch mit „no poo“ begonnen, ich wasche mir einmal wöchentlich die Haare mit Wasser und danach entweder mit einer Essig,- oder Zitronenrinse. Ich mache das jetzt seit genau einem Monat, doch meine Haare sind einfach immer noch fettig. Ich überdecke das immer, indem ich Babypuder verwende und einen Zopf mache, aber ich vermisse das „Frischegefühl“. Früher habe ich jeden zweiten Tag Haare gewaschen. Hast du Tipps für mich, was ich ändern könnte? Ist Lavaerde wirklich so gut? Habe ich mir jetzt bestellt.
    Vielen Dank und ein vor allem ein Lob an deinen Blog, ich liebe es, darin herumzustöbern und würde auch gerne mal so eine Kräuter- Haarspülung probieren :-)

    • Liebe Elena,

      danke dir. :)

      Ich glaube, dass es bei der „Water Only“-Methode sehr stark auf die eigene Talgproduktion der Kopfhaut, auf die Haarstruktur und auch auf das verwendete Wasser ankommt. So viele Faktoren, sodass es tatsächlich sein kann, dass es einfach nicht für dich funktioniert. Aber die Umstellung braucht auch seine Zeit.
      Mit Lavaerde komme ich persönlich am allerbesten zurecht. Die Erde saugt Schmutz und Fett auf und bindet diese an sich.

      Viele liebe Grüße

      • Elena

        Liebe Erbse, danke für die Antwort :-)
        Ok, danke für die Erklärung. Ich denke aber, dass man die Talgproduktion auch durch die Ernährung stark beeinflussen kann, oder? Ich versuche, mich gesund zu ernähren und bin Vegetarierin, aber (noch?) keine Veganerin…Vielleicht ist das ja auch von Bedeutung :) Aber ich freue mich auch jetzt schon auf die Lavaerde, weil auf Shampoo will ich wirklich sehr ungern wieder umsteigen…
        Liebe Grüße

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