no poo vier jahre ohne shampoo thumbnail vegan kosmetik
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Über 4 1/2 Jahre ohne Shampoo!

no poo vier jahre ohne shampoo thumbnail mit text vegan kosmetikNachdem nun sogar das Privatfernsehen mehrfach die alternative Haarwäsche, oder auch “no poo”, thematisch aufgegriffen und absolut zerrissen und zum Teil falsch dargestellt hat, möchte ich endlich mal wieder ein Update in den Äther streuen. Denn ich komme nach wie vor super mit “poo-free” zurecht. Und das seit nun mehr sage und schreibe ca. 4 1/2 Jahre, das sind 1582 Tage.

Mittlerweile gibt es hier auf dem Blog zahlreiche Artikel zur alternativen Haarpflege. Wenn ihr also alle Methoden und sämtliche meiner Erfahrungen über die Zeit nachlesen möchtet, dann fühlt euch unbedingt dazu eingeladen. Vorweg will ich erklären was “no poo” überhaupt bedeutet, denn in der Presse wurde es stets mit der Haarwäsche nur mit Wasser oder mit Natron und Apfelessig gleich gesetzt. “No poo” bedeutet aber nichts weiter als “kein Shampoo”, wobei das Wortspiel “poo = Kot” sicherlich mit Absicht so gewählt wurde. Neben der Haarwäsche mit Natron gibt es wahnsinnig viele weitere Methoden. Manche milder, manche eher zeitaufwändig und andere ganz simpel oder auch mal sehr speziell. Bestimmt habe ich immer noch nicht alles was möglich ist ausprobiert… aber hey, challenge accepted. :D
Ich will euch heute gerne erzählen, wie sich über die 4 1/2 Jahre meine Haarwäsche ohne Shampoo zu einer Routine entwickelt hat. Dafür möchte ich zuerst sämtliche Methoden auflisten und beschreiben, ob und wie sie für mich funktionieren. Vielleicht hilft es euch zur Orientierung.
Um einen besseren Vergleich zu bieten, kurz vorweg die Beschreibung meiner Haare: Hüftlang, glatt (1bMii) und monatliche Färbung mit Henna, wobei meine Längen teilweise noch beinahe schwarz sind von früherem Färben mit synthetischen, dauerhaften Haarfärbemitteln.

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Haarwäsche mit…

  • Water Only | Mit sehr warmen Wasser, damit sich das Sebum gut von den Haaren löst. Nur Wasser funktioniert bei mir nicht zuverlässig genug. Vielleicht versuche ich es bald aber nochmal über einen längeren Zeitraum.
  • Sebum Only | Toll als Kur, aber in der Übergangszeit sehr aufwändig. Bestimmt nicht für jeden Haartypen das Richtige.
  • Natron | Macht sehr saubere Haare, löst auch Öl und Fett zuverlässig, für die tägliche Haarwäsche aber eher ungeeignet, da es auf Dauer die Kopfhaut austrocknet. Saure Rinse erforderlich.
  • Haarseife, Aleppo-Seife | Eine schnelle Variante, besonders gut für unterwegs. Nutze ich ab und zu mal, wenn ich zu faul für meine eigentliche Haarroutine bin. Löst Öl und Fett sehr gut. Saure Rinse notwendig, damit keine Seifenrückstände in den Haaren bleiben.
  • Waschnüsse, Reetha | Super, auch für ölige Haare. Eine ökologischere Alternative sind zum Beispiel Kastanien, weil indische Waschnüsse erst importiert werden müssen.
  • Seifenkraut | Erst einmal genutzt, war aber okay. Ich berichte euch, wenn ich längere Zeit getestet habe.
  • Gänseblümchen | In Ordnung, aber eher als Spülung geeignet.
  • Kastanien | Wie Waschnüsse.
  • Lavaerde, Wascherden | Meine Lieblingsmethode. Lavaerde reinigt mechanisch und funktioniert auch bei sehr fettigen Haaren. Nur eine Olivenölkur bekomme ich wahrlich nicht damit heraus.
  • Roggenmehl | Reinigt zuverlässig, allerdings sollten die Haare nicht zu fettig sein. Ist ein super Conditioner. Ein bisschen Mehl könnte im Haar übrig bleiben, bekomme ich aber mit Schütteln und Kämmen schnell raus.
  • Birke | Ähnlich wie Gänseblümchen.

Haarspülung mit…

  • Apfelessig | Liebe ich. Besonders wichtig nach Seifennutzung oder Natron. Macht glänzendes Haar, riecht aber die erste Stunde stark nach Essig.
  • Brauner Reisessig | Erst einmal genutzt, hab zum Apfelessig kaum Unterschied festgestellt.
  • Zitronensaft | Nutze ich manchmal als Alternative zu Essig.
  • Haarkräuter (meine Favoriten: Schachtelhalm, Salbei und Brennnessel) | Wenn ich nicht gerade mit Natron oder Seife wasche, nutze ich beinahe immer einen Haartee. Garantiert meine liebste Art meine Haare zu spülen. Duften außerdem gut. Und kann nach individuellen Bedürfnissen ausgewählt werden.
  • Reis | Als Conditioner eine wunderbare Variante. Immer wenn es Reis zum Mittag gibt, kommt das Reiswasser als Spülung zum Einsatz.
  • Kaffee | Mag ich hin und wieder sehr gerne. Bringt Glanz und riecht fantastisch. Aus dem Kaffeesatz lässt sich zudem eine Haarmaske machen oder ich packe den auch schon mal in die Lavaerde rein.

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Haarpflege mit…

  • Amla | Entweder als Öl (sehr sparsam) oder in Pulverform. Mein liebstes indisches Haarkraut.
  • Shikakai | Pflegt nicht nur, sondern macht auch noch sauber.
  • Kokosöl | Riecht wundervoll und ist ein gut geeignetes Haaröl.
  • Olivenöl | Besonders gut für sehr trockenes und schweres Haar geeignet. Geht schwer wieder aus den Haaren raus und nutze ich daher selten.
  • Brokkolisamenöl | Beinahe wie ein natürliches Silikon. In den Haarspitzen ein Muss.
  • Arganöl | Mein Allrounder. Wenn ich Arganöl im Gesicht auftrage, mache ich mir meistens auch direkt was in die Haarlängen.
  • Sheabutter | Hinterlässt kein öliges Gefühl und meine Haare scheinen es wie ein Staubsauger aufzusaugen. Mag ich!
  • Avocado | Nährt. Nicht nur das Haar. Ich hab das zweimal ausprobiert, aber ich esse Avocados viel zu gerne, als dass ich sie mir in die Haare schmieren mag. :D
  • Mandelöl | Massiere gerne meine Kopfhaut damit. Besonders wenn ich mal Schuppen habe.
  • Distelöl | Ein trockenes Öl, welches ich gerne als Ölkur am Haaransatz und auf der Kopfhaut anwende.
  • Banane | Gut für die Kopfhaut. Aber ähnlicher Grund wie bei den Avocados: Ich esse sie lieber. :)
  • Muskat | Bringt die Haare zum Glänzen und ist entzündungshemmend. Ich packe es mir manchmal zur Lavaerde und lasse die dann länger als sonst einwirken.
  • Bier, alkoholfrei | In einer Sprühflasche eignet sich alkoholfreies Bier relativ gut als Haarspray.

Meine Werkzeuge sind…

  • Tangle Teezer | Entwirrt anständig. :)
  • Invisibobbles | Erst für einen unbegründeten Trend gehalten, dann ziemlich schnell geliebt.
  • Haargummis aus alten Strumpfhosen | Mochte ich jahrelang sehr gerne, aber unser Kater mag sie noch lieber.
  • Haarstab aus Holz | Mein neuester Haar-Buddy und treuer Begleiter. Wenn ich jetzt nur noch ein paar Frisuren lernen würde, dann könnte ich mich sicher mit weiterem Haarschmuck anfreunden.
  • Hochwertige Haarschere | Um Spliss gezielt zu entfernen.
  • Entöltes Kakaopulver als Trockenshampoo-Ersatz | Nutze ich alle paar Wochen mal ganz gerne, wenn der Pony bereits fettig aussieht, die restlichen Haare aber noch wunderbar aussehen.

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Hui, ja das ist mittlerweile doch schon eine ganze Menge. Falls es zu den entsprechenden Mitteln bereits einen Blogartikel gab, habe ich ihn für euch verlinkt.
Meine Mama ließ sich letztens die Haare sehr kurz schneiden und so kamen wir ins Gespräch über unsere Pflege. Sie war so zufrieden, dass sie nun kaum mehr Zeit im Badezimmer verplempern muss. Ihr Haar ist so kurz, dass nicht mal mehr das Bürsten notwendig ist. Für einen winzigen Moment war ich vielleicht ein bisschen neidisch, aber hey, ich habe wirklich gerne lange Haare. Als ich also meine ellenlange Haarroutine mit meiner Mama teilte, staunte sie nicht schlecht und ja, bestimmt fand sie das alles total verrückt und ein wenig übertrieben. Sie hat nicht unrecht. Bloß lange Haare bedeuten nun mal Aufwand, damit sie lang bleiben und möglicherweise sogar noch wachsen.

Meine Routine

Im Moment wasche ich mir alle zwei bis drei Tage die Haare. Manchmal auch alle vier, aber das klappt nur, wenn ich bestimmte Haarspülungen nutze, wie etwa Schachtelhalm. Ein üblicher Waschtag gestaltet sich wie folgt: Ich löse meinen Haardutt, den ich mit Hilfe eines Haargummis oben auf dem Kopf trug, damit meine Haare über Nacht nicht verknoten und abbrechen. In der Küche läuft schon mal der Wasserkocher, während ich in einer kleinen Schale meine Lavaerde mit etwas lauwarmen Wasser anrühre. Manchmal mische ich indische Kräuterpulver, Natron oder etwas Roggenmehl dazu. Der Wasserkocher pfeift, ich eile zum Herd und brühe einen Haartee. Die Wahl der Kräuter ist jedes Mal spontan. Bin ich eher in Eile mische ich stattdessen eine saure Rinse aus Wasser und Apfelessig an oder verwende Reiswasser. Während der Haartee zieht und abkühlt, bürste ich mir meine Haare und gebe ein Öl in meine Längen. Der Fokus liegt auf den Haarspitzen. Da ich mir die Kopfhaut nicht verbrennen möchte, habe ich noch ganz viel Zeit bis zur eigentlichen Haarwäsche. Wenn es dann soweit ist, trage ich alles ins Badezimmer. Haare nass, Lavaerde gut verteilen, kurz warten und dann lauwarm ausspülen. Der Haartee sollte nun sehr kalt sein oder zumindest Raumtemperatur haben. Ich gebe ihn in eine Schüssel, die in der Badewanne steht, stülpe meinen Haarschopf kopfüber hinein und gieße dann immer wieder den Tee über meinen Kopf. Danach nehme ich mir ein Handtuch und wickele mir einen Turban. Das ist die eigentliche Prozedur auch schon.
Gerade jetzt im Sommer lasse ich meine Haare lufttrocknen. Erst wenn sie vollständig getrocknet sind, bürste ich sie durch und gebe mir direkt eine kleine Kopfhautmassage. Am Liebsten trage ich die Haare offen, gewöhne mir jedoch gerade an, sie zumindest daheim mit Haarstab zu tragen. Der Dutt mit dem Haarstab strapaziert die Haare nicht und sieht für meinen Geschmack gut aus. Ich bin besonders Anita und Melanie sehr dankbar, dass sie mir Anfang diesen Jahres am lebenden Objekt gezeigt haben, wie ich den Haarstab tragen kann. :D

no poo haarstab

Auf den Fotos sieht man besonders gut, wie hell meine Haare mittlerweile geworden sind. Selbst die schwarzen Längen sind durchzogen von rotem Schimmer. Einmal im Monat färbe ich mit Henna, welches ich gerne noch mit anderen Kräutern, wie Amla, anrühre. Rotwein oder Schwarztee mag ich darin sehr. Tolle Hennamischungen habe ich bei Radico und Khadi gefunden.
Zwischendurch, etwa alle zwei Wochen, verpasse ich meinen Haaren und der Kopfhaut eine Maske aus Kaffeesatz und einem guten Öl.

Ich weiss, insgesamt bedeutet das viel Aufwand und vor Allem eine Menge Vorbereitungszeit und verschiedene Zutaten. Da ist der Griff zur Shampooflasche weitaus einfacher und deswegen so verführerisch. Trotzdem nehme ich das regelmäßig auf mich, weil sich meine Haare und meine Kopfhaut nie besser anfühlten. Und – zugegeben – mir macht das unglaublich Spass.

Ich will euch nun noch eine paar Fotos meiner Haare zeigen. So haben sie sich über die Jahre verändert:

no poo märz und april 2011 kosmetik vegan ohne shampoo

Das waren die ersten Wochen ohne Shampoo. März und April 2011. In dieser Zeit färbte ich noch mit schwarzer permanenter Haarfarbe. Meine Haarspitzen schimmern so rötlich, weil die Haare dort die Farbe im Laufe der Zeit nicht mehr angenommen haben. Meine Haare hatten kaum Volumen und Glanz und hingen einfach nur gerade herunter.

no poo juni 2011 kosmetik vegan ohne shampoo

Im Juni 2011. Im Sonnenlicht glänzten sie mittlerweile ganz gut. Aber ich hatte nach wie vor überall Spliss und färbte immer noch mit schwarzer Haarfarbe, wenngleich ich hin und wieder mit einem Henna/Indigo-Gemisch experimentierte. Ganz verabschieden wollte ich mich vom Schwarz noch nicht.

no poo juli 2012

Knapp über ein Jahr später sahen meine Haare wirklich toll aus. Meine Kopfhaut jedoch vertrug das Färben nicht mehr und so entschloss ich mich Ende 2012 ab sofort nur noch mit Henna zu färben.

no poo september 2013 und februar 2014

Wow. Von 2013 gibt es nur dieses eine Foto von mir, auf dem man meine Haarlängen sieht. Da ich das Färben mit schwarzer Haarfarbe aufgab, waren meine Haare im Sonnenlicht sehr fleckig und sahen eine zeitlang wirklich schlimm aus. Meiner Kopfhaut ging es allerdings nach und nach besser. Das Foto entstand an der Ostsee. Kein geeigneter Ort um gescheite Bilder von Haaren zu machen. :D
Dafür sehen meine Haare nur wenige Monate später, nämlich im Februar 2014, echt toll aus. Ich hatte derweil die Gelegenheit viele Hennamischungen auszuprobieren und fühlte mich endlich “angekommen”.

no poo februar 2015

So ziemlich genau ein Jahr später direkt nach einer Henna-Färbung. Deswegen ist der Haaransatz auch noch so Orange. Februar 2015. Henna wird wenige Tage nach der Färbung etwas dunkler. Vom Pony hatte ich mich 2014 verabschiedet, weshalb ich nun meistens Mittelscheitel trage. Ich fiebere auf den Tag hin, an dem der Pony kaum mehr zu sehen ist. Interessant finde ich am Foto, dass man sehr gut sieht wie weit das Schwarz bereits rausgewachsen ist. Am selben Tag noch schnitt ich mir das letzte Mal seit dem die Spitzen.

no poo Juni 2015

Diese Bilder sind von gestern. Das Schwarz hat sich wieder ein ganzes Stück verabschiedet und im Moment trage ich sowas wie “Fairytale-Ends”. Von der Länge wurde seit Februar nichts mehr weggenommen. Immer wenn ich Zeit finde, suche ich gezielt nach Spliss und schneide ihn weg. Ich weiss noch nicht ob mir diese wilden, fransigen Haarspitzen gefallen oder nicht. Man sieht sich ja so selten selbst von hinten. Aber ich wollte es auf jeden Fall ausprobieren.

Ich bin wahnsinnig glücklich mit meinen Haaren und bin so froh, dass ich damals aufhörte Shampoo und konventionelle Haarfärbemittel zu verwenden. Meine Kopfhaut hat es mir gedankt! Vielleicht hat euch der kleine Einblick ein bisschen weitergeholfen.

Natürlich handelt es sich, wie immer, um meine ganz persönlichen Erfahrungswerte. Daher interessiert mich sehr wie ihr mit den Haarwasch- und Haarpflegemethoden zurecht kommt und was ihr bevorzugt. <3

Waschbär Ben

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